Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 40-41 (8.10.1885)
- Article
- Deutschland : Straßburg [Nachricht]
- Date
- 1885-10-08
- Page
- 652 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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652 selten dürfte ein Aufruf an die Indenhe.it der Diaspora mit größerer Begeisterung und innigerer Befriedigung ausgenommen worden sein, als der .,zur Bildung einer Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Iudenthums", womit der Senior der jüdischen Onhodoxie uns auf ,ר'יד überrascht hat. Daß die Gründung eines Vereines, der es mit zu seiner Hauptaufgabe rechnet, die Interessen des orthodoxen IudcuthumS gegen innere und äußere Feinde zu wahren, besonders da lebhaften Widerhall finden würde, wo das Auf׳- blühen von תורה ועבוד־ה, wo die Herstellung ritueller Institutionen, die genau den religionsgesetzlichen Borschritten entsprechen, durch ״innere Feinde" zu hintertreiben gesucht wird, darf nicht Wunder nehmen. Daher ist auch die Begeisterung leicht erklärlich,׳ mit welcher die Ansprache unseres sehr verehrten Rabbiners, dcS Herrn PH. Deutsch, die derselbe am ־כל נדרי Abend in der Synagoge der יק חיים) Gemeinde hielt, ausgenommen wurde. Der Herr Rabbiner sprach über die Reihenfolge von תשובה הפלה וצדקה, er zeigte in geistvoller Rede, wie תשובה durch צדקה und תפלה, d. h. durch Ausübung der Pflichten gegen Gott- und Menschen vorbereitet werden müsse re. Durch meisterhafte 'Wendungen lvies Herr Rabbiner Deutsch, der für Alles, was unsere Religion betrifft, mit seltenem Feuereifer eiutritt, sodann daraus hin, daß wahre צדקה im weiteren Sinne darin besteht, daß ein Jeder nach seinen Kräften dazu beitrage, die Interessen des GesammljudenthnmS zn wahren, und forderte schließlich dazu auf, dem genannten Vereine beizntrcten. Der Erfolg übertraf gewiß selbst die Erwartungen unseres Herr Rabbiners, denn nicht nur, daß die am Tage nach י"כ aufgelegte lOftc die Namen der meisten Mitglieder der יק חיים) Gemeinde trügt, haben auch noch viele Andere, durch crstcrc dazu veranlaßt, sich äugeschlossen und durch Zeichnung von Beiträgen ihre Mitgliederschaft bekundet. כן ירבה והן יפרק. Oesterreich-Ungarn, f. Wien, 23. September. Bei der letzten uu gcntein zahlreich besuchten Versammlung deS ..Oesterreichischen Reformvereins״ beantragte der Präsident dcS Vereins, Ernst Schneider, folgenden Beschluß: ״Nachdem in Preußen zahlreiche Ausweisungen fremdländischer Juden geschehen, und die Ansgcwicsencn sich grvßcnthcils nach Oesterreich begeben, möge die K. K. Regierung ersucht werden, auch ihrerseits die fremdländischen Juden über die Grenze zu weifen und dem überaus massenhaften Zuzuge fremdländischer Juden aus Rußland, Nnnlänicn. Ungarn und .Deutschland damit ein Ende machen." Der anwesende Rcgierungs- Vertreter untersagte die Abstimmung über diesen Antrag. Das einzige Wiener Blatt, welches von diesem Beschlußautrage Mittheilnng machte, wurde dieserhalb konsiszirt. * Wien, September. Die ״Israel. Gemeindezeitung" berichtet Folgendes: ״Um den jüdischen Soldalcn der hiesigen Garnison Gelegenheit zn bieten, an den hohen Festtagen dem Gottesdienste in gebührender Weise anwohnen zn können, was bei der Uebcrfüllnng der Synagogen nahezu unmöglich ist, wurden auf Vcraulassung des Herrn Obersten des k. k. 24. Infanterie- Regiments Edlen v. Metzncr, mit Bewilligung des k. k. Korpskommando, zwei große 600 Personen fassende Säle der Nudolfskaserne in Betlokale verwandelt, in weichen ein erhebender Gottesdienst abgchalten wurde. Der Herr Oberst widmete überdies den Betrag von 60 fl. zum Ankäufe von Gebetbüchern und Gebetmänteln Hie Fullktionäre wurden von der Knltusgemeindc beigestellt, und auch Personen aus dem 'Zivilstande ward die Theilnahme am Gottesdienste gcstattct. f. Wien, 4. Oktober. In der dritten Sitzung des Abgeordnetenhauses richtete Abgeordneter Grocholski und Genossen folgende Interpellation an den Minister- Präsidenten über die Ausweisung österreichischer Unterthanen arts Preußen. Da unter diesen sehr viele Inden find, so hat die Interpellation auch für uns spezielles Interesse; sie lautet: ״In Folge Verfügung der königlich preußischen Negierung wurde in jüngster Zeit eine Anzahl österreichischer Staatsbürger, obschon dieselben mit vorschriftsmäßigen Legitimationen versehen waren, ans dem Königreiche Preußen auSgewiesen, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob die durch diese Harle Maßregeln Betroffenen sich im Königreiche Preußen blos zeitweilig aufhielten oder daselbst ansässig waren und eine gesicherte Existenz hatten. In Folge dieser den Prinzipien des Völkerrechtes sowie den Grundsätzen der modernen Zivilisation überhaupt widerstreitendes Maßregel lausen die Ausgewiesenen Gefahr, ihres Erwcrbes verlustig zu werden und in Folge der ihnen zur Abwickelung' ihrer Geschäfte kurzbemessenen Frist auch an ihrem Vermögen eine uneinbringliche Einbuße zu erleiden. So mancher von ihnen, der sich noch vor wenigen Wochen eines redlich erworbenen Wohlständen erfreute, wird auf einmal der Noth prcisgegcben. Wie verlautet, soll die Anzahl derjenigen österreichischen Staatsbürger, welche in einem Krön lande allein, nämlich in Galizien, heimathbcrechtigt sind, und anS Prenßcn auSgewiesen wurden, mehrere Tausende betragen. Diese Ausweisungen sind mit dem Artikel 19 des zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland mn 23. Mai 1881 abgeschlossenen und bis nun in Geltung stehenden Handelsvertrages nicht zu vereinbaren. In dem bezogenen Artikel dieses Handelsvertrages wurde den Angehörigen der vertragschließenden Thcile in Bezug auf den Antritt und Betrieb von Handel und