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Jeschurun · 1885-11-05 · Heft 45 (5.11.1885) · p. 715

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 45 (5.11.1885)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1885-11-05
Page
715 (sequence 2)
Language
German
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ati dem Busen der ״Kreuzzeitung" fühlt sic den verwandten Schlag deö Herzens. Diese schreibt gestern: ״Die Juden sind in der That das Uebel, nüt dem der rumänische Staat vor allem zu. fäntpfcii hat, das ihm seine Entwickelung in einem Maße erschwert, von dem man trotz reicher eigener Erfahrung in Westeuropa denn doch kaum eine Ahnung hat." Wie bescheiden! Die ״Krenzzeitung" wohnt doch in Berlin und Berlin gehört mit zu Westeuropa, und du hat man doch in dem stillen Heim an der Königgrätzcrstraßc eine Ahnung und ein Verstandniß für das von den Juden geplagte Rumänien, wie es inniger nicht gewünscht werden kann — Bratianu wird cs zu würdigen wissen. — Ja, die ״Kreuzzeitung" ist wirklich groß. Auch an ihren Antisemitismus haben cinentli^ die Juden schuld, ״keine Judcnfrage ohne die ausdauernde Mitarbeit der Juden," ruft sie ebenfalls gestern der ״Bossischen" zu. Der Herr Professor Strack macht ihr aber gewaltigen Kummer, wie Sie aus der beifolgenden Erklärung dieses Herrn ersehen wollen. — Ungetrübtes Glück gicbl cs nicht; — mit Bratianu Arm in Arm, mit Strack leider auf gespanntem Fuße! w. Berlin, 1. November. Der Gemeinde ״Adaß Jißrocl" ist durch landesherrlichen Erlaß die Eigenschast einer öffentlichen Synagogeugcmeindc beigelcgt worden. * Kiel, 26. Oktober. (N.-Ztg.) Heute Vormittag verhandelte das hiesige Landgericht gegen den Redakteur deö periodischen Witzblattes ״Eulenspiegel" wegen Beleidigung des HofprcdigerS Stöcker durch ein Gedicht ״Die modernisirtcn zehn Gebote." In demselben nimmt ein Vater seinem Sohne gegenüber die Erläuterung des achten Gebotes in Betreff der Zeugung auf den Prozeß Stöcker Bezug. Der Angeklagte wurde freigcsprochen, da er L>töckcr durch das Gedicht nicht persönlich beleidigt habe. — Stöcker, Stöcker, bleiben Sie von den Gerichtsschrauken fern! Bis jetzt ist Ihre Ehre durch dieselben noch nie gerettet worden. Jb. ZLürzbnrg. Es soll den verchrlichen Lesern dcS ״Jcschurun" auch die Antwort, die der ultramontanc Abgeordnete in der bayerischen Kammer dem Staatsminister auf fein? Interpellation, warum er den Antrag nicht stelle, daß auch Nabbinalökandidaten und Rabbiner vom Militärdienste befreit werden, wovon Sie, geehrte Redaktion, in der jüngsten Nummer deö ״Jeschnrun" ausführlichen Bericht erstatteten, nicht vorenthalten werden. Sie lautet nngesähr: ״Es wurde mir vom Herrn Minister gleichsam zum Vorwurf gemacht, daß ich meinen Antrag nicht auch auf die Rabbinatskandidaten ausgedehnt habe. Offen 'gestanden, habe ich daran gedacht, dies zu Lhun; cs kam mir aber sofort der Gedanke: es ist mir nichts bekannt und ich habe davon noch nichts gehört oder gelesen, daß an Rabbinern ein Mangel vorhanden ist. Ein öffentlicher oder geheimer Kulturkampf besteht in Preußen oder in Bayern gegenüber der. jüdischen Religion oder ihren Dienern nicht, wird auch voraussichtlich nicht kommen. Ans diesem Grunde ist auch kein Mangel an Rabbinern eingetreten, weshalb mir betreffs einer derartigen Erweiterung meines Antrages ganz gewiß gesagt worden wäre: ״Was gehen Sie die Rabbiner an?" Es fehlt nicht an solchen, und aus diesem Grunde finde ich mich nicht veranlaßt, meinen Alltrag ans die Rabbiner oder Rabbinatskandidaten zu erweitern." Nach dieser Auseinander setzung hätte aber der katholische Abgeordnete seinen Antrag auch nicht für die Protestanten einbringen sollen, und wenn dies geschehen, warum nicht auch für die Israeliten? ד. Aus Ostpreußen, 27. Oktober. ולא. יהיה מנוה לבף רגלך, dieser Satz der הוכהה scheint auch in unserer Zeit sich furchtbar bewahrheiten zu sotten. Hunderte und aber Hunderte unserer russischen Brüder, welche theilweise Jahr und Tag in hiesiger Provinz und Westpreußen gewohnt haben, sind von dem traurigen Geschicke der Ausweisung betroffen worden. Man unterstützt sie, man möchte ihnen noch mehr helfen, aber die Mittel reichen nicht aus; und wenn inan sie nun wirklich mit Reisekosten ausgcstattet hat, was ist dann ihr Loos? Wie lange kann es dauern, bis die Armen wiederum eine zeitweilige Hcimath und in derselben einen entsprechenden Erwerb gefunden haben werden? Und den bisher ergangenen Ausweisungsbefehlen werden weitere folgen. Von Preußen aus wird sich ein großer Auswandernngszikg nach dem Westen über Holland, Belgien, England, Frankecich, Amerika und Australien verbreiten. Gott allein weiß, wie daS enden soll! — Anbei ein Ausschnitt aus dem ״Memcter Dampfboot", der nicht ohne Interesse ist. DaS ständige Hülfskomitee, heißt es darin, welches für die Nothstäude russischer Israeliten hierorts nun sein 15 Jahren besteht, hatte die Unterstützungen der des Landes verwiesenen Israeliten der hiesigen Stadt, sowie der Kreise Meine! und Heydctrug übernommen. Um nun einen Ucberschlag über die Höhe der erforderlichen Mittel zu gewinnen, hatte das Komitee bekannt gemacht, daß :ult dem heutigen Tage die Listen geschlossen werden sollten, hat aber die Uebcrzeugnng gewonnen, daß noch lange nicht Alle ausgenommen sind, welche der Unterstützung bedürfen. Sehr viele hoffen noch, daß die Ausweisungen zurückgenommen oder daß sie wenigstens den Winter über verbleiben können, und haben sich noch gar nicht eintragen lassen. Bis jetzt sind 518 Personen in den Listen verzeichnet, für welche allein an festen, nach einem gewissen Prinzipe normirten Quoten Mk. 17,210 ausgeworfen wurden. Sehr Viele, welche völlig mittellos

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