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Jeschurun · 1885-10-29 · Heft 44 (29.10.1885) · p. 693

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 44 (29.10.1885)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1885-10-29
Page
693 (sequence 2)
Language
German
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693 geben, die alle einstimmig nicht nur unsere heilige Lehre und die Anordnungen unserer Weisen s. Ä., sondern auch die Gemeinde-Verordnungen mit aller Kraft aufrecht erhalten wollen und sich deshalb vor der Synagoge versammelt haben, — haben Parnassim eine Untersuchung angestcllt und dabei von hoher Seite i vernommen, daß alle solche Schwatzereien unwahr sind. Parnassim warnen deshalb einen Jeden, nicht auf die ansgestreuten lügenhaften (Gerüchte zu hören, daß sich vielmehr ein Jeder ruhig verhalte, und daß keine öffentliehen Zusammenkünfte aus den Straßen stattsinden, um nicht der Justiz zu verfallen; daß Niemand gegen die Gemeinde-Verordnungen opponire, die nach wie vor gehandhabt werden würden. Die Zuwiderhandelnden würden nach Kräften mit Strafen belegt werden. Im Februar 1797 hat die Negierung im Haag den Parnassim aufgegcben, daß eine Zählung der Juden stattsinden müsse. In Folge dessen haben Parnassim 87 Viertel-Meister ernannt, welche Sonntag, den 5. März, von Haus zu HauS gingen, um die Seelenzahl der jüdischen Bewohner auszunehmen; auch die Dienstboten, soweit sie Juden waren, wurden notirt. Auch zu den Sephardim mußten sie gehen, um zu fragen, wie viel hochdeutsche Dienstboten sie hätten. Am 16. März 1797 kamen sechs frühere Parnassim auf die Gemeindestube und fragten Parnassim, ob sie einige Mitglieder, die im Interesse der Gemeinde Einiges vorzubriugcn hätten, empfangen wollten; falls nicht, würden sie aus der Gemeinde austreten. Die Namen der sechs waren: Benjamin Cohen, Benjamin de 3011g!), Jakob אייזק פרעגער ,ליב רופא ,האג, Eleasar de Jongh. Die Antwort der Parnassim lautete sehr ruhig, sie wollten die Leute empfangen, wenn sie im Namen von Privaten, aber nicht, wenn sie von Felix libertate oder irgend einer anderen Sozietät kämen; auch wollten sie nicht in Unterhandlung treten mit Moses Asser, Hartog Bromet und Dr. De Lemon, da diese sich so sehr gegen alte und jetzige Parnassim ausgelassen hätten. Darauf sagte Herr Benjamin Cohen: ״Die Männer, welche hierher kommen, können und werden entschieden nicht anders erscheinen, denn als Bevollmächtigte ihrer Sozietät oder des Klubs Felix libertate." Es kam hierauf zu heftigen Debatten, und die Sache wurde nicht entschieden. Die vier letztgenannten Herren waren über die Worte des Herrn Benjamin Cohen sehr erstaunt, da man abgesprochen hatte, es solle gefragt werden, ob die betreffenden Pesonen als private Gemcindemitglicder zugelassen werden würden, um sich mit Parnassim zu verständigen und zugleich ihre'Wünsche vorzutragen. — Herr Benjamin Cohen nahm hierauf bei! Herrn Benjamin de Jongh in seiner Equipage mit, während die übrigen Herren noch zurückblieben. um mit Parnassiin die Sache noch einmal reiflich zu überlegen, aber von den Unterhandlungen kam nichts. Am 18. März פרשת פרה ließen Parnassiin in allen Synagogen abknndigen, daß sie vernommen hätten, daß einige Leute, die sich provisorisches Komitee einer hier neu zu errichtenden jüdischen Gemeinde nennen, sich mit einer Eingabe an die Provinzialregicrnng im Haag gewandt hätten und die Mitglieder der Gemeinde zu verleiten suchten, aus der Gemeinde auszntreten und sich ihnen anzuschlicßen. Sic geben nämlich vor, daß, nachdem Staat und Kirche geschieden, ein Jeder thun mag, was er will. Parnassim warnen deshalb die Gcmeindemitglieder, auf diese Leute nicht zu hören und sich nicht zum Austritt ans der Gemeinde verleiten zu - lassen;׳ sie bringen Artikel 22 der Gemeinde- Verordnung in Erinnerung, wonach mit einer Strafe von tausend Gulden Derjenige bedroht wird, der gegen die Gemeinde konspirirt, oder eine besondere Fleisch- Halle, Bad oder Synagoge errichtet; daß, obwohl dieser Artikel jährlich der Gemeinde in Erinnerung gebracht wird, sie doch von der Macht, die dieser Artikel ihnen gebe, keinen Gebrauch gemacht hätten. Fortan würden sie die Verordnungen jedoch handhaben und gegen Jeden anwenden, welcher sich gegen sie vergehen und sich der neuen Gemeinde anschließen würde. Es würden die Namen Derer öffentlich bekannt gemacht werden, welche diesen Artikel übertreten, oder außerhalb der Gemeinde- Halle Fleisch kaufen, oder ein anderes als das Gemeindebad benützen würden u. s. w. Das ©rptt der Breslauer SHule» die von Herrn Or. M. Nahmer in Magdeburg hcrauSgcgebene ״Israelitische Wochenschrift" entblödet sich nicht ihre jüngste Nummer vom 22. Oktober d. I. mit einem Leitartikel zu eröffnen, welcher zu den stärksten Leistungen zählt, die die Presse auf dem Ge« biete der Jnvcktivc und Verdächtigung aufznweisen hat. Es wird darin von den Orthodoxen nichts Geringeres ausgesagt als: ״bei ihnen ist nur leere Aeußerlichkeit, gehaltloses Formelwesen vorhanden;" ״bei ihnen sind die erziehlichen Vorschriften der Thora gedankenlose, nur im Dienste der Zanksucht stehende Zeremonien;" ״bei den Uebnngen ihrer Hände bleiben ihre Herzen teer;" ״sie vermeinen mit ihren frommen, heuchlerischen Geberden den lieben Gott abzusindcn und streuen den Menschen Sand in die Augen;" ״die Religion ist ihnen ein Deckmantel ihrer eigennützigen Absichten und Pläne;" ״ sie erwürgenMe u f ch e n, die nicht in Gemeinschaft mit ihnen die Augen verdrehen wollen;" ״ihre Lippen fließen von Bruderliebe über und ihre Herzen schwellen von Haß und eitler Ueberhebnng" u. s. w.

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