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Jeschurun · 1885-09-17 · Heft 38 (17.9.1885) · p. 603

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 38 (17.9.1885)
Article
Deutschland : aus Westpreußen [Nachricht]
Date
1885-09-17
Page
603 (sequence 2)
Language
German
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603 schen bisher angesessene oder sich darin anfhaltende Juden, nicht aber diejenigen so in den: Distrikt an der Netze sich aufhalten, als welche ihre besondere Auswcisnng von dern Geheimen Flnanzrath Non Brenkenhvs zu erwarten haben, verstanden worden; so wird sothane nähere Deklaration des o'obcsagten Publlkando ()tcvmit zn Jedermanns Wissenschaft gebrach!. Marien Werder, den 13. September 1773. König!. Westprenßische Kriegs- und Domaincn-Kammer." Ans der Provinz Posen, 15. September. Aus einer der ״National-Zeitung" von kompetentester Seite zugegangcnen Zuschrift über die Ausweisungen aus den östlichen Provinzen dürste das Folgende zur Veröffentlichung in einem speziell jüdischen Interessen gewidmeten Blatte nicht ungeeignet sein: ״Vielleicht ist jedoch für die deutsche Nation die politische Seite der Maßregel wichtiger, als die rein menschliche, und es fragt sich nun: werden die Austreibungen ihren Zweck erreichen und die Polonisirung der Grenzprovinzcn anshalten? Wenn ich das, was ich bei meinem jetzigen Besuche sehe, mit dem Zusammenhalte, was ich von früher kenne, so glaube ich die Frage verneinen zu müssen. In den Städten der Provinz, die ich besucht habe, ist mir überall ausgefallen, in welcher in die Augen springenden Weise in dem kurzen Zeiträume von zirka 12 Jahren, die ich abwesend war, daS polnische Element unter den Ladcnbesitzern und Handwerkern zugenommen hat. Im Handelsverkehr war früher das jüdische Element das vorherrschende, aber neben ihm cxistirte bereits ein kräftiger christlich-deutscher Stamm, und erst in seinen Anfängen ein polnischer. Im Handwerkcrstand dom kürte der christliche Deutsche, neben dem allerdings immer zahlreicher polnische und jüdische Handwerter existirtcn. Schon ein oberflächlicher Blick in die Straßen und daß Aeußere der Geschäfte zeigt mir jetzt, daß das j ü d i s ch c E l e m c n t m t tt b c ft c n $ ft a g n i r t und das christlich-deutsche Element, wem: es sich noch erhallen hat, doch neben dem polnisch-christlichen im Verschwinden ist, dern allein die in dern letzten Dezennium stattgchabtc Zunahme des allgemeinen VerkehrS zugefallen ist. Daß dem wirklich so ist, wird mir vielfach bestätigt und zugleich allgemein auch über den ökonomischen und moralischen Zerfall des hiesigen christlich-deutschen Handwerkerstandes geklagt, dem heute der polnische in Bezug auf Tüchtigkeit und Nüchternheit nicht nur ebenbürtig, sondern auch bereits vielfach überlegen sei. Nach meiner früheren Kennt ׳.riß der Verhältnisse überrascht mich der Gang der Entwickelung durchaus nicht. In diesen Gegenden haben die deutscheil -Bcülnren und z-andwlrthe b!c ötuUut* erst geschaffen. Ihr ausgeprägtes Standesbewußtsrin war ein gewissermaßen berechtigtes, ließ diese Massen aber^ nur mit einer Art wohlwollender Geringschätzung auf die VerkchrSstände herabblicken. Diese Anschauung theilte wenigstens bis 1848 auch der polnische Stand der Landwirthe. Die Vcrkehrsstände nfrutivtcn sich aus den Inden und der immer geringer werdenden Ein- Wanderung an§ denlschen Provinzen. Mit der Bewsgnng von 1846 änderten sich die Verhältnisse. Bei den Polen begann eine systematische Arbeit 2״r Schaffung eines Mittelstandes, und im patriotischen Interesse wurde die Jugend aus den bisher bevorrechteten Standen zum Eintritt ins Erwerbsleben gedrängt. Auch in den Kreisen der deutschen Beamten und Landwirthe begann in Folge des allgemeinen Aufblühens des Verkehrs jenes Vornrtheil zn schwinden, und besonders der Handelsstand begann sich sehr zu seinen! Bortheil ans. Kreisen zll rekrntiren, wo man früher den reichsten und gebildetsten Kaufmann kaum einem Snbaltcrnbcamten glcichzustellen gewohnt war. Aber während auf polnischer Seite jene Bewegung mit steigender Kraft an hält, ist sie auf deutscher Seite vollständig rückläufig geworden. Den Juden ist es oft zum Vorwurf gemacht worden, sie widmeten sich ausschließlich dem Handel, so daß sie sich mit einer wahren Leidenschaft auf }ebc. Kariere stürzen, die ihnen Hoffnung auf Fortkommen gewährt. Andererseits hat aber die Mißachtung, mit der der Kausmannsstand in Deutschland in neuerer Zeit behandelt wird, auch die christlichen Deutschen in der Provinz ergriffen, die sich, da die Landwirthschaft nicht als einträglich gilt, wo nicht besondere Verhältnisse vorliegen, nach Möglichkeit dein Staatsdienst widmen, und so bleibt es in! Allgerncinen den Polen überlassen, die immer wachsenden Bedarfnisse des gesteigerten Verkehrs Zn befriedigen. Es scheint unter diesen Umstanden raun! möglich, daß die Ausweisungen das Berhälmiß der beiden Nationalitäten zu Gunsten der Deutschen beeinflussen sollen. Die AnSgewiesencn bestehen zur Hälfte ungefähr aus länd-!ichen Arbeitern, zur Hälfte ans Handwerkern und Kanfleuten. Daß die ländlichen Arbeiter nicht durch Deutsche ersetzt werden können, scheint auch die Regierung einzusehen: wenigstens spricht für diese Ansicht, daß sie doch wieder den zeitweise!! Aufenthalt dieser Leute gestatten will, allerdings unter Bedingungen, die schwerlich einen Praktischen Erfolg haben werden. Aber auch die Ausweisung der Kaufleute und Handwerker wird wahrscheinlich nur zu Wege bringen, daß, während daö einheimische Polenthum bis jetzt nur mit der natürlichen Entwickelung des Verkehrs gewachsen ist, jetzt ihn! noch künstlich Raum geschaffen wird. Dann werden hier mit der Zeit an Stelle von 30000 Polen ohne politische Rechte, und bis auf wenige Agitatoren sehr harmloser Natur, von denen noch dazu die Kinder von 9000 Juden erfahrungSmäßrg das deutsche Element verstärkt haben würden, ebensoviel

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