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Jeschurun · 1885-10-29 · Heft 44 (29.10.1885) · p. 695

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 44 (29.10.1885)
Article
Simon May contra Professor Hermann Strack
Date
1885-10-29
Page
695 (sequence 2)
Language
German
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695 gegen mich sein ließ, dem Frieden und der Vermeidung .öffentlichen AergernisseS nachgejagt. Der Herr Hof- Prediger Stöcker aber hat sich mir gegenüber derartig benommen, daß das königliche Landgericht I, wenn ihm bei dem Prozesse gegen die ״Freie Zeitung" dieejnigen Aeußerungen Stöckers, welche ich beweisen kann, bekannt gewesen wären — daß, sage ich, das königliche Landgericht I dann die Art, in der der Herr Hofprcdiger Stöcker mit seinem Worte umgegangen ist, mit einem schärferen Ausdruck als ,leichtfertig* bezeichnet haben würde..Weiter konnte er jedoch nicht kommen, weil der ״Vorsitzende ihm das fernere Verlesen untersagte. — DaS Urtheil lautete gegen Professor Strack auf Freisprechung, gegen May auf dreißig Mark Geldstrafe und Tragung der nicht unerheblichen Kosten. — Wie verlautet, soll Herr Hofprediger Stöcker nunmehr gewillt sein, gegen Professor Strack einen Strafantrag wegen öffentlicher Ehrenkränkung zu veranlassen. Non Naphtali Simon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Denn sic handelten erstens sehr unvernünftig, daß sie eine Meldung erstatten wollten zu einer Zeit, wo noch gar nichts geschehen war. Das ist die Voreiligkeit, die die Inden anszeichnen soll. Hütten sie nicht ruhig warten können, bis die Muschiks angekommen waren? So aber wollten sie dem Herrn Jsprawnik eine falsche Meldung machen und haben dem Herrn Schreiber auch wirklich eine solche gemacht. Die Muschiks waren ja noch gar nicht da, als sie deren Ankunft meldeten! Sodann aber waren sie zu unverschämt und haben ja den guten Herrn Schreiber förmlich aus der Kanzlei getrieben. Denn eine solche Unverschämtheit kann kein Beamter ruhig hinnehmen, eine solche muß ihn aufregen und ärgern. Es steht demgemäß durchaus fest, daß die Juden allein und ausschließlich die Schuld dafür tragen, daß an diesem Apriltage kein Beamter in der Kanzlei zu finden war. Hei, das war ein gar lustiges Treiben, das jetzt in der Stadt anhob; desgleichen war noch nie gesehen worden seit der Gründung des Orts. Die biedern Muschiks zogen von der der Judenschmiede entgegengesetzten Seite unter lautem Jubel und Gesang herein und hatten auch ihre Frauen mitgebracht, damit diese doch auch einmal einen recht vergnügten Tag haben sollten, durch besondere Klugheit auszeichnender Muschik. Daran hatten die harmlosen, einfachen Menschen in ihrer Ist das nicht ein rührender Zug reinsten, glücklichsten Familiensinnes, der den wackeren Muschik bekanntlich vor allen anderen Menschenkindern auSzcichnet? Die braven Leute waren natürlich von dem Marsche recht ermüdet und namentlich recht durstig geworden. Da wird es jedermann sehr vernünftig finden, daß sie bei der ersten Schenke, welche dem Juden Chasket Plotzkow gehörte, Halt!nachten, um sich ein wenig zu stärken. Aber man denke sich nur die Bosheit des Juden! Chaskcl hatte die HauSthür verschlossen und die Läden vor die Fenster gestellt und war mit seinem Weibe und seinen Kindern in den Keller gegangen, weil er den guten Leuten seinen Wodka mißgönnte. Er öffnete auch nicht, als man an Thür und Laden klopfte, sondern blieb ganz verstockt in dem Keller. Da blieb doch den armen durstigen Menschen nichts Anderes übrig, als die Thür selbst zu öffnen, und weil sie keinen Schlüssel hatten, so mußten sie dieselbe natürlich einschlagen. Jetzt aber stellt euch die ausgesuchte Schlechtigkeit des jüdischen Krügers vor! Es war in dem Schenklokal nur eine einzige Flasche Branntwein vorhanden; der Bösewicht hatte sicherlich seinen Vorrath irgendwo versteckt. Was sollen ein paar hundert Menschen mit einer einzigen armseligen Flasche, die noch nicht einmal ganz voll ist, anfangen? Nein, eine solche perfide Handlungsweise kann auch die sanftesten Menschen zornig machen! Es geschah dem Chaskel ganz Recht, daß die Gäste, denen er die Mühe machte, die Thür zu erbrechen, ihm zur Strafe den Schenktisch und das sonstige Mobiliar zertrümmerten. In einer Schenke aber muß Branntewein zu haben sein, denn wozu sonst wäre eine Schenke da? Es war deshalb ganz in der Ordnung, daß die armen durstigen Leute nach Branntewein suchten, da er aus der Schcnkstube boshafterweise entfernt worden war. Da gingen sie denn in die anderen Stuben. Vielleicht steckt er in den Betten, dachten sie, und schnitten die Bettbezüge auf und warfen die Federn auf die Straße.' Aber da war kein Branntwein. Sollte er in der Kommode oder dem Schranke sein? Man fand da wohl Kleider und Wäsche, aber keinen Branntewein. Nun, die Kleider und Wäschestücke können wir wohl gebrauchen, dachten die Leute — und da hatten sie gewiß Recht — darum trugen die Weiber die Sachen hinaus zu den Wagen, während die Männer die leeren Behälter zerschlugen. Man fand auch einiges Geld in einer Truhe. Warum sollte man das liegen lassen, — cs war ja herrenloses Gut, weit im Hause Niemand anwesend war. So mühten sich die armen Durstigen ab und hatten nichts zu trinken! Das war wirklich ein saures Stück Arbeit! Me Räume des Hauses mußten durchsucht und ausgelcert werden; das ist keine Kleinigkeit. Und noch immer keinen Branntewein! Jetzt zum Keller! rief ein sich

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