Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1885)
- Article
- Aus der Amsterdamer Gemeinde
- Date
- 1885-10-15
- Page
- 663 (sequence 2)
- Language
- German
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663 daß diese Abkündigung nicht zu geschehen brauche, und sie fanden Gunst in den Augen der Behörde, nachdem sowohl unser Oberrabbiner als auch der scphardische über die Menschenrechte gehört worden waren. Die Klubisten konnten nichts ausrichten. Am 17. März haben die jüdischen Klubisten eine Eingabe an das ״Volk von Holland" im Haag eingereicht, in welcher sie erklärten, daß die Parnassim gegen die Menschenrechte gesinnt seien, sowie daß die Juden an ihrem Sabbath Waffen tragen dürften, aber ה׳ הפיר עצת הפושעים, die Klubisten wurden abgewicsen. Nun hat Joachim van Embden ein Blättchen hcrausgcgeben, einen Dialog ^zwischen Uri und Hirsch, nur um die dummen Menschen zu verführen, daß sie Gottesleugner würden und öffentlich den Sabbath entweihen. Auch erschienen Schriften von Bromet, in welchen er beweisen will, daß es den Juden erlaubt sei, am Sabbath Waffen zu tragen. Auch Moses Asser publizirte Schriften, daß die Ehe zwischen Inden und Nichtjuden gestattet sei, — aber Gott hat die Rathschlüge der Vösewichter vereitelt. Die Parnassim fanden noch stets Gunst in den Angen der Behörde und erlangten Alles, was sie wünschten. Den jüdischen Klubisten mißlang dagegen Alles und sie wurden von Nichtjuden und Juden verachtet. - 27. März. Joachim van Embden hat in seinem Schandblattchen ״Uri und Hirsch" eine Uebersetzung der Menschenrechte auf Jüdisch-Deutsch gegeben, nur um das המון עם an sich zu ziehen, aber es hilft ihm G. s. D. Alles nichts. — Es erschien ein Gesuch wegen der Bewaffnung der Inden, welches von 24 Personen unterzeichnet wurde, es wurde aber gar nicht angenommen. (Fortsetzung folgt.) Johann Zeßoiliitz. Von Naphtali Simon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ״Ich habe einmal von einem Maggid eine schöne Drösche gehört über diesen Vers," sagte Jankel. ״Daß unserem Vater die Schcchina auf der öden Haide erschienen war, daraus erkannte er, daß Gott überall ist, wo ein Frommer sich aufhält, und jeder Ort, wo ein Frommer ist, da ist ein heiliger Ort, weil der Fromme nur Gutes renkt, und wo Jemand überhaupt in Aufrichtigkeit sich zu Gott wendet, da ist Gott ihm nahe und beschützt ihn. Und däS habe ich selbst auch erfahren. Als ich in der Bochara war, da lagen wir einmal im Biwak. Wir hatten einen starken beschwerlichen Marsch gemacht und gedachten am andern Tage auf den Feind zu stoßen. Ich lagerte mit den Kämeraden um das Wachtfeuer, welches uns aber weder Wärme noch Licht gewährte. Der Regen ließ die Flamme kaum zum Durchbruch kommen, und der Wind trieb uus die Rauchwolken ins Angesicht. Ich sage Euch, Kinder, wer so etwas nicht erlebt hat, der macht sich keine Vorstellung davon, was es heißt, auf nassem Boden, zu Tode ermüdet, bis auf die Knochen durchnäßt, fröstelnd und frierend, sich Hinzustrecken und von oben mit Regenguß überfluthet zu werden. Dazu in einem fremden Laude, von wilden Feinden bedroht. Wahrlich, ich hatte Furcht niemals gekannt, ich hatte mein Leben schon unzählige Male den Kugeln und Messern des Feindes prcisgegeben, aber an diese Nacht werde ich zeitlebens denken. Manch tapferer und beherztercr Kamerad hat da gleich mir vielleicht den Math verloren und seine Gedanken zum letzten Abschied nach der Heimath gewendet. Ich dachte an meine Eltern, Gott habe sie selig, und an meine Geschwister, und Todesahnung erfüllte meine Brust. Sollte ich hier in der Wildniß mein junges Dasein enden, fern von den Meinen, unter den Streichen der Feinde, ein Fraß der Schakale und Geier? — In der Angst und Pein meiner Seele wendete ich mich zu Gott in innigem Gebet. Ich sprach in heiliger Inbrunst das Bußgebet des Jomkippur. Alle meine Fehler und Vergehangen traten mir ins Gedächtuiß und ich empfand herzliche Neue darüber. -- Ich dachte an unseren Vater Jakob, der ans allen Gefahren von Gott gerettet worden, und erinnerte mich der Erklärung, die ich im Cheder gelernt hatte, daß Alles, was den Vätern im Leben begegnete, auch bei ihren Nachkommen sich ereignen werde. Und dann siel mir das Gebet ein, das Jakob gesprochen, und ich betete wie er: wenn du, Gott, mit mir sein wirst, utib mich behüten und beschirmen und mich wieder heimführen wirst in das Haus meines Vaters, dann will ich Dir dienen und Deine heiligen Gebote befolgen und nimmer von Deinem Gesetze weichen. Ich hatte mich ganz diesen Gedanken an Gott hingegeben und des Verbots vergessen, laut zu reden. Ich sprach unwillkürlich mit lauter Stimme und schloß mit dem Schema Jißroel. Da herrschte mich der nicht weit von mir liegende Korporal an: ״Willst Du wohl ruhig sein! Was hast Du Dich zu unterhalten?" Der Korporal Audrestw war mir wohl gesinnt. Er wußte, daß ich ein gehorsamer Soldat war und mir niemals etwas hatte zu Schulden konuneu lassen. Da ich schwieg, fuhr er im halblauten Tone fort: ״WaS hast Du denn da geredet, Jankel? Ich habe kein Wort verstanden?" ״Ich habe gebetet," antwortete ich. ״Ich glaube, daß ich hier falle, und da dachte ich an die Heimath und an Vater und Mutter." ״GoSpodj