Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1885-09-17
- Page
- 604 (sequence 1)
- Language
- German
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eingeborene mit allen politischen Rechten ansgestattete j und der fanatischsten Agitation zugängliche Polen ge-? treten sein. Um ein solches Ziel zu erreichen, wird ' dann die preußische Negierung die Gehässigkeit einer! Maßregel aus sich geladen haben, die kaum durch einen '׳ sichern Erfolg vor dem öffentlichen Gewissen gerecht-׳ fertigt werden könnte." Oesterreich-Ungarn. f. Wien, 9. September. Das Komitee der Di׳. Moritz Nappaport'schen Stiftung schreibt die folgenden beiden Preisausgaben aus: I. Welchen Einfluß haben die hebräischen Psalmen ansgeübt auf die Gestaltung der Liturgie, auf die Entwickelung und Vorbildung der Hymnologie in den verschiedenen Kirchen, Vorzugsweise unter den modernen Völkern? II. lieber die Leistungen der Juden in Frankreich seit ihrer Gleichstellung auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Literatur und im bürgerlichen Leben. Der Preis für jede gekrönte Arbeit beträgt 800 Gulden österr. Währung. Die Lösungen müssen bis zum 31. Dezember 188«), Mittags 12 Uhr, im Sekretariat der israelitischen Knlturgemeinde in Wien (I. Seitcnsiettengasse Nr. 4) ciugeliefert werden und in deutscher und französischer Sprache abgefaßt sein. Weiteres besagt ein Programm, das vom genannten Sekretanat zu geziehen ist. *II* Pest, 7. September. ״Egyetenes" gab in seiner gestrigen Ausgabe einen .,Zsid<'> Gymnasium" (jüdisches Gymnasium) überschriebeucn Artikel, in welchem furchtbar über die Juden losgezogeu wird, weil sie sich kein eigenes jüdisches Gymnasium errichten und die Gymnasien der übrigen Konfessionen mit jüdischen Schülern überfüllt seien. Es heißt in dem betresse 11 den Artikel n. A.: ״Die Juden sind nur da, um an dem Rechte Anderer thcilzunehmen. Sie benutzen die Schulen fremder Konfessionen und scheuen die Opfer, in der Hauptstadt, wo ungefähr 100000 jüdische Seelen sind, ein jüdisches konfessionelles Gymnasium zu errichten." — Die armen Juden! Wie sotten sie es den Antifcmitcu recht machen? Würden die Juden daran gehen, sich ein eigenes Gymnasium zu gründen, wir sind überzeugt, die Antisemiten würden auch dagegen etwas cinzuwendeu wissen; sie würden sicherlich über die Scparationswuth der Inden auch auf dem rein wissenschastlichen Gebiete ein Zetergeschrei erheben. — In wieweit allerdings die Gründung eines speziell jüdischen Gymnasiums opportun ist, hangt davon ab, welche Gewähr sowohl nach der fachwisscnschastlichen, wie besouderS nach der religiösen Seite hin Diejenigen bieren, welche ein derartiges Unternehmen in die Hand nehmen. *II* Pest, 7. September. Ans Entradom bei NaSzod in Siebenbürgen wird gemeldet: In der Nacht vom 4. aus den 5. d. überfielen Räuber daö Hans des jüdischen Großgrundbesitzers und Spiritus-Fabrikanten Jantcl Kahan. Sic stiegen durch das Fenster in das Schlafzimmer und banden den Mann, so wie die Frau mit Stricken. Der Mann, welcher sehr robust war. rang mit den Gaunern und bot ihnen auch all sein Geld an. Als er ins Nebenzimmer flüchten wollte, versetzten ihm die Räuber mehrere Stiche ins Gesicht und schlugen ihn von rückwürs mit einer Hacke auf den .Kops, worauf Kahan tobt zu Boden fiel. Die Frau war indessen in ihrem Bette mit Polstern überdeckt und ihr Mtind mit einem Handtuche verstopft worden, so daß sie von dem Kampfe zwischen den Räubern und ihren! Gatten nichts wahrnahm. Die Räuber kamen jetzt zu ihr, rissen sie vom Bette herunter, hielten ihr die Angen zu, bis sie vor der Kasse stand, und zwangen sie, dieselbe zu öffnen. Die Näuder nahmen dann 11 000 Fl. in baarein Gelde, Pretiosen, Wechsel und Silberzeug mit sich, banden die Frau neuerdings, legten sie ins Bett zurück und entfernten sieh durch die geöffneten Zimmerthüren auf den Gang. Der Buchhalter Kahans, Samuel Prager, sah durch die Glasthür seines Zimmers die fremden Männer י vorübergehcn, sprang ans dem Bette und rief um Hülfe. Nachbarn eilten herbei, allein die Räuber waren inzwischen verschwunden. Die Frau hatte unterdessen mit den Zähnen die ihr angelegten Banden zerbissen, warf die Polster von sich nud suchte wehklagend ihren Mann, den sie dann zu ihrem Entsetzen im Nebenzimmcr tobt in einer Blutlache fand. Aus dem nahegelegenen Naszod kamen Gendarmen und fanden unter dem Bette eine Pistole und einen Strick. Bis zur Stunde wurde nur der Kutscher als verdächtig der Theilnahme an dem Verbrechen in Hast genommen. Der Fall verursacht in der Gegend außerordentliche Aufregung. Die Delegierten des Gerichts und der Staatsanwalt haben sich schon an Ort und Stelle bcgeben. Hoffentlich gelingt cS, sämmtlicher Thätcr habhaft zu werden. -g- Prag, 7. September. Am zweiten dieses MonatS weilte die Exkaiserin Engcnie, von Karlsbad znrücktehrend, in unserer Stadt. Die hohe Frau besuchte unter anderen Sehenswürdigkeiten auch unseren altehrwürdigen und weit und breit bekannten jüdischen Prager Friedhof und schien von dem Besuche desselben im hohen Maße iuteressirt zu sein. ..p. Lemberg, 9. September. Die hiesige Negierung legt für ihre Menschenfreundlichkeit ein neues Zenaniß ab. Nach dem ״Ezas" hat sic sich bereit erklärt, die aus Deutschland ansgewiesenen Polen unter gewissen Voraussetzungen in Galizien aufznnehmen. Es sind deshalb auch bereits mehrere unserer von der Ausweisungsmaßregel betroffene Glaubensgenossen aus Preußen zum Zweck der Niederlassung hier angclangt.