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Jeschurun · 1885-10-08 · Heft 40-41 (8.10.1885) · p. 639

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 40-41 (8.10.1885)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1885-10-08
Page
639 (sequence 2)
Language
German
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639 setzten sich jedoch die.Parnassim der ״beiden Abtheilungen der jüdischen Nation" (Hochdemsche and Portugiesen), da sie die Prinzipien der Revolution als auf eine zu große Verbrüderung mit den Nichtjudcn gerichtet, für das Judcnthum gefahrbringend erachteten und sie forderten die Mitglieder ihrer Gemeinde auf, ״aus Liebe zu Gott" eine Erklärung zu unterzeichnen, daß die Ablesung der Menschenrechte in den Synagogen gegen religiöse Vorschriften verstoße. In sehr kurzer Zeit war diese Erklärung mit über 600 Unterschriften bedeckt. Die Bataaf'sche Republik blieb unter dem Einflnsse der französischen Kriegsmacht bis zum 16. Mai 1790, wo die Selbständigkeit deS Staates unter der Bedingung anerkannt wurde, daß das Volk sich selbst eine Konstitution gebe, basirt auf den Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und in Ueber einstimmung mit dem Rcgierungssysteme der ״großen Nation". — Die politische Stellung der Juden blieb hierauf eine Zeit lang in der Schwebe, doch der Klub Felix liberfcate war nicht unthötig. Im August sandte er seine Mitglieder Bromct und M. S. Asser nach dem Haag, um mit den Abgeordneten der übrigen Klubs an der Zentralvcrsammlung Theil zu nehmen; in ihrer Eigenschaft als Inden wurden sie jedoch nicht zugelassen und veröffentlichten deshalb unter dem Titel ״Die Menschenrechte beleidigt!" einen Protest in Form einer ״Adresse an das Volk von Holland". Es folgten darauf verschiedene Schriften für und gegen die Emanzipation der Juden. — Am 1. Marz 1796 kam die Nationalversammlung zusammen, und am 29. d. M. richteten Bromet, Jsak de Jonge, MeyertS, H. de Lemon, C. Asser, M. S. Asser und I. Saportas eine Eingabe an dieselbe, in welcher sie die vollständige Emanzipation der Juden forderten. Der Präsident der National- Versammlung ernannte eine Kommission von sieben Mitgliedern, um darüber Rapport anßzubringen, da jedoch vorher noch die Fragen bez. des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat zu regeln waren, zog sich deren Arbeit in die Länge. Am 23. Mai d. I. brachte Ptoos van Amstek den Antrag ein auf Abschaffung einer herrschenden Kirche und auf Gleichstellung aller Konfessionen; die jüdische war nicht ausdrücklich genannt und, wie es scheint, wollte man ursprünglich nicht so weit gehen, doch man konnte sich schließlich den Konsequenzen der vertheidigten Ideen nicht entziehen. — Äm August brachte die Kommission ihren Rapport aus, er gipfelte in der von ihr vorgeschlagenen Resolution: ״Die Nationalversammlung anerkennt, daß das Prinzip des Gataaf'scheu Bürgerrechts unabhängig ist von irgend einem religiösen Glauben, und daß deshalb dir Luden in Holland nicht nur zum Volke gehören, sondern auch in die vollste Gleichberechtigung mit allen übrigen Bürgern zu stellen sind, hinsichtlich der Rechte und Pflichten." Es wurde denn auch in Folge dessen beschlossen: ״Kein Jude soll von irgend welchen Rechten und Borthellen, die mir dem Bataafscheu Bürgerrecht verknüpft sind, und deren Genuß er beansprucht, ausgeschlossen sein, unter dem Vorbehalt, daß er alle Erfordernisse besitze und allen Bedingungen entspreche, welche in der Verfassung von jedem wirklieben Bürger Hollands gefordert werden." Die Rabbiner und Parnasflm waren mit dem Auftreten und Handeln ihrer Glaubensgenossen der Umsturzpartei jedoch nicht einverstanden, sie beharrten bei ihrer Ansicht, daß die von dem Klub Felix libertate unternommenen Schritte nicht zu billigen seien und wollten dessen Mitglieder mit Strafen belegen. Diese schieden sich nun von der Hauptgemeinde ab, doch würden sie durch ihre geringe Anzahl sicherlich den Kürzeren gezogen haben, wenn sie nicht von dem französischen Gesandten Noet kräftigst unterstützt worden wären. Wahrscheinlich durch seinen Einfluß wurden am 16. Marz 1798 die Parnassim und früheren Paruassim (Parnassyns en Oud-Parnassyns) ihrer Aemter entsetzt und sofort nach dieser gewaltthätigen Absetzung einige ״freisinnige" Juden als provisorische Verwaltung angestellt. (Fortsetzung folgt.) Von Naphtali Simon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Bauer aber hatte in der Trunkenheit die volle Wahrheit ausgcplandert, und Jankel handelte sicherlich nicht weise, daß er dcö Väterchen Petrowitsch'S Worten gar keine Bedeutung beilegte und sie lediglich als einen gelungenen Scherz betrachtete. Nun, weise ist auch Freund Jankel niemals gewesen. Er chatte auch niemals auf einer Jeschiba ״gelernt", sondern nur ein Cheder frequentirt, war sodann zum AmboS geführt und endlich ein tapferer KriegSmann geworden. Es war also wahrhaftig nicht seine Schuld, daß er nicht weise geworden, und das gereichte auch jetzt nicht nur ihm, sondern allen Glaubensgenossen seines Orts zum ,Verderben. Er hätte sonst sich, wohl sagen können,, daß des Trunkenen Hirn die genaue Angabe von dem Herrn, der einen ÜkaS des Kaisers vorgelesen, in welchem die Vertreibung und Plünderung der Juden angeordnet sei, nicht entstammen könnte, daß zum Mindesten ein Körnlein Wahrheit darin vorhanden sein müsse- Er würde sodann jedenfalls der Sache nachgeforscht haben. Hätte er aber solches gethan, dann wäre es ihpr.LM Leichtes gewesen zu erkunden, daß der Petrowitsch ihm nicht nur ein Körnlein, sondern die volle Wahrheit

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