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Jeschurun · 1885-10-08 · Heft 40-41 (8.10.1885) · p. 655

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 40-41 (8.10.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1885-10-08
Page
655 (sequence 2)
Language
German
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655 nach alten! Brauche Pflicht deS Gevatters ist, das übliche Mahl für 30 Personen, ii Person zu 2 Gulden. Als ich an den: mir bezcichncten Tage, bei I. K. erschien, erblickte ich ein Wickelkind neben dem Bette der Wöchnerin im Arme einer Magd. Ich erkundigte mich, wann der rituelle Akt (die Vcschneidung) vor sich gehen werde, worauf mir zu meiner Ucbcrraschung entgegnet wurde, daß der Bcschneidnngsakt bereits vollzogen sei, da der Herr Operateur (Mohe!) Eile hatte und nicht länger warten wollte. Unter solchen Umständen blieb mir nichts anderes übrig, als das aufgetragene Mahl, für welches ich 00 Gulden bezahlt hatte, mit den bereits versammelten Gästen zu vcrzehren. Einige Tage später erfuhr ich, daß das neugeborene Kind des I. K. nicht einmal ein Söhnchen, sondern ein Mädchen sei! Leider fand ich diese Meldüng durch eigenen Augenschein bestätigt. Da nach den Satzungen der jüdischen Religion bloß bei Kindern männlichen Geschlechts, kcmessatts aber bei Mädchen ein ״Gevatter" nölhig ist, so wurde das Mahl, welches auf 60 Gulden zu stehen kam, mir durch hinterlistige Vorstellung entlockt! Ich bitte daher, gegen den Agenten I. K. das Strafverfahren einzulciten. L. S., Kaufmann in Budapest." Gegen den betreffenden Agenten ist ans diese Anzeige hin die Untersuchung wegen Be- Iruges angeordnet. *||* Pest, 29. September. Die׳ Erben des ermordeten Gutsbesitzer Kahan zu Entradom haben für die Auffindung der Mörder eine Belohnung von 500 Gulden ausgesetzt. — Endlich scheint auch die Letzte Kette, welche die Vndapester orthodoxe Gemeinde an die hauptstädtische Neformgemeinde kettete, zerrissen zu werden. Gelegentlich eines bei der Ncukreirnng des Vorstandes des ״Chcbra-Kadischa-Komitees״ forderte der Gemcindesekretär. Herr Löffler, zur sofortigen Zeichnung von Beiträgen zur Beschaffung einer eigenen ׳פיית ^ולס auf Auf der Stelle wurde von fünf Herren die stattliche Summe von 30 000 Gulden gezeichnet. Hoffentlich wird nunmehr es bald ermöglicht sein, daß die Gemeinde die Bewilligung für einen eigenen Fried- Hof erhält. Schweiz.' ל Bern, 28. September. Gestern fand in Burgdorf eine Delegirten-Versammlnng der Bernischen Thierschntzvereine statt und wurde ein Kantonaler Verband gegründet und eine Petition an den Großen Rath um Erlaß eines Verbotes betreffend שחיטה beschlossen. Rußland. ... z. Warschau, 22. September. Die neue Verordnung, nach welcher in den höheren Lehranstalten nur 10 Prozent der Gesammtschttlerzahl Juden sein dürfen, ist bereits an der technischen Hochschule zu Charkow in Kraft getreten. In diesem Jahre wurden im Ganzen 267 Studirende aufgenonuuen, darunter nur 10 Prozent Inden. — In dem Dorfe Vrusitza in unmittelbarer Rahe von Lodz wurde der dortige jüdische Fruchthättdler Moses Kleinruann in seinen! Hause von Rändern überfallen. Klcinmann und seine fünfjährige Tochter erhielten Lebcnsgcsähriiche Vcrlctznngcn; seine Frau erlitt einen Armbrnch. Die Mißhandelten fanden im Krankenhause zu Lodz Ausnahme. Die Räuber wurden dingfest gemacht. — Der Polizei- Meister von Warschau hat in diesem Jahre den jüdischen Einwohnern gestattet, sich סוכות für die Festtage zu bauen, doch unter der Bedingung, daß die סוכות in den Hofräumen ausgestellt und nach den Feiertagen wieder abgeschlagen würden. — Die gleiche Erlaubniß ist auch in Moskau ertheilt worden, während im Vorjahre das Aufstellen von סוכות daselbst auf das Strengste untersagt war. N u tu ä u i c u. * Bukarest, 20. September. Aus Brusturosa in der Moldau wurden kürzlich Plötzlich Nachts auf gewalsame Weise 40 jüdische Familien mit 120 Köpfen avsaetrieben. Hierüber wird, wie die ״Nene jüdische Pester Ztg." meldet, aus Bukarest vom 18. d. M. geschrieben: Diese Austreibung wurde von einem ״Popen" angestiftet, welcher als Besitzer von ״Sägewerken" sich unbequemer jüdischer Konkurrenzen in! genannten Orte entledigen wollte. — Die Vertriebenen wurden aber jetzt unter militärischer Assistenz in ihre Wohnungen zurückgeführt. Von einer Bestrafung der Schuldtragenden wird aber abgesehen, nn! nicht ״neue Aufregungen" hervorzurufen. Bei der Vertreibung ereignete es sich, daß einer der rnniänischen Bauern, seine jüdischen Insassen in Schutz nehrncnd. aus einem Gewehre tnehrere Schüsse abgab, einen Menschen tödtete und mehrere verwundete. — Das Empörende an der Sache ist hauptsächlich das Verhalten der Strafbehördcn, welche die Schuldigen nicht verfolgen wollen, um keine ״neue Aufregungen" hervorzufen. Also dürfte man keinen Antisemiten bestrafen, da er sodann noch mehr Judenfresser werden könnte! So etwas kann nur eine Strafbehörde in der Moldau anSjprechen! Asien. * Damaskus. Das Zentralkomitee der ״Alliance Jsraelite Universelle" hat aus Damaskus folgende Mittheilung erhalten.: Einer unserer Glaubensgenossen, Ben Nissin, Belleder, AssociL eines Christen, kolportirte in den Bergen einige Goldarbeitgegenstände von inländischem Fabrikat. Er trieb diesen Handel schon seit Jahren. Bor vierzehn Tagen verbrachte er die Nacht bei einen! Drusen in Gesellschaft seines Associös. Die Ringe und Reifen hatten die Begierde des Drusm

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