Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1885)
- Article
- Holland : Amsterdam [Nachricht]
- Date
- 1885-10-15
- Page
- 668 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933142--20037-2962923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
668 welcher seinem guten Zwecke in immer erweitertem Maße entspricht. Im Jahre 1860 wurde in Folge der großen Anfrage um Aufnahme unbemittelter Kiuder das Gebäude vergrößert, nunmehr für 500 Kinder Raum bietend; doch mußte diese Anzahl im Jahre 1866, nachdem alle derartigen Anstalten unter städtische Aussicht gestellt waren, aus sanitären Rücksichten um 50 vermindert werden. Um nun nicht genöthigt zu. sein, die schon aufgcnominenen Kinder wieder abzuweisen, ganz zu schweigen von den vielen Anmeldungen, die unberücksichtigt bleiben mußten, wurde abermals eine Vergrößerung beschlossen, und bereits im Jahre 1869 bot das Gebäude 800 Kindern ein Asyl. Da wurde die Thätigkeit des Vereins plötzlich auf unangcnchmc Weise unterbrochen. Am Versöhnungstage. des Jahres 1860 wurde eins der Lokale als Bctsaal benutzt und stürzte ein. Jetzt ging man, da die Reparatur des alten Gebäudes sehr thcucr gewesen wäre, zum Neubau über. Die pekuniären Schwierigkeiten, welche ein solcher Neubau bereiten mußte, wurden durch das große Entgegenkommen, . welches der Verein beim israelitischen Gemeindevorstand fand, — dieser garantirte nämlich die Zinsen der zu schließenden Anleihe von 75 000 fl., — rasch beseitigt. Jetzt bietet das in Wirklichkeit imposante Gebäude in acht Sälen Raum für 1000 Kinder, und hofft man hiermit, da die Kinder nur vom zweiten bis fünften Lebens׳ jahre die Anstalt besuchen, allen Ansprüchen genügen zu können, lim die Einrichtungskosten zu decken, wurde eine Wohlthätigkeitslotterie veranstaltet, welche den schönen Ucbcrschuß von 7000 st. ablieferte. Mit Recht bemerkt der ״Israelitische NieuwSbode", dem wir Obiges entnehmen, es sei zu bewundern, daß vom Präsidenten bei der Einleitung seiner Rede mit keinem Wort erwähnt, daß diese Anstalt ihr Entstehen weder der Philantropie noch Hygienie zu danken habe, sondern einem speziell jüdischen Interesse. Es war nämlich seiner Zeit bekannt geworden, daß mehrfach auf den. sogenannten neutralen Bewahrschulen, auch die jüdischen Kinder Unterricht in der christlichen Rcligionslchre erhielten. Es sei auch besonders die Thätigkeit des seligen Herrn I. T. Philipps, des intellektuellen Stifters, der Anstalt, rühmend hervorzuhcben. — Im letzten Jahrzchcnt chat^die hiesige jüdische Gemeinde ein neues בית המדרש, ein neues Gebäude für die ־תלמוד תירה Schule, ein neues Altervcrsorgungs- und Krankenhaus, ein neues Gebäude für die Rcligionsschule erhalten, und sind zwei Häuser zur Vergrößerung des Knaben- Waisenhauses angekauft. Hoffentlich vergißt man nun auch nicht das Seminarium, die Erziehungsanstalt unserer Rabbiner und Lehrer, in einem seiner würdigen Gebäude unterzubringen! 6-. Amsterdam, 30, September. Gestatten Sie mir etwas Raum in Ihrem geschätzten Blatte um einem Manne einige wohlverdiente Worte der Anerkennung zu widmen, welcher zu den Edelsten, Gcachtesten und Frommsten zahlt, welche wir besitzen. Wohl erwartet derselbe keine öffentliche Lobeserhebung — hat er sich doch selbst in bescheidenem Sinne eine jede Huldigung an seinem Jubeltage verbeten — aber ich denke mir, daß es dennoch Pflicht der Presse ist, der Guten zu denken, die in unseren Tagen gewirkt, der Mit- und Nachwelt zur Nacheiferung und Erhebung. Herrn B. S. Ries, dem achtzigjährigen Veteran im Dienste der Tugend und seinem Wirken gelten diese Zeilen. Ucberall, wo es galt Gutes zu wirken, sah und sieht man diesen Mann in den vordersten Reihen seit mehr denn fünfzig Jahren. Wahrlich, er verdient es, Vater der Waisen, Annehmer der Armen, Förderer der Wissenschaft. genannt zu werden. Die hiesige jüdische Gemeinde und mit ihr die gesammte Stadt Amsterdam feierte kürzlich den achtzigsten Geburtstag dieses wahrhaft Edlen, und vor wenigen Wochen schaarten wir uns wiederum um ihn,, um unsere Glückwünsche darznbriugcn zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum als Vorsteher des Waisenhauses, an dessen Gedeihen er einen so wesentlichen Antheil hat. Vor fünfzig Jahren mit 18 Kindern und einem JahrcS-Einkommen von fl. 4300.—, ohne eigenes Haus, hat es nunmehr. 81 Waisen zu unterhalten in einem prächtigen Gebäude-, dessen Errichtung fl. 100 000 in Anspruch nahm, mit einem fundirten Jahres-Einkommen von fl. 11000.—. und jährlichen Mitgliederbeiträgen von fl. 15 000.—. Die Ries'sche Jubiläumsfeier gestaltete sich zu einem wahrhaft heiligen Feste. Möge es dem ehrwürdigen Jubilar, welcher zugleich Mitglied des Kerkenraad und Kurator des. hiesigen Nabbinerseminars ist, vergönnt sein, noch lange in unserer Mitte zu wirken, ein Muster ächtjüdischer Frömmigkeit und weitherzigster Menschenliebe. bi Notterdam, 4. Oktober. Es ist stets die alte Geschichte. In ihrem Haffe gegen Juden und Judenthum vergessen Amon und Amalek ihre gegenseitige Feindschaft und ihrem edlen Bunde schließt auch Aschur sich an. So war's in alter Zeit, so ist'S in der unsrigen. Die katholische ״Germania" tanzt um den antisemitischen Hexenkessel mit dem protestantischen ״ReichSboten", und was diese ״teutschen" Blätter da zusammenbrauen, wird von dem holländischen ״Maasbode" gar wonniglich durch einander gelöffelt. — Als Einleitung zu einem Artikel über ein katholisches Geschichtswerk versteigt sich dieses letztere Blatt in seiner Nr. 2716 vom 29. v. M. zu folgender Leistung: ״Als Professor Rohling aus dem Talmund selbst bewies, daß dieser ein unreligiöscS und sittenloses Buch , ist, erhoben die Juden ein großes Geschrei. Die Gelehrten.