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Jeschurun · 1885-10-29 · Heft 44 (29.10.1885) · p. 697

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 44 (29.10.1885)
Article
Das todte Meer
Date
1885-10-29
Page
697 (sequence 1)
Language
German
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M 44. Zeschnru». 697 Das Me Meer. ״Und Gott hatte über Sodom und Amora Schwefel und Feuer regnen lassen, — von Gott, מ out HL inm e l — und diese Städte und die ganze Ebene, auch alle Bewohner der Städte und das Gewächs dcS VodenS umwandelt" — so lautet der Bericht des GottesworLS 1. B. M. 19, 24 und 25, welcher die Umwandlung der fruchtbaren Thalebene des Jordan, die wie ״ein Garten Gottes" ehedem gewesen, den spätesten Geschlechtern überliefert. Zu diesem Berichte und der besonders nachdrücklich hervorgehobcnen Anführung ״von Gott, vom Himmel" bemerkt Hirsch in seinem Kommentar (S. 320) das Folgende-. ״Nachdem eS bereits hieß ״ וד, המטירund Gott hatte über Sodom und Amora Schwefel und Feuer regnen lassen," ist Beides (von Gott, vom Himmel) für die Erzählung völlig überflüssig. Es ist aber dieser wiederholte Zusatz von höchster Bedeutung. Wer jetzt die Gegend des tobten Meeres sieht, die vielen Naphtaquellen, die ganze vulkanische Beschaffenheit des Bodens, der erklärt sich den Untergang dieser Städte als ein ganz gewöhnliches Naturereignis. Die vulkanische Beschaffenheit der Gegend erklärt die Entstehung des tobten Meeres. Die Ursachen sind natürlich und irdisch, und es bedarf dazu keines Rekurses zu Gott und zum Himmel. Dieser irrenden Ansicht gegenüber bekundet das Gotteöwort: מאת ד׳ מן השמים, von Gott, vom Himmel kam es. Ihr verwechselt die Wirkung mit der Ursache. Was.euch als Ursache erscheint, ist in Wahrheit nur die Wirkung. Die gegenwärtige Bodenbcschaffcnheit, anS welcher ihr die Katastrophe erklärt, ist erst eine Wirkung der Katastrophe, die nicht auf der Erde und von der Erde, sondern von Gott, vom Himmel bewirkt worden. Wohl ganz in ähnlicher Weise irrt überhaupt die geologische Spekulation über die Entstehung der Welt. Die Thatsachen der Erscheinungen, die sie zu Grunde legt, sind wahr; allein die Schlüsse sind falsch. Sic verwechselt ebenso Ursache und Wirkung. Was sie als Ursache der Erdrevolutionen ansieht, sind erst die Folgen von Revolutionen, die Gott zur Gestaltung der Erde hervorrief." Wir haben auf diese Bemerkung Hinweisen wollen, bevor wir. in Veranlassung eines Aussatzes des Herrn Robert Fritsche im ״Ausland" Nr. 41 und 42, und demselben folgend, eine Schilderung von diesem Meere, welches von den Arabern ״Bachr Lut" (das Meer des Lot) genannt wird, in seiner gegenwärtigen.Erscheinung mittheilen. Dasselbe liegt im Wilajet Scham im Südosten des heiligen Landes und dehnt sich in einer Länge von 76 Kilometer und einer zwischen 3!/ä bis 16 Kilometer wechselnden Breite aus. Es liegt 394 Meter unter den! Spiegel des mittelländischen Meeres. Man kennt überhaupt keine tiefere Einscnkung der Erde. Von den! ärrnlichen Lchmhüttendorf Niha, dessen Name an die alte Stadt Jericho erinnert, kommt man endlich nach etwa zwei Stunden an rnerkwürdig geftaltctc konische Sandhügel vorbei über meist salz« thonigem, sunlpfigem, schwachgewetllem Boden, der hier nnd da mit Salzpflanzen und Weidcngestränch besetzt und so glatt ist, daß die Pferde leicht auSgleiten, an die Mündung des Jordan und das Nordende des Todten Meeres. Fast jeder Reisende trifft mit bestimmter vorgefaßter Meinung hier ein, meint wirklich einen düstern See hier zu finden, und ist nun nicht wenig erstaunt, über das im Frühling geradezu erfreuende Aussehen desselben. Denn der Jordan ist an seiner Mündung von allerlei Bäumen umgrünt. Und am Nordrand des SeeS ist starkes Gebüsch, in das bei unserer Ankunst ein wilder Eber flüchtete, in dem der Gesang der syrischen Nachtigall erscholl und Hunderte Tauben lustig girrten, die, anfgeschreckt, mit ihrem schönen Fluge die Luft ringsum durchkreistcn. Wir sahen vor uns ein freundliches Wasser, zu beiden Seiten von dunklen Kalksteinfelsen eingefaßt, die im Norden des Sees weit auseinander treten, bald aber wieder dem Ufer zuziehen, um dasselbe endlich mit jähen Wänden einzuschlicßcn. Selbst diese Felsen waren in den Ritzen mit etwas Grün bekleidet und an ihrem Fuße hie und da mit einem Planzengürtel umgeben. Und so ist an allen Stellen dcS Ufers, wo nur eine süße Quelle entspringt, liebliche Vegetation zu finden. So bei Eugcdi in der Mitte des Westufcrs, so gerade gegenüber im Wadi Modschib am Ostufcr und nördlich davon im Wadi des Zerka Main, wie auch am Südende des SeeS. Die bald an den See herantrctenden Berge lassen ihn nicht seiner ganzen Länge nach überblicken. Von der Ferne gesehen, laufen die Berge als Fortsetzung des ciS- und transjortanischen Gebirges von Norden nach Süden als eine ziemlich gleichhohe, ausdruckslose Kette ohne hervorragende Gipfel am Westnnd Oftufer dahin. In der Nähe sieht man jedoch einzelne Kuppen, wie Nas-Feschka, e!-Mersed, Engedi nnd Sebbeh im Westen und vornehmlich Kcrak im Osten über den Kamm aufsteigen. Man wird auch, so von der Höhe Engedi'S aus, der gewaltigen Einschnitte des Wadi Modschib 1u1b des Zerka. Main am Ostufer gewahr, wie auch die scharfen Zacken des Salzberges Usdunt im Südwesten, so daß von der dem Kalkgebirge eignenden Einförmigkeit hier kaum die Rede sein kann. Die Frlsenschrofen sind im Westen bis 400 m., im Osten etwa 700 m. hoch, aber die scharfe Be-

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