Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 39-40 (23.9.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Linz [Nachricht]
- Date
- 1885-09-23
- Page
- 626 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— Die Freude über diesen glücklichen Fang hat indessen, wie wir in der Linzer ״Tagespost" lesen, nicht lange angehaltcn, denn der eben getaufte Ernst Anton Maria kofclit wurde in Folge Rcgnisition des Gerichtcs vorgestern spat Abends ans dem Kapuzinerkloster weg, wo derselbe seit etwa sechs Wochen wohnte und sich füttern ließ, verhaftet. Der fromme Neubekehrte har sich nämlich als Schwindler entpuppt. Derselbe kam zu Pfingsten nach Linz, nannte sich Sachs, produzirte ein vom Kreisrabbincr ausgestelltes, auf den Namen Sachs aus Frauncberg ausgestelltes Zeugniß, wonach derselbe die Bcfugniß hat, als Schächter zu sungircu. Auf Grund dieses rituellen BcfähigungS- Nachweises wurde Sachs auch hier als Schächter für Bad Hall cngagirt, nahm als solcher ein Darangcld, trat jedoch seine Funktion nicht an und war als ״ Sachs" in Linz nicht aufzusinden, weil er mittlerweile als ״NcligiouSlchrcr Koselik" sich in das hiesige Kapuzinerklosrcr zurückzog, um sich daselbst taufen zu lassen. Was cS mit diesem Menschen sonst noch für eine Bewandtniß hat, wird sich erst nachträglich Herausstellen." Der ״Ocstcrr. BolkSfrcund" fügt dieser Mittheilung folgende Bemerkung hinzu: ״Wir unsererseitö erinnern uns eines gewiß sehr bcher.zigcnSwcrthcn Borschlages des Ehorherrn L. Eichhorn in Floridsdorf, nach welchem Juden erst getauft werden sollten, nachdem sie durch eine.mehrjährige Probezeit, durch mehrjähriges Wohlverhalten die Redlichkeit ihrer Absicht, sich taufen zu lassen, erwiesen haben. Wie häufig lassen sich Juden blas um des materiellen Vortheiles willen taufen, bleiben also der Gesinnung nach durch und durch Juden wie zuvor und schaden den Christen nun erst recht durch Bcrtrancnsmißbrauch. Der Klerus kann soinit bei Erthcilung der Taufe an die Juden nicht leicht vorsichtig genug.zu Werke gehen. Wie sehr dies der Fall ist, beweist gerade die gegenwärtige Geschichte, wo es den: Juden gelungen ist, nicht blos einen einzelnen . Priester, sondern das ganze Konvent, in dem sich einige sehr intelligente Männer befinden, zu täuschen. Also nochtnals möge jeder Priester in dieser Hinsicht mit der äußersten Vorsicht und Strenge zu Werke gehen, um ja nicht den Borwurf der Leichtgläubigkeit und die Bcrautwortung der Schädigung der Interessen der Kirche urid der Heerde auf sich zu laden." * Prag, September. Folgendes Kurisum, welches wir der ״Jsr. Gemeiudeztg." entnehmen, theilcn wir zur Erheiterung unserer Leser ntit. An der Meiselsynagvgc zu Prag, welche im Dienste der Reform steht, fungirtc als erster Kantor ein sehr musikalischer Herr, Namens Wallcustcin. Derselbe geht in seinem tnusikalischen Eifer aber selbst den Reformern etwas zu weit. Fast der gesummte. Gottesdienst der Meiselsyuagogc besteht aus Gesang und Orgelspiel und wenn aller Ohren zur Genüge übervoll der Singerei und Spielern sind, daun humpelt zum Schluß noch ein deutsches Liedlein nach, in welchem Chor und Soli effektvoll vcrtheilt sind. Wenn das Solo an die Reihe kommt, verschwindet plötzlich Herr Wallenstein hinter die Kotüisse j. 6. Orgel, um von dort aus sein Tremolo ertönen zu lassen ü 1a Maurico im Troubadur. Die so freigewordene Stelle am Kantorenpult besetzt nun schleunigst der zweite Kantor, uni während des Solo in strammer Haltung schweigend dort zu postireu als lebendige Pagode. So wix das Solo des Herrn Wallenstein, welches mehrere Stropfen laug ist, verklungen, tritt der zweite Kantor ab. Der Vorhang füllt. Das Stück ist aus. Die ״Jsr. Gemeiudeztg." ist so naiv, diese Lächerlichkeit nur deshalb zu verhöhnen, weil dadurch der ganze Kantorstand verletzt würde, unb besonders das Ehrgefühl des betreffenden zweiten Kantors. Wir empfehlen, damit die Sache noch effektvoller wird, die Postirung eines Gardchusaren in Wichs. *||* Pest, 16. September. Der ״Neuen Indischen Pester Zeitung" wird aus Klausen bürg Folgendes gemeldet: Am ערב ר״ה wurde unser Morgen-Gottesdienst in sehr unangenehmer Weise gestört. Die Fenster der Synagoge wurden nämlich mit Steinen eingeworfen, und cS entstand ein derartiger Schrecken, daß Männer, Frauen und Kinder schaarenwcise ans dem Gotteshansc eilten, da man einen feindlichen Ueberfall befürchtete. Es nruß als Glück betrachtet werden, daß bei dem großen Gedränge Niemand beschädigt wurde. Die Polizei hat eine Untersuchung angeordnet, um der Ruhestörer habhaft zu weiden. Es ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß dieser Exzeß von einigen Klausenburger Rumänen herrührt, und als-einfacher Racheakt dafür anzusehen ist, daß die Klausenburgcr Juden sich fast sammt und sonders den! Siebcnbürger ungarischen Kultur-Vereine angcschlossen haben. — Die hiesigen Antlsemitenkrawalle von 1883 hatten dieser Tage noch dadurch ein kleines Nachspiel erfahren, daß der Minister des Innern von der Bndapcstcr Stadtbchördc 1146.12fl. für die Kosten der angewandten HülfSmitte! zur Unterdrückung der damaligen Exzesse fordert. Der Magistrat glaubt indcß diese Forderung ohne Weiteres nicht anzuerkennen zu brauchen; er ist dicserhalb beim Ministerium vorstellig geworden. Würde cs nicht ganz plausibel sein, wenn man den intellektuellen Urhebern jener hauptstädtischen Krawalle, Verhovay, Jstoczy und deren würdigen Genossen die Tragung jener Kosten auferlegte? * Pest, 16. September. Ein Privattelegramm der ״R. Fr. Pr." meldet: Ein ehemaliger Rabbiner wünschte eine reformirte Jndengemeinde zu gründen und unterbreitete die Statuten dem Kultusministerium. Dasselbe verlangte vom Professoren - Kollegium des hiesigen Rabbiner. Seminars ein Gutachten, welches