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Jeschurun · 1885-09-17 · Heft 38 (17.9.1885) · p. 606

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 38 (17.9.1885)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1885-09-17
Page
606 (sequence 2)
Language
German
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606 dcS Baues bcr jüdischen Gemeinde zu klagen haben." Er wurde nicht erhört. Er starb. Mit der Orgel drangen die Prediger des Abfalls in die Synagoge, auch in die ehrwürdige Statte in der Hcidcreutcrgassc, in der noch vor Sachs ein Plcßncr durch seine Reden gewirkt. Dieser hatte zuerst die uralte Dcraschah in modernem Gewände reiner deutschen Sprache vorgetragen. Derselbe Rabbi Schclomoh Pleßucr hatte auch in Posen an der Stätte, die voller Erinnerungen an den unsterblichen.Meister Rabbi Akibah Egcr זל und viele andere Großen uns mit heiliger Ehrfurcht erfüllt, das Glück bei seinen tiefen inhaltvollen Reden, mit denen er seine Zuhörer begeisterte, von einem Schcliach Hilibur assistirt zu werden, der ihn verstand. Als er einst an Jomkippur vor Nacht von dem Grundgedankcn des VersöhnungötagcS ausgehend in seiner herrlichen Rede den Uebergaug zu der Bedeutung dcS Snkkothfestcs fand, wie es uns ja auempfohleu wird, בדי לקיים ילבו מהיל אל היל am Schlüsse des VcrsöhnungStagcS uns der Sorge um Mizwaß Snkkoh zuznwcndcn, da improvisirtc Rabbi Hirsch Exin in dem Kaddisch-Vortragc, den er sofort nach der Rede Plcßncrs intonirtc, die herrlichste Verbindung deS Ehasonuß von... Jomkippur mit dem von Sukkoth mit einer Kombinationsgäbe und einem Talente, das alle Anwesenden gleichsam mit heiligem Weihcgejnhle clcttrisirte. Unter den wcrthvollen Manuskripten Plcßncr'S findet sich auch ein Gedicht, in dem dieser Meister der hebräischen Sprache uns in eine Synagoge an den Jomim Nauroim führt. Er beginnt mit der Schilderung der Wanderungen der heutigen Kinder Israels an die HeilSqucllcn. Nachdem sic am 9. Aw den Verlust der Metropole Israels und / der Menschheit beweint, suchen sie draußen in der/ freien schönen GottcSnatur Körper und Geist zu stärken, um sich für die heiligen Tage des Tischri vorzuberciten. Wie herrlich sind diese Quellen, die der Urquell Israels, sein wahrer, treuer Arzt, für die leidende Menschheit geschaffen. Wir haben noch einen andern hebräischen Dichter der Neuzeit, Rabbi Schclomoh Klein ז״ל, den die Wvhlthat dieser Quellen und speziell der Quellen Homburg'S, die ihm so oft -Heilung verschafft, zu einem herrlichen Danklicde zum Allmächtigen begeistert. ES sind die Quellen, die noch heute hänjig nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Lebensgefährten finden - lassen, schon von der größten Bedeutung in der jüdischen Geschichte der Vorzeit. JizchokS Brautwerber, Jaakob, Moscheh fanden die Gattin am Brunnen. Eine geistige Quelle besitzen wir indessen, die mehr als alle irdischen unö und die ganze Menschheit heilt, die lebendige Quelle der Thora. Mögen wir in dieser heiligen Zeit der ימי תשובה von allen Leiden und allen Verirrungen uns dieser Quelle wieder zuwcnden, als zu unserer Hoffnung, zu rmserem BersammlnngSelement dem echten מקוה. Es sind nicht nur die Gebäude der Bcthäuser, es sind in erster Linie die Lehrhäuser und die Lehre, die wir dort in unö aufnehmen, in denen man das Wort Jeremija 14 anwendcu kann מקוה ישראל מדמיין בעת צרה die uns in . dieser Zeit der Prüfungen retten. Möge uns Allen sich das Schlußwort deö Traktat der Mischnoh Jomoh 8, 9 erfüllen מה מקוד. ממהר את הממאיס אף הקב״ה ממהר את ישראל. Nutz! and. .. ..z. Petersburg, ערב ר״ה. Schon wieder stehen wir an der Schwelle eines neuen Jahres, schon wieder fordert uns der Abschluß eines alten Jahrcö auf zur Rückschau auf die Erlebnisse des vergangenen Jahres; aber noch immer ist das große Nüthsel ungelöst, noch immer schweben wir in Ungewißheit darüber, wie eS definitiv über uns im Nathc der ״Judenkommission" beschlossen worden ist — wir sind um keinen Schritt weiter, als im Vorjahre gelangt. ES war gerade um ר״ה vorigen Jahres, als das Gerücht aufgetaucht war, daß die ״Judenkommission" endlich ihre Arbeiten vollendet haben sollte. Wir sprachen schon damals uns dahin aus, daß diesem Gerüchte, da cü schon so oft kolportirt worden, kein Glauben zu schenken sei. Wir meinten auch schon damals, daß von der ״Judenkommijsion" nicht viel Heil zu erwarten sei; wir glaubten deshalb zu dieser Vcrmuthung berechtigt zu sein, da man annehmen mußte, daß. wenn der Majoritätsbeschluß im Sinne deS Rechts gefaßt werden sollte, er längst Vorlage. — Und wie sind leider, wenn wir unter den Ereignissen des vergangenen Jahres Umschau halten, diese Ahnungen Punkt für Punkt in Erfüllung gegangen! Die Judenkommission hat ihre Arbeiten bisjctzt nicht vollendet; alle diejenigen Aeußeruugeu, Beschlüsse, Uebcrlegungen, Untersuchungen re. rc., von denen aus den Büreauö der Kommission Kunde — mag sie nun etwas mehr oder weniger in den einzelnen Punkten glaubwürdig sein — in die Oeffcntlichkeit gedrungen ist, lassen leider nichts Erfreuliches von den Arbeiten der Kommission für die Gestaltung unserer Verhältnisse erwarten. Unsere einzige Hoffnung war und bleibt immerdar das unerichütterlichc Festhalten an dem Glauben an des Allmächtigen Schutz und Beistand. Und so schließen wir denn dein! Scheiden des alten Jahres mit dem Wunsche, den wir beim Eintritt desselben ausgesprochen:. Möchte doch sich׳ die Erkenntniß in den maßgebenden Kreisen Bahn brechen, wie die wüsten nihilistischen Umtriebe bitrcf) die Judenhetzen immer neue Nahrung finden, und Rußland nicht eher den inneren Frieden besitzen werde, bis der Jude frei und gleich sei. Rußland kann sich mit einem Schlage ökonomisch helfen, wenn eS die

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