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Jeschurun · 1885-09-17 · Heft 38 (17.9.1885) · p. 605

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 38 (17.9.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
Date
1885-09-17
Page
605 (sequence 1)
Language
German
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605 * Krakmi, 11. September. Wie der ״N. fr. Pr." telegraphirt wird, soll die Verhandlung im Prozcssc Ritter (Mord in Lutcza) wegen des auf den l?. d. fallenden Vcrsöhnnngstagcs und des darauf felgenden Sonntags statt am 17. erst am 21. d. beginnen. Der Eintritt in den Gerichtssaal ist'nur gegen Karten gestattet. * Pozegn (Slavonien), 12. September. Der Kaiser ist heute Vormittag hier eingetrosfen und festlich empfangen worden. NachntittagS 2 Uhr empfing der Kaiser die Deputationen anS Bosnien und der Herzegowina, unter ihnen auch die obersten Würdenträger der verschiedenen Konfessionen. Namens der Israeliten sprach der Obcrrabbiner Finci dem Kaiser den Dank für seine väterliche Fürsorge ans. Der Kaiser erwiderte auf diese Ansprachen: ״Mit besonderem Wohlgefallen nehnte Ich die Huldigung einer so zahlreichen Bcrtretung der Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina entgegen und erkenne aus der Versicherung ihrer An׳ hänglichkcit und Dankbarkeit mit Befriedigung die richtige Erkenntniß Meiner väterlichen Absicht und der Fürsorge Meiner Negierung für das Wohl und Gedeihen dieser Länder. Insbesondere ist cs Mein Wille, daß jede Konfession ihren Glauben frei ausüben könne und in den ihr zustehenden Rechten von keiner Seite gehindert werde. Seien Sie überzeugt, daß Ich alle Konfessionen in der Ausübung ihrer Religion stets gleichmäßig schützen und unterstützen werde, gleichwie ich zuversichtlich erwarte, daß auch die Bevölkerung in friedlicher Eintracht und mit redlicher Arbeit den Aufschwung dieser Länder, wie Mir derselbe am Herzen liegt, cifrigst zu fördern bestrebt sein wird, wovon Ich Mich sobald als möglich auch persönlich zu überzeugen hoffe. Sagen Sie dies Alles Ihren Mitbürgern nebst der Versicherung Meiner kaiserlichen Huld und Gnade, welche auch Sie auf Ihrer Heimkehr mit Meinen besten Wünschen begleitet." Nicht endenwollender Jubel erscholl, als der Kaiser seinen Besuch in Aussicht stellte. Hierauf beehrte der Monarch die hervorragenden Mitgliedcr der Deputation mit Ansprachen, wobei die bctreffenden Kreisvorsteher als Dolmetsche dienten. Der Empfang währte bis halb 4 Uhr. — Ein Theil der Deputations'Mitgliedcr begicbt sich von hier mit.dem Ncgiernngsrathe Hörmann 3111* Besichtigung der AnSstellnng nach Pest. Frankreich. *** Paris, 4. Tischri. Die erst seit kurzer Zeit bestehende Gemeinde in Vitry le Fraii^ais hat bereits eine prächtige Synagoge mit einem Kostenaufwand von circa 80 000 Franken erbaut. Der Name Vitry erinnert, wie so viele Ortsnamen in Frankreich, selbst in der Umgegend von Paris, wie Jwri, Pontoise rc., daran, daß mir uns hier auf dem klassischen Boden der großen Talmudisten des Mittelalters befinden. In Lafcrtü befand sich noch bis vor wenigen Monaten ein Andenken an die Ghcttozeit. Man hat dort, bevor man zur Verschönerung der Stadt diese Baulichkeilen demolirte, photographische Aufnahmen dieses historischen Indcnqnarticrs veranstaltet. — Der Synagogenbau in Versailles soll dem Vernehmen nach vorläufig sistirt sein. Man fürchtet, daß der Voranschlag der Baukosten zu erheblich überschritten werde. Die AuSgaben der modernen Synagogenprunkbauten sind enorm und die Einnahmen, d. h. der Gewinn für die Erwecknng des jüdischen Geistes, gering. Versailles will dem Vernehmen nach ein gutes Beispiel geben und nach den Erfahrungen in Paris, daß die orthodoxen Synagogen in Paris stets zu klein sind, um dem Andrang der Besucher zu genügen, während die Orgelsynagogen eine traurige Leere zeigen, die unjüdischen Toninstrnmente ganz verbannen. Wie man hört, ist cs dein Einfluß der Familie v. Rothschild zu danken, daß 11m» in Paris wenigstens am Iomkippur in allen Synagogen von der Orgel verschont ist. Der ״UniverS Israülite" plaidirte schon vor längerer Zeit für die Reinigung unserer Bcthäuscr von diesem Uebel. Angesichts des Verbotes dieser Institution durch unser NeligionSgesetz ziemt cs sich nicht, erst auf Autoritäten der Musik und des SynagogcngesangeS wie Mcyerbeer, Snlzer 11. A. hinzuweisen, die die Orgel als störend und unpassend bezeichnen, um auf deren Entfernung zu dringen. Snlzer wird die etwas triviale Acnßeruug nachgcsagt: ״Eine schlechte Wirthschaft das, die um ihr saures Vier zu debitircn, die Gäste mit Instrumentalmnsik hcranlocken will." Wie prophetisch hatte Dr. Sachs 's. A. den Verfall der Berliner Synagogengemeinde von dem Momente der Einführung der Orgel datirt! Es war wenige Monate vor seinen: Ableben, als einige Herren des Berliner Vorstandes ihn eines Tages in seinem Studirzimmcr überraschten und ihn baten, sie nach dem fast vollendeten Bau der Oranienburgerstraße zu begleiten, um die Akustik zu prüfen. Er improvisirte sofort eine kleine Rede: ״Ich habe hier die schwierige Aufgabe, zu Holz und Stein zu sprechen. O, möchte ich doch ein Herz von Stein in ein Herz von Fleisch verwandeln können, möchte eS doch dieses Mal das einzige Mat sein, daß sich meine Vorsteher so weit von mir entfernen, (um nämlich zu prüfen, ob auch von den äußersten Synagogenstellen her der Redner verständlich sei, als die Herren auf die Damentribüne sich verfügten). O.. möchte ich das weiche eindringliche Wort finden für die Frauen Israels ותגיד לבני ישראל כה תאמר לבת יעקוב. Möchte ich nicht, wie schon die Propheten, über die schlechte Akustik

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