Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 40-41 (8.10.1885)
- Article
- Deutschland : Breslau [Nachricht]
- Date
- 1885-10-08
- Page
- 651 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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651 des Rabbiner Or. Frankel in der Versammlung bcschlossen, einen cinmonatlichen Beitrag doppelt cinzu-- ziehen, nachdem von anderen Seiten die verschiedensten Vorschläge in dieser Beziehung gemacht worden waren. Vorher hatte Herr Rabbiner I)r. Frankel einen sehr bcisällig anfgenommenen Vortrag üvcr die Tendenz und die Wichtigkeit deS Vereins gehalten und darauf hingewiescn, dag das Jndcnthnm stets das gemeinsame Studium und den Unterricht der Jugend als seine Hauptstütze betrachtet und geehrt habe. Endlich fanden noch Wahlen für die Prüfungskommission und für eine Kommission zur Ausarbeitung des Winterlehrplans statt. Darnach schloß der Vorsitzende. Herr Jany, die Versammlung mit der Mahnung an die Mitglieder, opfcrmuthig und treu bei der heiligen Sache auszuharren. Auch wir glauben zum Schlüsse die Mahnung an weitere Kreise anknüpfen zu sollen, dem Vereine ein regeres Interesse entgcgenzubringen. Derselbe hat mit Angriffen von zweiten Seiten, von Seiten der linken Partei, wie von der Partei der ״Polen" zu kämpfen, Angriffen, die es bereits zu Wege gebracht haben, daß er sein altes Lokal hat räumen müssen. Bedarf es dem gegenüber erst eines Hinweises auf die Wichtigkeit und Heiligkeit der Ziele, welche der Verein erstrebt? Sollen wir erst erinnern an jenes verhängnißvolle und zugleich erhebende Wort: "כל ישראל ערבים זה בזד? Wahrlich, hier gilt cs. Seelen zu retten, die Seelen unschuldiger Kinder, deren Sinn noch Lenkbar, deren Herz noch nnerhärtet, deren Gemüth noch rein und jedem äußeren Eindruck zugänglich ist. Schon warten Schaaren von Kindern auf die Aufnahme in die Schule des Vereins; dürfen und können es aber die Leiter wagen, nach nothdürftiger Deckung des Defizits, sofort wieder mit Untcrbilanz zu arbeiten? Sie werden es dennoch wagen, sobald sie ihr mühevolles Werk durch Ermuihignng und Beihülfe weiterer Kreise vor dem Verfall geschützt sehen. Darum öffne Jeder, der es kann, seine Hand zu einer, wenn auch nur geringen Gabe (Spender werden erbeten, an Herrn Jany, Breslau, Noßmarkt oder an die Expedition dieser Zeitung) sei es Geld, seien es ככרים, sie werden mit Freuden entgegengcuommen werden und dem Geber den Dank der Leiter des Vereins wie der תנוקת של בית רק eilttragcn. (Die ספרים werden mit dem Namen des Spenders versehen.) * Neust (Nheinpr.), 1. Oktober. Die Besitzer öffentlicher Viehstallungen haben dieser Tage folgende Zuschrift des Bürgermeisters Wenders erhalten: ״Es wird mir von verschiedenen Setten mitgctheilt, daß neuerdings der Viehverkauf in Ihrem Stalle an Sonntagen wieder einen erheblichen Umfang angenommen hat und daß vorzugsweise die jüdischen Viehhändler, welche ihren Sabbctth in anerkeunenswcrther Weise feiern, die Entheiligung des Sonntags durch offenen Handel in Ihrem Stalle mit einer .für das christliche Gefühl empörenden Dreistigkeit betreiben. Ich werde diesem allgemeines Acrgcrniß erregenden Unfug mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln entgcgentrcten und die strengste Bestrafung der solcher Weise verübten Ucbertretungen der Bestimmungen über die äußere Hcilighaltnng der Sonntage und Festtage zu erwirken suchen. Es versteht sich von selbst, daß auch Sie für Uebertrctnngen dieser Art mit verantwortlich sind. Außerdem appellire ich an Ihre christliche Gesinnung und spreche die zuversichtliche Erwartung aus, daß Sie sich, auch ohne durch äußere Zwangsmittel hierzu gedrängt zu werden, Ihrer Verpflichtung zur Beachtung deS dritten Gebotes bewußt sein und dem bezeichneten Unwesen nach Kräften steuern werden." Es ist gewiß sehr anzncrkcnnen, wenn der Herr Bürgermeister auf eine genaue Beachtung der gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich der Sonntagsruhe dringt. Uns will cS jedoch bcdünkcn, daß daS christliche Gefühl weit mehr verletzt werden sollte, wenn der Sonntag von Christen entheiligt wird, als wenn Juden am Sonntag ihrem Gewerbe obliegen. Ja, es läßt sich eigentlich nicht recht begreifen, warum das Gefühl eines Christen ״empört" sein soll, wenn ein Jude am Sonntag arbeitet. .< Witten, 22. September. Unser Bürgermeister Herr Bürckner erläßt in der soeben ausgegebenen heutigen Nummer des ״Witt. Tagebl." folgende Warnung: ״Es sind in den letzten Tagen bedauerliche Ausschreitungen durch Belästigung und Beleidigung hiesiger Einwohner jüdischen Glaubens vorgckommen, so daß cS geboten erscheint, rechtzeitig diejenigen zu warnen, welche sich durch Aufhetzungen zu unbesonnenen Streichen verleiten lasten, da ja nur die Verführten (gewöhnlich keine Männer, sondern unreife junge Leute) bei Ausschreitungen von der Strafe ereilt werden, die Anstifter aber straflos bleiben. Ich werde nicht dulden, daß auch nur in kleinen Anfängen eine Klasse unserer Mitbürger durch rohes Benehmen anderer Personen gekrankt wird, vielmehr sind die Potizcibcamten angewiesen, Jeden, der sich irgend welche Ausschreitungen erlaubt, welche den öffentlichen Frieden zu stören geeignet sind, zu verhaften. Im klebrigen werden zur weiteren Warnung die §§ 125 und 130 des ReichsstrasgesetzbuchcS in Erinnerung gebracht." W. Anrich, 23. September. Für Ihr geschätztes Blatt dürfte die Mittheilnng von Interesse sein, daß in einer gestrigen Strafkammer-Verhandlung betreffs Störung des Gottesdienstes Herr Landrabbiner vr. Buch Holz-Emden das von ihm verlangte Gutachten dahin abgegeben hat, daß das Vorlesen der Ha s tar a u nb eL ingt z u m G oLtes d ien st gehöre. D. L. Gtlntzb-rrg (Elsaß), 4. Oktober. Wohl