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Jeschurun · 1885-10-15 · Heft 42 (15.10.1885) · p. 669

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 42 (15.10.1885)
Article
Holland : Rotterdam [Nachricht]
Date
1885-10-15
Page
669 (sequence 2)
Language
German
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669 schrieben Brochüren, die Zeitungsschreiber Artikel und die fanatischen Inden Briefe und Bedrohungen. Der gelehrte Professor ließ sich jedoch nicht abschrecken und, ganz ruhig im Sturme, machte er Israel den folgenden Vorschlag: ״״Wohlan, Ihr beschuldigt mich. Euren Talmud verkehrt verstanden, übersetzt und böswillig zu Eurem Nachtheile auSgelcgt zu haben, — Dem, der mir Derartiges an einem einzigen von mir übersetzten Satze beweisen kann, werde ich die Summe von tausend Thalern zahlen."" Israel, obschon zu jedem gewinnbringenden Handel geneigt, hat nie versucht, den ausgesetzten Preis zu verdienen." — So weit der ״Maasbode". Wahrlich, man weiß nicht, was man mehr bewundern soll, die grenzenlose Naivität, die das Blatt bei seinem Leserkreise vorauszusetzen sich berechtigt hält, daß eS ihm Derartiges zu bieten wagt, oder die Größe der Perfidie, die in seinem Elaborate niedergclegt ist. ״Die Gelehrten schrieben Brochüren," — wann geschah dies, vor oder nach Nohling's Vorschlag? Waren diese ״Gelehrten" Juden oder Christen? Hat ״Israel" auf den Nohling'schen Vorschlag nie reagirt? Der ״Maasbode" weiß ganz gut, obwohl er vom Talmud gerade so viel versteht wie ״der gelehrte Professor", daß diesem nicht nur die Fälschung eines einzelnen Satzes, sondern fast seiner sämmtlichen Zitate, und zwar aller derer, aus denen er etwas beweisen will, wiederholt nachgewiesen ist, und zwar nicht nur von Juden, sondern auch von Christen, und zwar nicht nur vor dem sogenannten Vorschläge, sondern auch nach demselben, und weil der ״Maasbode" das Alles weiß, — erwähnt er doch selbst ״die Brochüren der Gelehrten" und ״die Artikel der Zeitungsschreiber" — so erheben wir gegen ihn den Vorwurf einer perfiden Verläumdung.-Daß bereits vor längerer Zeit eine größere Summe für die Armen ausgesetzt worden ist, wenn Rohling auch nur im Stande, irgend eine Seite des Talmud zu lesen, daß gegen den ״gelehrten" Professor öffentlich der Vorwurf, wissentlich einen Meineid leisten zu wollen, erhoben worden und er Klage dagegen eingereicht hat, der Verhandlung aber mit allen Kräften auszuwcichen bestrebt ist — das und noch vieles Andere verschweigt das edle ultramontane Organ, natürlich ad majorem Dei gloriam. Dagegen weiß es den Juden den ״gewinnbringenden Handel" aufzumutzen. Nun, ״gcwinnbringenderHandel" ist doch sicher ״gewinnbringenden Autodafe'S" vorzuziehen. Nicht wahr, wir verstehen uns schon, edler ״Maasbode"? (Bei dieser Gelegenheit sei eines intercssanten Gerüchtes gedacht, welches mir aus Oesterreich berichtet wird. Nach demselben soll Rohling deshalb die Gerichtsverhandlung so lange als ihm nur möglich hinausziehen, um sich in der Zwischenzeit noch etwas talmudische Anfangsgründe eiripaukeu zu lassen. Nachdem sein Lehrer, BriiuanuS-JustuS, den Weg alles antisemitischen Fleisches gegangen, verstrich eine geraume Zeit bis ein Nachfolger aufgetrieben werden konnte, und gar zu sehr als ״Fremder in Jerusalem" möchte Rohling in der össcnilichen Verhandlung doch nicht erscheinen. D. Korresp.) Rußland. ...2. Petersburg, 8. Oktober. Die Polizei hat den Befehl erhalten, aus der Hauptstadt diejenigen Israeliten auszuweisen, welche ausgedient haben und nunmehr zur Landwehr übertreten. ...y. Warschau, 9. Oktober. Auch in Polen scheint es, als ob die Judenfrage jetzt mehr auf die Tagesordnung kommen soll. Sämmtliche hiesige Blätter bringen nämlich die Nachricht, daß »ach einer Verfügung des Generalgouverneurs mit allerhöchster Genehniigung in Warschau eine Kommission nicdergesetzt ist, um über die Lage der Juden auf dem Lande und ihr Vcrhältnkß zu der nichtjüdischen Bevölkerung Untersuchnngen anzustcllcn An der Spitze der Kommission steht Baron Meng den. Die Aufgabe der Kommission ist, genaue Erhebungen über die Erwerbs- und Pachtfähigkeit der Juden anzustellen. \v. Riew, 7. Oktober. Der ״Woschod" meldet, mehrere unbemittelte jüdische Studenten, welche über ihre Mittellosigkeit amtliche Atteste ausgestellt erhielten, richteten an die Universität ein Gesuch um Honorariengeldbefreiung. Die Bittgesuche wurden sowohl in erster Instanz bei den einzelnen Fakultäten, sowie in zweiter beim Universitätssenat genehmigt. Als dieselben sodann aber dem Kurator der Universität, welcher die endgültige Entscheidung treffen hat, mitsammt den bei weitem zahlreicheren Gesuchen der nichtjüdischen Studenten unterbreitet wurden, lehnte dieser die sämmtlicher jüdischer Studenten ab; nur zwei entgingen der Abweisung, da der Kurator nach ihren Namen dieselben für Nichkjnden hielt. Als aber schließlich sich heranöstellte, daß jene zwei auch Inden seien, wurde ihnen auch noch nachträglich ihr Gesuch abgeschlagen. — Hier befindet sich eine allgemeine Studenten-Unterstützungs-Kasse, zu welcher auch Inden reichlich beisteuern. Bisher bezogen auch jüdische Studenten aus derselben Unterstützung, doch wurde ihnen von nun ab jede Unterstützung verweigert. — Das neuerbaute jüdische Spital wird in allernächster Zeit seiner Bestimmung übergeben werden. Rumänien. ..2. Bukarest, 10. Oktober. Steine statt Brod! Die Lage der Juden Rumäniens spottet aller Geschreibung und n!an ventilirt in gewissen Kreisen die Frage -er Errichtung eines israelitischen Konsistoriums nach

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