Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 39-40 (23.9.1885)
- Article
- Die Familie
- Date
- 1885-09-23
- Page
- 625 (sequence 1)
- Language
- German
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Jcschnrnn, 625 M 39 u. 40. Die Jamikie. Ein Tempel stehet die Familie, Wo Priester ihres Amtes walten. Wo Friedensglück sich, Gottesruhe In schönster Harmonie entfalten. Der Hohepriester ist der Vater, Der Alle lenkt und Alle führet. Der auf dem Altar seines Hauses Zum Guten stets die Flamme schüret. Er legt im Tempel freudig nieder, Was er gesammelt und erstrebet, Vcrtheilt die Gaben, herrscht mit Milde, Belohnt, bestraft, vergiebt, erhebet. Als hehre Priesterin des Tempels Die Mutter ihre Hülfe leihet; Sie sorgt, daß nie das Heil'ge werde Durch Falschheit, Unrecht schnöd' entweihet. Sic schlichtet, ordnet, unterweiset, Daß Jeder seine Pflichten kenne. Versöhnt, so daß in jedem Herzen Die heil'ge Liebesflamme brenne. Zum Priester und zur Priesterin Ein jedes Kind als Diener steht. Und jeder Athemzug und Blick, Ein jedes Wort sei ein Gebet. L. G־. L. Komspmldellzm und Nachrichten. Deutschland. Hamburg, 20. September. Seit undenklicher Zeit ist wohl kein Jahr mit solch trost- und freudeverheißenden Hoffnungen für die Zukunft unseres alten unverfälschten JudcnthumS eröffnet worden, wie das Jahr 5646. Wer möchte denn nunmehr nicht hoffnungSfroh den künftigen Tagen cntgcgenblicken, da der Mann, welcher schon einmal die finstere Nacht erleuchtet und die heilige Sache dem drohenden Verderben entrissen,׳ von Neuem seinen Mahnruf durch Israel erschallen läßt, um die Schaar der Getreuen zu sammeln, die mithelsen sotten, das Heiligthum vor Entweihung zu schützen. Wir wünschen, daß in möglichster Kürze schon die erste Generalversammlung der neuen ״Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Inden- Lhums" ein berufen werde. Möchten darum schleunigst alle Diejenigen, die Ohr und Herz haben für den Weckruf des mit Jugendfrische in die Bresche tretenden greisen Vorkämpfers, ihren Beitritt zur freien Vereinigung erklären. Vor allem richten wir diese unsere Aufforderung an unsere Hamburger Brüder, unter denen sich Gottlob noch eine stattliche Zahl Derer befindet, welche in Gesinnung und That sich als ächte Jehuden bewähren. אהד מן. הצעירים. x Witten, 5 נ. September. Aus gestern Abend hatte der hiesige ״Deutsche Verein" in den! größten Saale unserer Stadt eine Versammlung eiuberufcn. Zwei interessante Themata standen auf der Tagesordnung; und noch dazu war der Referent über das eine ״Deutsche Kolonien in Paraguay" ein berühmter Vorkämpfer der heiligen Sache des Antisemitismus, Di׳. Bernhard Fo er st er. Es ist also nicht Wunder zu nehmen, daß die Versammlung zahlreich besucht war. DeS spezifisch Interessanten bot sie indeß nicht viel. Der Vortrag des Vorsitzenden des Vereins, Dr. König, über das Thema: ״Kann und wird Deutschland die Judensrage lösen?" enthielt nur sattsam Bekanntcs. Redner empfahl als Mittel zur Lösung der Judenfrage vorläufig (?!) die ertaubte Selbsthülfe — und später? Natürlich erhält auch von ihm die Hauptschuld ״die verjudete Presse". Im Allgemeinen hält Redner dafür, bei der Lösung der Judensrage die goldene Mittelstraße einzuschlagen, so etwa in der Mitte zwischen Hartmann und Dühring. Oesterreich-Ungarn. -k- Wien, 20. September. Verschiedene Zeitungen melden, daß von hervorragender Seite Bemühungen ins Werk gesetzt sind, in dem schwebenden Ehrenbeleidigungsprozeß des Professor Rohling kontra Reichsraths-Abgeordnete Rabbiner Dr. Bloch ans gütlichem Wege vnr Eintritt in die öffentliche Verhandlung einen Ausgleich hcrbeiznführen. ES wurde daraufhin der Vorschlag gemacht, daß Dr. Bloch seine Acnßernng, Rohling habe in der Talmudfrage ״wissentlich" einen falschen Eid geleistet, zurücknchme und eine diesbezug-. liche Erklärung veröffentliche, wohingegen Rohling von' der Anklage zurücktretcn werde. Man ist neugierig, ob ein außergerichtlicher Ausgleich zu Stande kommen wird. 0. W. Zinz, 17. September. Das ״Volksblatt" berichtet: ״Am 3. d M Früh fand die Taufe des israelitischen Ncligionslchrers I. Koselik in der Kapuziner-Kirche statt. Den heiligen Akt vollzog der hochwürdige Herr Pater Stanislaus Ernst, Kapuzinerordens-Priester und Direktor des Vinzentinums. Als Taufpathe fungirte Herr Anton Glöckler. Der Taufling erhielt den Namen Ernst Anton Maria. Bei dieser Gelegenheit sei — dem Wunsche des Getauften entsprechend — der christliche Eifer, die Liebe und Barnrherzigkeit des hochwürdigen Herrn Pater StaniSlaus, der den Täufling in den Glaubenswahrheiten der heiligen Kirche unterrichtete, besonders hervorgehoben."