Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Kolomea [Nachricht]
- Date
- 1885-10-29
- Page
- 702 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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702 mit dem Iudenthum gebrochen hat, mit einem gewissen Mißtrauen betrachtet werden. Es wäre sehr zu wünschen, wenn der Verein Machasike Hadaß, wenn die anerkannten bedeutenden und frommen Männer, weiche das galizische Nabbinat zieren, diese Sache in die Hand nehmen wollten. Erweiterter Wohlstand und gehobenere Bildung sind schätzcnSwerthe Güter, aber höher noch gilt uns die Treue gegen unsere Religion, und wir wollen diese nicht gefährdet scheu irdischer Bortheile wegen. Das ist die Ansicht eines großen Thcils der galizischen Juden. Derselben einen öffentlichen Ausdruck zu geben, ist der Zweck dieser Zeilen, welchen Sie, geehrter Herr Redakteur, gütigst die Spalten Ihrer Zeitschrift, welche das gesetzestreue Iudenthum vertritt, nicht verschließen wollen. — אמתי p. Holland. -z- Amsterdam, 27. Oktober. Dem angenehmen Vernehmen nach wird vom hiesigen Herrn Louis Prinz e. 8. innerhalb kurzer Zeit dahier eine koschere Dampf-Eacaopulver- und Chocoladc-Fabrik errichtet und geöffnet. Für unsere gesetzeStreucu Glaubensgenossen, die sich auch für eine unverfälschte Bereitung interessiren, wird diese Mittheilung eine erfreuliche sein. * Antwerpen, Oktober. Es haben sich hier, wie dem ״Hamagid" berichtet wird, einige 50 jüdische aus Rußland stammende Familien niedergelassen, welche eine besondere Gemeinde bilden. Sie haben sich eine Synagoge, eine Talmud-Thoraschule und eine Mikwe eingerichtet, einen Rabbiner und Schochet engagirt und befinden sich in auskömmlichen Verhältnissen. Möge diese kleine Gemeinde zu einer recht bedeutenden erstarken und eine Pflanzstätte werden für תורה und יראה. Rumänien. ש Die in Czeruowitz erscheinende ״Bukowinaer Rundschau" berichtet über einen unerhörten Fall von Mißachtung der völkerrechtlichen Beziehungen, besten sich ein offizielles Organ der rumänischen Negierung vorige Woche gegenüber einem österreichischen Staatsbürger schuldig gemacht hat, wie folgt: ״Ein orthodoxer jüdischer Bürger, der 55 Jahre alte Leib Rosen-?ranz aus Tremblowa bei Tarnopol ist in Geschäftsangelegenheiten nach Herza in der Moldau gereist. Er war im Besitze eines legalen österreichischen Passes, den er auch von rumänischen Zollbeamten in Marmowitza ordnungsmäßig vidiren ließ, und meldete sich bei seiner Ankunft in Herza auf der Polizei, um seinen mehrtägigen Aufenthalt vorschriftsmäßig zur amtlichen Kcnntniß zu bringen. Der Herr Polizeimeister findet eS aber angezeigt, das Vidi der Präfektur in Dorohoi aus den Paß des österreichischen Staatsbürgers setzen zu lasten, läßt den Kaufmann 24 Stunden im Arrest sitzen und schickt ihn in Ketten unter militärischer Eskorte zu Fuß nach Dorohoi, woselbst dieser das Vidi der Präfektur persönlich abholen soll. In Dorohoi wurde der Mann drei Tage im Kerker gehalten, täglich geprügelt, dann wird unter Anwendung von Martern Kopf und Bart rasirt, und zuletzt wird er wieder mit Eskorte an die österreichische Grenze abgeschoben." — Hoffentlich wird dieser schauderhafte Fall eine Interocntion der österreichischen Regierung veranlassen. י Jassy, 18. Oktober. Man müßte einen Folianten anlegen, um alle Greuel zu verzeichnen, welche hier zu Lande an Juden verübt werden. Nur einige Thalfachen von der namenlosen Tyrannei und Grausamkeit. Herr Markus Lobet und andere Juden in Seveni hat der Subpräsekt im Gesäugniß, wo sie wegen keiner anderen Schuld als dem bekannten Protest gegen die angebliche Lügenhaftigkeit der verübten Unmenschlichkeitcn schmachten, den Mund verstopfen und hierauf barbarisch peitschen lasten. Einem anderen Juden wurde nach empfangenen Schlägen der halbe Bart abrasirt. — Der Porumbar von Bakau hat bei einem jüdischen Wein- Händler nächtlicher Weise das Magazin erbrechen und achtzehn Fässer alten WeiuS fortuehmen lassen, angcblich weit dafür keine Akzise bezahlt worden sei. Der Wein ist aber bereits vor mehreren Jahren versteuert worden! — In Botuschan wurde ein jüdischer Fuhrmann furchtbar geprügelt, weil der Herr Beamte, für den er etwas zu befördern hatte, den Frachtsatz zu hoch fand! u. s. w., u. s. rv. Mcherschlln. Das Buch Al-Cstazari (Kusari) im arabischen Urtext, sowie in der hebräischen Uebersetzung des Jehuda ibn Tibbon. hcrauSgegeben von Dr. Hartwig Hirsch selb. Leipzig. Otto Schulze. Der gelehrte Herausgeber fordert im Verein mit dem Verleger zur Subskription auf die in der Ueberschrist genannte neue Ausgabe des Originaltextes und besten hebräischer Uebersetzung auf. Beide sind sorgsättigst, ersterc nach der einzig vollständigen Handschrift der Boedlejana zu Oxford, letztere nach dem Originale selbst rcvidirt und mit fünf Handschriften von Paris, Berlin und München kollationirt, festgestcttt und mit textkritischen Noten versehen worden. Dr. Hirschfeld erfreut sich in der Gelehrtenwelt eines zu guten Rufes, als daß man ihn nicht als einen der Berufensten zu