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Jeschurun · 1885-09-23 · Heft 39-40 (23.9.1885) · p. 630

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 39-40 (23.9.1885)
Article
Rumänien : Bukarest [Nachricht]
Date
1885-09-23
Page
630 (sequence 2)
Language
German
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630 -־־- auf große Opposition, besonders in den mittleren Schichten der jüdischen Bevölkerung. * Bukarest, 16. September. Der französische Publizist Armand Levy, welcher hier behufs Studiums der Indcnsrage weilt, wurde gestern Abend das^Opscr eines AlMltates. Als er nämlich unr die zehnte stunde in Begleitung eines Freundes atts einer Versammlung hc'unkehrtc, wurde er von einem unbekannten Individuum angefallm, das ihm meuchlings einige Hiebe auf den Kopf versetzte und entfloh. Der Begleiter Arman-'S setzte dem Flüchtigen nach und rief um Hülfe, was zur Folge hatte, daß derselbe auch alsbald von einem Stadtscrgeariten ergriffen wurde, der ihn jedoch im nächsten Momente wieder losließ. Dieselbe auffällige Szene wiederholte sich, als der Flüchtige einem zweiten Sergeanten in die Hände fiel, bis cs dem Attentäter gelang, den Hof der Polizei-Präfektur zu gewinnen in dessen Gebäuden er spurlos verschwand. Die französische Gcsandschaft dringt auf Ausfindigmachung und Bestrafung des Schuldigen. ״N. fr. P." * Botttrschan, 6. September. Hier haben sich sümmtliche Inden ohne Ausnahme geweigert, das bckannte Zirkular über die gute Behandlung der Juden Seitens der Regierung zu unterschreiben. Da geht dein ״Hajocz" diesbezüglich ans Bvttnschan ein Schreiben zu, welches höchst charakteristisch für die Stimmung der rumänischm Juden ist. Dasselbe erzählt folgenden Fall: ״Bei Bvttnschan besaß ein österreichisch galizischer Unter- Lhan, Namens Josna Hirsch Grünberg, ein Waarcn- Magazin. Eines TageS kam der Primär zu dem Magazin und ließ cS schließen und versiegeln ohne jeglichen Grund. Als der Besitzer darauf mit seinem greisen Schwiegervater dorthin ging, ließ sie der Primär auf das Entsetzlichste blutrünstig schlagen. Einige durchreisende Juden, welche die Unglücklichen retten wollten, wurden durch einen Haufen herbeteilcndcr Bauern vertrieben. Und nun sielen diese über die beiden Juden her und mißhandelten sie. Darauf ließ sic der Primär nach dem nächstgclegenen Dorfe transportiren, dorthin?an! er selbst mit zwei Damen nach. Ein Bancr brachte einen Strick und die Unglücklichen wurden mit diesenl aneinander gefesselt. Doch die beiden Damen schienen auch ihr Vergnügen haben zu wollen und eine rieth dem Primaner in liebenswürdigster Weise, die Juden den Bauern als Diebe zu bezeichnen. Nun fielen die edlen Landleute über die Unglücklichen her, die sich, durch einen einzigen Strick aneinander gefesselt, nicht rühren kennten, und schlugen sie unter den! holdseligen Lachen der zarten Damen, bis thatsächlich das Glut von den Körpern der beiden Juden hcrabströmte und die Kräfte der Bauern erschöpft waren. Darauf wurden die Beiden unter einer Bedeckung von achtzehn Bauern wie Räuber fortgcsührt, bis sie an einen Bach kamen, über den ein so schmaler Steg führte, daß nicht zwei Menschen neben einander ihn überschreiten konnten, doch die Juden wurden so lange gepeitscht, bis sie endlich, da sie eng aneinander gefesselt waren, seitwärts hinüberschlepptcn. Dann ging es weiter durch den ganzen Distrikt. — Der Schreiber des Berichtes meint, wenn die Inden unterschreiben wollten, ^o^sollten sie sich nicht mit Tinte, sondern mit dem Blute ihrer Brüder, daß die Felder und die Straßen der rumänischen Dörfer roth färbte, unterschreiben. — Es ist wahrlich ein Zeichen des bittersten Schmerzes, wenn er schreibt, nächstens sollte eine Verordnung kommen, daß - die Juden eine Menge von Stricken auftrciben müßten, damit man nicht so barbarisch zu fein brauche, zwei Juden mit einem Stricke zu fesseln. — Ja, so milde ist die Regierung, daß sie jeden Juden mit einem besonderen Stricke fesseln will, und da beklagt man sich noch. — Diesen Strick muß natürlich der Jude selbst bezahlen, eS geschieht ja zu seinem eigenen Besten. So, rumänische Inden, nun bekundet, daß die Negierung euch milde und tolerant behandelt. Für jeden Einzelnen von euch, die ihr ja nicht einmal jeder Einzelne einen Strick werth seid, will sie — auf eure Kosten — einen besonderen Strick anwcnden. Wir leben Ende des 19. Jahrhunderts. Wer lacht da? Amerika. G-. Nvwyork, 4. September. Im Newyorker ,.Journal of Commerce" wurde folgende Frage aufgeworfen: Ein Wechsel, welcher ans ״Zahlbar bei Vorzeigung mit Ausnahme Sonnabends" auf eine Firma in Baltimore, die am Sonnabend der jüdischen Religionsvorschrist zufolge geschlossen ist, ausgestellt war, wurde trotzdem von dem Indossanten am Sonnabend - zur Zahlung präsenlirt und, da daö Geschäftsbnreau geschloffen vorgefunden war, protestirt Mangels Zahlung/ Die Frage ist. nun, ob die protcstirende Bank gesetz- und handetSgcwohnheitsmäß'lg gehandelt hat, oder ob sie nicht -tzielmehr verpflichtet war, die Tratte bis zum nächstfolgenden Montag an sich zu halten und erst dann zur Präsentation zu bringen? — Die Redaktion des ״Journal of Commerce" giebt daraus folgenden Bescheid: Selbst wenn keine Ausnahme in dem Wechsel vermerkt wäre, so hätte doch die betreffende Bank in Baltimore unrecht gehabt, wenn siedarauf bestanden hätte, den Wechsel zur Akzeptirnng am Samstag zu präsentiren, sobald sie davon Kennlniß hatte, daß der Trassat Jsraelite sei und demgemäß am Samstag sein Geschüftslokal geschloffen hält. Nun ist aber im vorliegenden Falle ausdrücklich auf dem Wechsel bemerkt, daß derselbe am Samstag nicht zahlbar sei: mithin

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