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Jeschurun · 1885-09-23 · Heft 39-40 (23.9.1885) · p. 628

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 39-40 (23.9.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Lemberg [Nachricht]
Date
1885-09-23
Page
628 (sequence 2)
Language
German
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628• ihr Leben aushanchen, auch nach dem Tode keine Ruhe finden sollten. Man mußte nämlich die Leiche des jüdischen Irren nach Lemberg hineinsührcn, um sic auf dem hiesigen jüdischen?Friedhofe zu bestatten; dem stauden jedoch die staatlichen Vorschriften über den Leichen׳- transport in: Wege, welche die Einführung von Leichen and anderen Ortschaften ungemein erschweren und überdicß von der Bezahlung hoher Taxen abhängig machen. Die Beobachtung dieser Vorschriften wurden in den letzten Jahren aus Anlaß der Gefahr von Epidemien verschärft, jo daß cs bei jedem Todesfälle eines jüdischen Irren sehr viele Mühe, Zeit und Geld kostete, um den Transport mit behördlicher Bewilligung vornehmen zu können. Sehr viel Eifer entwickelte hierbei der Verein ״Bnc Lcwaje," doch hatte auch der Kultusvorstand für jede einzelne Leiche Opfer an Zeit und Geld zu bringen, und dazu niußte man noch von Fall zu Fall die Nachsicht des Metallsarges erbitten, was der Lemberger Magistrat endlich an einen Zeitpunkt knüpfte, über den hinaus gar keine Nachsicht rnchr zu erwarten war. -Bei der Irrenanstalt in Kulparkow besteht ein Fiedhof, und die Direktion wollte dortselbst auch die Leichen der jüdischen Irren bestatten; doch dem wiedcrsctzte sich das Lemberger Nabbinat auch dann, als man ein Stück dieses allgenteinen Friedhofes speziell für jüdische Leichen abthcilen wollte. Man mußte daher darangchen, einen eigenen jüdischen Friedhof zu errichten, zu welchen: Zwecke ein Grundstück angekauft wurde, doch fehlen hicztt sowie für die Errichtung der Lcichenkammer, des Wächter- Hauses, der Einplankung u. s. w. die Mittel. Die Errichtung dieses Friedhofes ist nämlich keine Angelegenheit der jüdischen KultuSgcmcinde allein, denn das Irrenhaus in Kulparkow ist eine Laudesanftalt und cs finden darin Aufnahme die Irren, darunter auch die jüdischen, des ganzen Landes. Ein Kreis von wohlthätigcn Männern mit dem Herrn Rabbiner Orusteiu und den Herren Bernstein und Bombach au der Spitze leiteten daher eine Sammlung ein, welche zwar ein recht günstiges Resultat ergab, aber noch nicht den ganzen Bedarf deckte. Der allergrößte Theil des gesammelten Geldes stammt aus Lemberg, und selbst der größte Theil jener wenigen Kultusgcmcinden des flachen Landes, welche um einen Beitrag angegangen wurden, blieb mit den Beiträgen bis nun zu. säumig. Sehr warm uud eifrig nahm sich dieser Sache unser Lemberger Kttltusvorstand an, welcher den Vertrag mit den: Landesansschnsse abschloß, die politische Konzession erwirkte rc. Am 1. d. M. konnte endlich die Einweihung dieses jüdischen Friedhofes in Kulparkow erfolgen. Dieser religiöse Akt wurde von Rabbiner Orusteiu uuter Assistenz des Assessors Brande in Anwesenheit des KnltusvorstcherS Ih׳. Emil Byk, des Kuliuörathes Gall und des Gcmciuden-SckrctärS Dr. Nossig, vvrgcnommen und knüpfte sich hieran die Grundsteinlegung zum Wächterhältst und Todtenkammer. Für die rasche und energische Durchführung dieser ganzen Angelegenheit gebührt allen Bethciligten Dank und Anerkennung. Frankreich. *** Paris, 12. Tifchri. Die ״Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums", der דבוק כל ישראל הברים, die Verbindung aller Juden, die wahre ״fromme Genossen'הברים ׳ sein wollen, die in Frankfurt in den Tagen begründet, von denen es heißt Jes. 55, 6, דרשו ה״ בהמצאו וב׳יו, ist hier in Paris mit Enthusiasmus begrüßt uud itt einer der bedeutenderen Synagogen am Jomkippur beim Aufruf zur Thora bereits mit einer Spende bedacht worden. Die ״Adaß Jcschurun", die seit Dezennien gerüstet, erfüllt das Wort Jcs. 5t, 2 הרחיבי מקום אהלך und ihr ehrwürdiger Chef das Wort Talmud Pesochim 3d ״ שלם לך דאת בנציבי[ ומצודתך ברובה בירושליםDu verharrest fest ans Deinem Standpunkte ]בנציבי und Deine Fäden ziehen sich bis Jernscholajim." Möge ganz Jißroel dem Appell dieses großen Führers folgen und sich am heiligen Suckaußfcste zu diesem geistigen Kampfe mit den Arba Minim begeistern, mit dem Palmzweige, der uns das gerade und feste Emporstreben zeigt, mit der Myrthe, die das Auge, dem Estrog, der das Herz, und der Weide, .bte den Mund nnS für alle Heilige bereit zu stellen heißen (Wajikro Rabbo 30). Am Rosch Haschonoh sind wir durch den Schall der Theruoh erweckt, um uns wieder neu zu schaffen, am Jomkippur zur Rückkehr zum Ideal der Menschheit gerufen. Mögen wir in allen Welttheilen in den Suckauß, diesen Wanderzeltcn, uns erinnern, daß das Judenthum aus den Wohnungen der Gemächlichkeit und der ruhigen Bequemlichkeit hinaus sich in das Feldlager zu begeben hat, um für die ganze Menschheit, wie cs schon durch die Zahl der Korbonanß uns angedeutet ist, das große Werk der Sühne zu vollbringen. Möge der Tag nicht fern sein, wo, wie es im Propheten Secharjohu 14, 16 heißt: ״alles Ueberbleibende von allen Völkern alljährlich nach Jerusalem hinaufziehen wird, vor dem König, dem Ewigen der Heerschaaren sich beugen und da'S Snckaußfest feiern." Wie die Sterne, die wir durch das Dach unserer Laubhütten hindurchschinunern sehen, wollen wir, die wir zu den Sternen verglichen sind, ישראל נמשלו לכוכבים fest unsere uns vorgezeichnete Bahn wandeln im Vertrauen aus den himmlischen Vater, der in dieser trüben Zeit der Anfeindung der Juden uns wie stets mit seinem Wolkenschutz umgrebt הפורס סכת שלום עלינו ועל כל עמו ישראל ועל ירושלים•

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