Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 39-40 (23.9.1885)
- Article
- Das Ziel des christlich-sozialen Antisemitismus
- Date
- 1885-09-23
- Page
- 614 (sequence 2)
- Language
- German
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614 anzurusen und sich den Anschein zu geben, als ob sie im Geiste und nach dem Willen des Kaisers jene antisemitischen Wühlereien treiben, welche auch die ״Nordd. AUg. Ztg." verurthcilt. Sodann aber erklären wir cs für durchaus unwahr, wenn man die Ausbeutung deS wirthschastlich Schwachen durch den wirthschastlich Starken vorwiegend den Juden znschiebcn will. Das ist eine Behauptung, wie sie kühner ohne jeglichen Beweis nicht in die Welt geschickt werden kann. Die ״Kreuzzeitnng" möge diesen Beweis erst führen, bevor sie die Juden verdächtigt und den eigenen feindlichen Gelüsten ein sittliches Gepräge zu geben wagt. Sie möge uns auch erklären, wie sie und mit ihr ihr Klient, die ״Christlich-Sozialen", denn zu den: ״Antisemitismus der Rasse und des Hasses" stehen, von welchem sie behauptet, daß er ״jedensallö vor der Oessentlichkeit" nicht die Nolle spielt, die man ihm znschrcibt? Wie sie ״vor der Ocsfentlichleit" hierzu stehen, das wissen wir. ES scheint aber zwischen ihren öffentlichen Bestrebungen und ihren geheimen Zielen noch ein bedeutender Unterschied zu bestehen, und diese muffen so kühne sein, daß man die Gegenwart noch nicht für reis hält, um sie zu enthüllen. Ahnen können wir sie allerdings ans dem Schlußgeständniß, daß ״die Frage ob und in wie weit die staatsbürgerlichen Rechte der Juden zu beschräukcn sind", zur Zeit nicht im Vordergründe stehe". Also das ist das endliche Ziel, das man zwar zur Zeit noch nicht in den Vordergrund stellen mag, weil die Saat der Juden- Hatz noch niri)t reis ist! Man möchte aber unS Inden die werthvollsteu Rechte allerdings rauben, möchte uns der höchsten Güter verlustig erklären, die der Staat dem Bürger zu bieten hat! Und das soll mit der Königstreue und der kaiserlichen Botschaft vereinbar sein, solches wagt man als dem Sinne des Monarchen entsprechend darznstellen, deS Monarchen, der seine volle landcSväterliche Huld den jüdischen Burgern nicht minder zusichert als den christlichen, und der so wenig, wie sein erlauchter Sohn, der Kronprinz, cs dulden kann, daß man deutsche Bürger zu Parias stempelt. Wir erklären das Streben nach einem solchen Ziele als ein Attentat auf die Freiheit, den Frieden und die Gesittung des preußischen Staates und deutschen Reiches. IchM Jeßsmh. Bon Naphtali Simon. (Nachdruck verböte!׳.-) (Fortsetzung.) Und weil er trotz des wilden Aussehens und der vcrlMen acht wilden Jahre ein wirklich gutherziger, braver und gvlteösürchüger Mann geblieben war, so fand er auch bald ein gutes, braves, sittsames Mädchen, welches dem rauhen KriegSmanne und gewaltigen AmboS- Helden ein trenlicbcndeö und sorgendes Weib sein wollte. Einem beurlaubten russischen Soldaten werden nicht viel Schwierigkeiten in Betreff des Heirathcns bereitet. > Iankel machte Hochzeit und war der glücklichste aller Sterblichen, und das aus vollem Grunde. Denn er besaß in der That in seinem Weibe einen Schatz an Herzensgute und Sanftmuth, an Fleiß und Genügsamkeit. Das war aber auch wirklich ein Glück. Wenn Frau Brendel (ich kann nichts für diesen Namen, sie hieß nun einmal so) nämlich nicht diese beiden letzteren Eigenschaften zu eigen gehabt hätte, dann würde sie sich sehr unglücklich gefühlt haben. Denn Iankel hatte aus Asien keine Schätze heimgeführt, und seine Frau hatte ihm auch keine mit in die Ehe gebracht. Sie hätte sich also höchst unglücklich fühlen müssen, wenn sie nicht so recht genügsam gewesen wäre, und dann wäre auch der Frieden nicht in die Hütte eingezogen, in welche Iankel sein liebes Weib einführte. Diese Hütte lag am äußersten Ende des Orts neben einem Kruge. Iankel hatte sich gerade diese wohlbedacht ausgewählt. Mit der eigentlichen Schlosserei glaubte er nämlich nicht viel auSrichten zu können, weil eS schon zu viel deren im Orte gab. Hingegen fehlte cs an einem richtigen Schmied, der in der Kunst des Hufbeschlags erfahren und zuverlässig war. Von den zwei Schmieden, die in dem Orte ansässig gewesen, hatte der eine eben das Zeitliche gesegnet, und der Andere war durch eine zu starke Vorliebe für Wodka etwas mehr als zu hansig in einem Zustande, der ihm gewiß selig däuchte, der aber wenig geeignet war, das Wirkeisen und die Hufraspel geschickt zu handhaben. Iankel aber halte während seines aktiven Soldatendienstes in dem Hufbeschlag viel Uebung erworben, und das erwies sich wirklich als einen Schatz, den er mit aus dem fernen Asien heimgebracht hatte. Denn dieser Uebung und Erfahrung ward die Quelle seines behaglichen Auskommens. Er hatte aber sich gerade neben dem ersten Kruge eine Schmiede errichtet, weil die Bauern, welche zum Orte hincmfnhren, von dem Staube der Landstraße meistens eine so trockene Kehle mitbrachten, daß sie dem dringenden Bedürfniß nach einer gründlichen Anfeuchtung derselben sofort abhelfen mußten, wie ihnen in dem ersten Kruge dazu Gelegcnheit geboten wurde. Hatte nun einer dieser stets Durstigen an seinem Gefährt oder Nößlein eine Reparatur vornehmen zu lassen, so ließ er solches recht gern in Jankels Schmiede besorgen. Ec hatte ja alsdann die nothwendigste Veranlassung, im Kruge es sich recht behaglich zu machen und eine stattliche Anzahl von Glasern Branntwein zu vertilgen, derweilen der Schmied für ihn beschäftigt war. So befanden sich