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Jeschurun · 1885-10-15 · Heft 42 (15.10.1885) · p. 666

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 42 (15.10.1885)
Article
Deutschland : Breslau [Nachricht]
Date
1885-10-15
Page
666 (sequence 2)
Language
German
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666 nur die ärmeren Russen und Oesterreicher auszuweisen, den hier fest Angesessenen aber Frist bis zum!.April zu gewahren oder ans sic bk Ausweisungs-Maßregel gar nicht in Anwendung zu bringen. Ein inerauf bczüglicheS. wcscnttich .,mildes" Reikript ist vor wenigen Tagen den unteren Organen zugeaangen. ). Breslau, 11. Oftoba־. WaS in Berlin begönnen wurde, das sollte in der zweiten Preußischen Hauptstadt, Breslau, befestigt und weiter fortgerührt werden. Die Nabbinerversammlung, oder, wie sic sich lieber nennt, der Verein der deutschen Rabbiner, wollte in diesem Monate in unserer Mitte tagen, also war cS beschlossen und verkündet worden. Düstere-Gerüchte aber durchzogen schon seit Monaten die deutschen Gauen und erfüllten namentlich uns Breslauer, die wir des Glückes gewürdigt werden sollten, die Elite dcö deutschen RabbinatS von Angesicht zu Angesicht zu schauen, mit banger Besorgnis. Es hieß nämlich, daß viele der ehrwürdigen Herren, welche im vorigen Jahre in Berlin zusammen waren, Bedenken mannigfacher Art hegten über die Opportunität einer neuen Begegnung. Die ״Bemerkungen", welche Ihre geschätzte Zeitschrift zu den vorjährigen Berathungen und Beschlüssen bringt, dürften an diesen Bedenken nicht unwesentlichen Antheil haben. Es mochte Mancher denn , doch in seiner Gemeinde, die Wahrnehmung gemacht haben, daß die. Laienwelt der Wahrheit Ihrer Kritik sich nicht verschließt. Sic haben den Humbug gezeigt, welcher mit phrasenhaften Berat Hungen ׳und inhaltlosen Thesen getrieben wird und die pompösen Verhandlungen und Pnblikanda in ihrer ganzen Nichtigkeit gezeigt. Das schreckte doch Manchem zurück, noch einmal öffentlich mitzuthaten und mitzurathen. Ob, wann und wo die Herren von der Phrase nunmehr wiederum Zusammenkommen werden, ist zur Zeit noch Gehcimniß. -1- Von der Gaar, 7. Oktober. Am 4. b. M. faul) zu Fraulautern eine von 700 Personen der angesehensteu Bevölkerung des Saargebieis besuchte Versammlung statt bchufS Koustituirung eines ״Verein gegen den Wucher". Heuer die Satzungen, welche vorgelegt werden sollten, habe ich Ihnen bereits gemeldet (s. Nr. 34 dieses Jahrgangs). Aus der Eröffnungsrede des Herrn' Laudrath Knebel aus Bcckingen theile ich Ihnen als für Ähr geschätztes Blatt besonders interessant folgenden Passus mit: ״Um einem etwaigen Vorwurf aber auch noch zu begegnen, sehe er sich veranlaßt, zu erklären, daß der Verein durchaus keine Verwandtschaft mit dem sogenannten ״Autiftmüenvcrdn" habe, — dsS liege ganz fern. Kein Staatsbürger solle irgendwie in seinen bürgerlichen Rechten beeinträchtigt werden. GemeinschafttichcS Handeln aller Parteien, das werde verlangt." — Es ist eigentlich du trauriges Zdchm Zeit, daß mar! noch besonders betonen muß, daß. ün Verein gegen den Wucher nichts Verwandtes habe mit einem antisemitischen Verein, — doch ist. rS immerhin für uns Juden ein gewisser Trost, daß ein großer Theil der gebildeten deutschen Bevölkerung der beliebten, allgemein verbreiteten antisemitischen Ansicht und Behauptnng, daß es kein Judenthuln ohne Wucher, und keinen Wucher ohne Judenthum .gäbe, offen entgegrntritt. Deshalb wenden wir, abgesehen von den allgemein nützlichen Zielen des genannten Vereins, bcmfelbai seiner humanen Ansichten wegen unser volles Interesse zu und begrüßen ihn freudig als einen Lichtpunkt in der Dunkelheit des blindesten Rassenhasses. 8. Ostrowo, ö. Oktober. Anr הושענא רבח ist der durch den Heimgang des stetigen Rabbiners Or. Freimann נ״ע verwaiste Rabbinatssitz unserer Gemeinde wieder besetzt worden. (Die von anderen Zeitungen in dieser Hinsicht gebrachten früheren Mitteilungen haben diese Wahl antizipirt.) Durch einstimmige Wahl ist.Herr Rabbiner vr. Pleßner zu Nogasm berufen worden und wird zu unserer Freude dieser Berufung Folge leisten. Die Vergangenheit unseres neuen Rabbiners bürgt dafür, daß die Leitung unserer Gemeinde in treuen bewährten Händen ruhen wird. Zeichnen ihn doch Charakterfestigkeit, umfassende, talnmdische Gelehrsamkeit und aufrichtigste Begeisterung nnd.Hingebung für das Jndenthum vor Vielen aus. Die ganze Gemeinde kommt ihm in Liebe und Vertrauen entgegen. Möge seine Wirksamkeit unter uns eine von Gott-.gesegnete sein. Ocsterreich-Urrgarn. f. BZieu, 11. Okober. Der Klub der Polen verhandelte am 5. d. M. über die Wahlen in den PeLitionsauSschuß. Bei der Gelegenheit wies der Kanonikus Wuczka darauf hin, wie unzulässig eS sei, den kleinen Gruppen eine Vertretung in Ausschüssen zu gewähren, namentlich in Bezug auf die Autisemitenpartei. Wuczka beschwor seine Klubgenossen, sich jeder, auch der oberflächlichsten Verbindung mit den Antisemiten zu enthalten und erklärte, er werde niemals zngeben, daß die bürgerlichen Rechte und Freiheiten einer Nationalität oder Konfession eingeschränkt würden. ״Als Christ und als Geistlicher" — rief er ans — ״habe ich den Antistmitismus stets verdammt; denn zwischen den Antisemiten und den ächten Christen besteht eine Kluft, die nie und nimmer überbrückt werden kann." Gegenüber den antisemitischen Behaup׳ungen von den Bedrückungen der gal!zischen Christen durch die Juden ist diese Aenßerung des gattzischen Abgeordneten freudig, zu begrüßen, da ihm;2 gewiß ein richtiges Urtheit über die Zustände in sdnem HdmsLhlünde zuzutrauen ist. Die Antisemitenblätttr .nimm allerdings, .daß .Herr Wuxzfa .die mit*

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