Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
- Date
- 1885-10-22
- Page
- 685 (sequence 2)
- Language
- German
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685 Woche sind aus Preußen zirka 450 österreichische Bürger polnischer Nationalität angekommen, darunter größtentheilS erwerbslose Handwerker. Viele angekommene jüdische Kaufleutc sind nach Galizien wcitcrgcreist. da das hiesige Hülfskomitö nicht in der Lage ist, so viele Unterstandölose unterzubringen. (N. fr. P.) ק Lemberg, 10. Oktober. Der Aufruf zur Gründung einer freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen JudenthumS hat sicherlich überall, wo noch Herzen für das Heiligthum Israels schlagen, begeisterte Aufnahme gefunden. Und auch bei uns haben die zündenden Worte des.ehrwürdigen Führers der GesetzcStreucn um so lebhaftere Zustimmung gefunden, als wir galizischcn Juden ja schon seit mehreren Jahren von demselben Geiste getrieben, welche jene Vereinigung ins Leben ruft, in unserem Verein ״Machsike Hadas" ein ähnliches Werk, unter den Auspizien unseres großen unvergeßlichen Nabbi Simon Schreiber נ״ע geschaffen, besitzen. Was allerdings von Frankfurt a. M. angestrcbt wird, ist weit umfassender, universeller Art. Das Organ der ״Machsike HadaS", die hier erscheinende ״Zeitung für das wahre Jndcnthum" bringt den Aufruf in hebräischer Uebersetzung und spricht die Er- Wartung aus, daß nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Staaten die wahrhaft frommen Israeliten sich der freien Vereinigung anschlicßen werden. Holland. -0- Amsterdam, 15. Oktober. Am jüngsten Freitag א׳ דר״ח חשדן wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, dessen Andenken in der hiesigen Gemeinde, und wohl auch außerhalb, noch lange fortleben wird. Herr M. I. Polack war noch einer der wenigen übrig gebliebenen kräftigen jüdischen Figuren aus der alten guten Zeit Amsterdams. Wo eö galt, für das Judcnthum mit Wort und That einzutreten, fand man ihn stets bereit. Für das Wohl der jüdischen Gemeinde hatte er immer Zeit und Geld feil, so daß während seiner Krankheit sein größter Kummer war, daß er seinen Pflichten in den jüdischen Ehrenämtern - nicht genügen konnte. An! Grabe war es unser Herr Oberrabiner, der in kräftigen Zügen das Verdienst des Heimgegangenen schilderte, dessen Söhne anspornend, in ihres Vaters Fußtapfen zu treten. ת׳ג׳צ׳ב׳ה. □ Amsterdam, 18 Oktober. Mit Vergnügen las ich in der jüngsten Nr. 42 Ihres geschätzten Blattes den Bericht über die hiesige Kleinkinderbewahranstalt. Auch der Benierkung betreff des Scminariums dürfte der Beifall nicht versagt werden. Nur wäre cS vielleicht am Platze gewesen, an die Eröffnung der Be- Wahranstalt einige Bemerkungen betreffend die Sorge für die religiöse Weiterbildung der Kinder nach Verlassen dieser Anstalt zu knüpfen. Was nützt es, muß man sich fragen, wenn die Kinder in der Anstalt, soweit dies dort möglich, eine religiöse Erziehung erhalten, die im täglichen Leben meist zur Anwendung kommenden ברכות erlernen n. s. w., um dann nach ihrem Austritt aus dieser Anstalt die Religionsschule so überfüllt zu finden, daß sie theilweise 2—3 Jahre ohne Religions-Unterricht bleiben müssen. Obendrein, durch Besuchen der Staatsschuleu, den ganzen Tag mit Nichljuden verkehrend, ntüssen die Kleinen sich durch Anwendung der Scgenssprüche, da hierbei doch die Bedeckung des Hauptes nothweudig, beengt und genirt fühlen, so daß der Einfluß der Vewahranstalt hier schon vernichtet wird. Mit Freuden ist daher die Schemini-Äzcrth Predigt unseres hochverehrten Herren Oberrabiners Di׳. I. H. Dünner zu begrüßen, welcher in treffender kräftiger Rede auf die Nothwendigkeit der Gründung jüdischer Elementarschulen hinweist. Möge dieser Wunsch bald in Erfüllung gehen. Rußland. * Petersburg, 13. Oktober. Der ״Frf. Atg." wird berichtet: Nach einer Meldung aus Kischincw fand in Pesin, im -Distrikt Orgejew, am zweiten Tage des jüdischen LaubhüttcnfestcS ein ernster Zusammenstoß zwischen Juden und Moldauern statt. Die Ruhestörungen dauerten den ganzen Tag und es wurden auf beiden Seiten viele Personen verwundet. Nach Wiederherstellung der Ordnung leiteten die Behörden unverzüglich eine Untersuchung des Vorfalles ein. w. Petersburg, Oktober. Ein kleines Geschichtchen, kurz und schlicht. Nur von einem armen Judenmädcheu handelt es, dem das Herz gebrochen und das mit einem gebrochenen Herzen nicht leben konnte. Was liegt an einem armen Judenmädcheu? Warum ist es auch so närrisch und läßt sich das Herz brechen? Sara Margrin hieß die Maid, zu BabriSk geboren. Dieses arme närrische Mädchen wollte eine höhere Lehranstalt besuchen. Ist das nicht närrisch? Warum soll eine Judenmaid in der Provinz Lust haben, sich weiter ausbilden? In Babrisk giebt eS keine höhere Lehranstalt. Sara kam deshalb nach Petersburg, meldete sich zur Aufnahmeprüfung und bestand dieselbe. Das hörte die milde, weise Polizei und ließ dem fremden Judenmädcheu sagen, daß für fremde Judenmädcheu kein Plätzchen in der Hauptstadt zu finden sei; Sara möge sich in ihre Heimath schceren. Da entsetzte sich die in ihrer thcuersten Hoffnung getäuschte Jüdin und ward krank. Mitleidige, aber dumme Menschen, nahmen sich ihrer an und baten für sie um eine Ausnahme von der Regel. Ja, dawaren wirklich dumme Leute. Eine Ausnahme! Warum? Das hätten sie wissen können, wenn sie nicht dumm gewesen wären. Natürlich ward das Gesuch abschläglich