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Jeschurun · 1885-10-15 · Heft 42 (15.10.1885) · p. 667

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 42 (15.10.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1885-10-15
Page
667 (sequence 2)
Language
German
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66? semitische Bewegung mir aus den semitischen Blättern studirt habe, während er in seinem Heimathlande doch die beste Gelegenheit hätte, zu beobachten, weshalb viele christliche Bewohner des von einer zahlreichen Judcnschaft mitbewohnten Landes sich dem AutisemitiSmuS ergeben, sobald sie nur noch etwas Lebens- und Widerstandskraft zeige. — Jawohl, Herr Wuczka weiß, daß die Berichte der ״semitischen Zeitungen" durchaus mit den Verhältnissen in Galizien übereinstimmen — und das geben selbst, die Antisemiten zu, da sie sagen, daß in Galizien freilich die christliche Bevölkerung nicht mehr auf diesem Standpunkte (des Antisemitismus) stände. Nun? WaS wollen denn die Antisemiten noch? da ist doch bewiesen, daß sie gänzlich im Unrechte sind, da kann also doch von einer durch die Juden hart bedrängten christlichen Bevölkerung Galiziens nicht die Rede sein. — Und wenn sie behaupten, daß die deutsche Bevölkerung Oesterreichs allem Anscheine nach nicht die Absicht habe, es ebenso weit mit sich kommen zn lassen (wie in dem philosemitischen Galizien, dem die Antisemiten ja trotz der letzten Ereignisse des Nittcr'schen Prozesse nicht den Antisemitismus zusprechen können)., so verweisen wir unter Anderen nur auf die Verhandlungen des ״Deutschen SchulvereinS" bei der Versammlung in Teplitz (stehe letzte Nummer des ״Jeschurun"), wo mit imposanter Majorität ein bedeutendes Kontingent der gebildeten deutschen Bevolkerung Oesterreichs gegen judenfeindliche Bestrebungen offen seine Meinung zn Tage gelegt hatte. p. Ezernowitz, Oktober. Die edlen Rumänen begnügen sich nicht damit ihren jüdischen Landsleuten allein die Segnungen ihrer zivilisatorischen.und humanen Bestrebungen zu Theil werden zu lassen; sie wollen auch über die Grenzen ihres Vaterlandes hinaus die Saaten rumänischer Bildung und Menschenliebe ansstreuen. Die ״Romana irrcdenta" sendet ihre Boten auch nach der Bukowina mit der heiligen Mission, still und geräuschlos die rumänische Aufklärung zu vorbreiten. Ein solcher Agent wurde kürzlich hier leider von der barbarischen Polizei festgenommen, weil der Edle in seinem heiligen Eifer auch laut Mord- und Brandreden gegen die Juden hielt. Bei genauer Durchsuchuüg seiner Effekten fand die neugierige Polizei bei ihm ganze Packete Hetzschriften gegen Juden und Polen, welche natürlich fonfiSjirt wurden. 8. P. Ans Ungarn, Tischri. Das auch in den ״Kollektiv-Berichten" registrirte Gerücht, wonach der Herr Präses der DurchführungSkommisflon gewillt wäre, in Bälde eine Landesversammlung einzuberufen, hat sich bis jetzt nicht, erfüllt. ES gewinnt den Anschein, als dächte man daran, durch diplomatische Routine die aufgeregten Gemüther zu besänftigen und Oel in die stürmenden Wogen zu gießen. Doch Ereignisse kaffe» sich nicht wegdemonstriren; wo Thatsachen sprechen, da sind alle Winkelzüge machtlos. Der dcroute Zustand der Jeschibas, das Darniederliegen des Religion-- Unterrichts, die Zerrüttung und Zerklüftung im Innern der Gemeinden verkünden zu deutlich die Thatlosigkeit, die in unseren: Lager, in unserer Vertretung herrscht. Von Tag zu Tag werden neue Wälle wider uns auf-« geworfen, und an maßgebender Stelle gewinnen die Gegner des traditionellen Judenthums größeren Einfluß. Und wir sollen mit verschränkten Armen stehen!! sorglos in die Zukunft schauen!? — Aber noch ist eS Zeit, noch könnte so manches Versäumte wett gemacht werden, בהתאסף ראשי עם, wenn die geistigen Häupter unserer Gemeinden sich versammeln, sich zu Lhatkräftigem Vorgehen aufraffen und dem Systeme unserer Verwaltung und Vertretung — mit Bedacht und ohne Uebereifer — eine durchgreifende Reorganisation zu Theil werden lassen. Ader auch יחד שבטי ישראל. Mögen Alle, in denen ein warmes jüdisches Herz schlägt, ein inniges Gefühl für die -Thora und ihre Verbreitung sich, regt, dem Rufe des ehrwürdigen Führers der Orthodoxie Samson Raphael Hirsch Folge leisten, sich zusammenthun zu einer freien Vereinigung, um den religiösen Sinn in Israel zu fördern, die Lehranstalten der תודה zu unterstützen und die durch böswillige Verläumdung in manche Kreise getragene Voreingenommenheit zu beseitigen, wozu der Allmächtige seinen Beistand leisten möge. Holland. -0- Amsterdam, 23. September. WaS vereinte Kräfte vermögen, davon hatten wir au: jüngsten Sonntag wieder ein treffendes Beispiel. An diesem Tage nämlich wurde die neu erbaute, bedeutend vergrößerte jüdische Klein-Kinder-Bewahranstalt für Arme, ihrer Bestimmung übergeben. Zweck dieser Einrichtung ist, wie schon der Name besagt, Kindern unbemittelter Eltern gegen sehr mäßige Vergütung (ein Cent per Tag) tagsüber, während die Eltern dem Geschäfte obliegen, ein anständiges Unterkommen zu bieten und dieselben in die Anfangögründe des Elementarunterrichts einzuweihen. Der Präsident des Vereins gab in längerer Rede die Geschichte der Anstalt, welcher wir Folgendes entnehmen: Nachdem in der Zeit von 1823 bis 1848 hier dreizehn sogenannte neutrale Kinderbewahranstalten׳ errichtet waren, wurde im Jahre 1847 obengenannte jüdische Institution ins Leben gerufen und begann ihre Thätigkeit mit 180 Kindern, welche Zahl schon nach zwei Jahren die doppelte Höhe erreichte. In dieser Zeit bildete sich auch im Anschluß an diese Anstalt tte ״Vereenignng־ tot aansebaffing־ van kleedingsstukken“ ein Damenverein, welcher sich die Versorgung der Kinder mit Kleidungsstücken zum Ziele stellte, und

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