Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1885)
- Article
- Rußland : Petersburg [Nachricht]
- Date
- 1885-10-22
- Page
- 686 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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686 beschiedcn. Als bcm Mädchen dieses mitgethcilt wurde, siel eS vor Aufregung und Schrecken zu Boden und war tobt Nun, es wurde begraben. — DaS ist die ׳ Geschichte von Sara Margrin, die gern etwas lernen wollte, aber Jüdin war. -x- Warschau, 1 0. Oktober. Im DorfePoniemnn Pozajcn (Kreis Mariampol) kam cs zu argen Judenkrawallen und entspann sich, als die Polizei einschreiten wollte, ein Handgemenge zwischen diesen und den Krawallmachern, so daß zuletzt geschossen werden mußte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Untersuchung ist eingeleitet. m. Von der Weichsel, 12. Oktober. Kom- Missionen für das Allgemeine, Kommissionen für das Spezielle, das ist die Losung Wenn die Einsetzung von Kommissionen die Heilung der Schäden bedeutete, dann wären wir höchst gesund. Ehedem waren wir noch so naiv und erblickten in der Berufung einer Kommission den ersten sicheren Schritt zu einer baldigsten und gründlichen Besserung. Inzwischen haben wir cinschcn gelernt, daß wir arme Thoren waren. — Unsere altehrwurdigc Judcnkommission soll, wie vcrlautet, einmal wiederum zu einer Vcrathnug zusammentreten, und zwar durch die zwei StaatSräthc M ordwinew und Polawzcw verstärkt. Sie wird auch die wichtige Frage in den Kreis ihrer Erörterung ziehen, ob die Juden an christlichen Feiertagen ihren! Geschäfte nachgehen dürfen. Während also in Petersburg für das ganze .Reich gearbeitet werden soll, ist auch die zu Warschau tagende Spezial Judeukommission nicht unthätig. Sie pflegt eingehenden Rath über die Frage, welche Gewerbe sollen den Juden gestattet sein? — wie viele Schulen und Synagogen dürfen sie errichten? — sollen sie in allen Städten und Dörfern, und in diesen Orten überall, wohnen? — sollen sie zu Gemcindcämtern zugclassen werden? — Es nimmt cigeutlich Wunder, daß man nicht die wichtigste aller Fragen aufgeworfen hat: sind die Juden Menschen? Es scheint diese Frage allerdings noch nicht gründlich genug erwogen worden zu sein. Die Juden werden ja gehetzt und gejagt wie das Wild. Viele dieser Geschöpfe haben jetzt das traurige Schicksal zu bestehen, zwischen der russischen und deutschen Grenze hin- und hergcschoben zu werden. Von Jenseits verjagt und hierher getrieben, will man sie hier nicht als Russen anerkennen, weil die Papiere darüber keine Klarheit gewähren. Man scheucht sie also wieder zurück. Dort aber will mau sie auch nicht und schiebt sie wieder zur Grenze. Wie lange? Nun, so lange es eben geht. Die mit ordnungSmäßigen russischen Pässen Versehenen werden aber zugelassen und bleiben, falls nicht Besonderes vorliegt, unbehelligt. Man muß aber die Verhältnisse kennen, um zu wissen, was ein ansgebildetes strenges Paßwesen und demgemäß ein ordnungsmäßiger Paß heißt. u. 5fowno. Das große neu erbaute LchrhauS בית המדרש wurde auf feierlichste Weise durch unsern hochverehrten Oberrabbiuer Rabbi Jizchok Elchonon eingcwciht und der Benutzung übergeben. Möge cS eine fruchtbare Pflanzstätte uuscrcr heiligen Wissenschaft werden und immerdar bleiben. Bulgarien. Der Fürst von Bulgarien hat verfügt, daß die ostrunielischen Juden nicht zum aktiven Militärdienst herangczogen werden, dagegen eine Kriegßsteuer leisten sollen. Rumänien. . .2. Bukarests 13. Oktober. Nach neuen Publikationcn des statistischen Bureaus (Miscarea populatimini die Romania in anul 1881. Bucureci 1883) belief sich die Zahl der Geburten im Jahre 1881 auf 192 004, davon gehörten bei 9178 (4,7 Prozent) die Eltern dem jüdischen Religionsbekenntnisse au. Von den Verstorbenen waren dagegen nur 3,9 Prozent Juden. In der Hauptstadt Bukarest sind die Juden circa l 0 Prozent, vorn ganzen Lande nur etwa 4 Prozent der Gesammtbevölkerung. A. 8. Von der rumänischen Grenze, 15. Oktober. Berichte über Rumänien, oder richtiger über das Elend unserer rumänischen Brüder, müßten Folianten füllen, wollten sie auch nur einigermaßen erschöpfend rcgistriren, welches Geschick den unglücklichen Juden dort bereitet ist. Uebcratt im Lande und tag׳- täglich ziehen neue eklatante Ereignisse durch daS Dasein der Inden in Rumänien, Thatsachen, welche zum Himmel schreien ob des verhöhnten Rechts und der inißachtctcn Menschlichkeit. Ich wohne in unmittelbarer Nähe der rumänischen Grenze und. unterhalte vielfache Handels- und Frenndschaftöbczichnngen mit dem Nachbarlande, so daß mir die Verhältnisse und Vorkommnisse ziemlich bekannt geworden sind. Sic haben in Nr. 37 durch Ihren Bukarcster Korrespondenten berichtet, daß die Juden in Scveny sich an den Minister protcstirend gewandt haben wegen der unerhörten Erpressung von Unterschriften unter einem Schriftstücke, wUches die horrendeste aller Lügen bezeugen soll, daß nämlich die Inden sich in Rumänien der besten Behandlung zu erfreuen haben und alle gcgcntheiligcn Berichte aus Un׳ Wahrheit beruhen. Ein Kaufmann ausSeveni besuchte mich heute, welcher zufälligcrewise diesen Protest gegen die unerhörte Zurnuthung zn Händen dcS MinistcrS Bratiann nicht unterzeichnet hatte. Diesem Umstände der Nichtbetheiligung, so erzählt er mir, verdanke er, daß er noch von den furchtbaren Verfolgungen