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Jeschurun · 1885-10-08 · Heft 40-41 (8.10.1885) · p. 641

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 40-41 (8.10.1885)
Article
Jüdische Lieder
Date
1885-10-08
Page
641 (sequence 1)
Language
German
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M 40 u. 41. Jeschurun, 641 Jüdische Lieder. Bon Iedidjah. Zuversicht. Wie war die Zeit so wunderschön. Als, Gott, ich frei Dir diente, — Ich Hab' das höchste Glück gcsehn, Der FriedcnSbaum blühte und grünte. — Als meine Wonn' ich bei Dir fand, Dein Volk Dir treu ergeben Im heiligen, gelobten Land Dir weihte sein Gut und sein Leben. — ES ist vorbei, eS ist vorbei, Das Glück aus jenen Tagen, O, Zuversicht, so steh' mir bei, Mein Unglück zu ertragen. Ja, finster ist es um mich her, Es stürmt und dräut im Dunkel, Nicht strahlet mir in Milde mehr Der Sterne golden Gefunket. Zu enden scheint das Leben mir, In Schmerzen tief begraben, Schon krächzt des Todes Iagdgcthier, Nach meiner Leiche die Naben. — Ist es vorbei, ist es vorbei, Jst's Zeit für Todtcnklagen? O, Zuversicht, so steh' mir bei, Mein Unglück zu ertragen. Und bin ich elend, bin ich schwach, Ist schwer mein Herz von Sorgen, Und sieht den Schmerz die Nacht, der Tag, Die Thränen der Abend und Morgen — Ich harre stets auf's Morgenroth; Der Zukunft leuchtende Sonne, Verheißen mir von meinem Gott, Führt wieder zu seliger Wonne. Es kehrt zurück, ist'S auch vorbei, Das Glück aus jenen Tagen, Die Zuversicht, sie steht mir bei, Mein Unglück zu ertragen. Der WießWer mt dem SHmlrgerichte וון Krakau. II. Krakau, 21. September (dritter Verhandlungstag). Heute wurde daö Verhör mit dem Angeklagten Ritter fortgesetzt. Der Vorsitzende fragte, warum Ritter die Eheleute Jan Szopa gebeten habe, diese möchten den Dorfrichter Swiunicki ersuchen, Letzterer solle Ritter bezüglich der Franziska Mnich nicht sekkiren, während zufolge der Zeugenaussagen der Dorfrichter ihn damals gar nicht sckkirte. Dies zeuge dafür, daß Ritter selbst sich schuldig fühlte und Allem vorzubeugen versuchte. Ritter behauptet, der Dorsrichter habe ihn damals gestichelt, und bittet hierauf ums Wort, um einige Aufklärungen über die seitens der Sachverständigen irrig angegebenen Beschaffenheit des inneren Kellerraumes zu geben, und beantwortet eine Anfrage des Staatsanwaltes hinsichtlich der Widersprüche in der vorigen und jetzigen Verhandlung, betreffend das Uebernachten der Franziska Mnich in seinem Hanse. Mit Unbefangenheit sagte derselbe zuletzt: ..Wenn ich frei wäre, hätte ich den Mörder der Mnich schon entdeckt, gegen mich hat sich eine Verschwörung im Dorfe gebildet. Der Pfarrer ist mein Feind. Es geschehe mit mir wie Gott will." Hierauf begann daö Verhör der Gittel Ritter. — Gittel Ritter, der wegen ihres leidenden Zustandes zu sitzen gestattet ist, betheuert weinend ihre Unschuld. Erregt erhebt sie sich vom Sessel und schildert ihr Verhältniß zur Franziska Mnich, wie deren Anhänglichkcit an die Familie Ritter, und sragt, welchen Grund sie gehabt hätte, dieses anhängliche, kranke Mädchen zu morden. Die Angeklagte beruft sich ans Zeugen, daß sie Niemandem im Dorfe je ein Leid zugcfügt und daß sie ihre Dienstboten stets gut behandelte. Warum sollte sie, als Mutter von sechs Kindern, die Franziska Mnich tödten, die im Hause wie ihr eigenes Kind behandelt wurde? Von einer Schwangerschaft der Mnich wußte die Angeklagte gar nichts, alle diesbezüglichen Zeugenaussagen seien leeres bäuerliches Geschwätz. Der Präsident zeigt der Angeklagten eine Hacke, an welcher drei Menschenhaare geklebt haben sollen. Die Angeklagte lacht bitter und bemerkt, sie begreife nicht, wie auf der Hacke Menschenhaare sein konnten. — Der Vorsitzende fragt Gittel Ritter, warum sie beim Anblicke der Leiche der Mnich am ganzen Leibe zitterte? — Angeklagte (wehmüthig): Mir Lhat das arme, brave Mädchen sehr leid, sie war so verstümmelt (weinend), wie sollte ich, da ich sie so lieb hatte, beim Anblicke ihrer furchtbar verstümmelten Leiche nicht zusammenfahren? — Vorsitzender: Ihr habt gehört, was StochlinSki vor den Gendarmen und bei Gericht gestanden hat. Was er sagte, ist wahr, weit eS mit dem Leichenbefund und dem Gutachten der medizinischen Fakultät übercinstimmt; auch ist erwiesen, daß der Mord durch mehrere Menschen verübt wurde. — Angckagte (mit verneinendem Kopfschütteln): Was kann ich dafür, was dieser Mensch (ans StochlinSki zeigend, der sehr bewegt schien) sagte. Kann man ihm so was glauben? Uebrigens ich weiß schon gar nicht mehr, was ich sagen soll; ich bin un-

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