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Jeschurun · 1885-09-17 · Heft 38 (17.9.1885) · p. 602

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 38 (17.9.1885)
Article
Amerikanische Skizzen
Date
1885-09-17
Page
602 (sequence 2)
Language
German
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602 Briestein an alle jüdischen Minister, d. i. Geistliche der Bereinigten Staaten, ungefähr folgenden Tenors: ״Wcrthcr Herr! Wir legen JIjhcii hiermit die folgende Frage vor (wie vorhin angeführt) und ersuchen Sie um Ihre gefällige Antwort." Dieses Brieschen wurde auf einem zierlichen Stücklein Papier gedruckt und allen NcvcrcndS zugeschickt. Wenig Worte, wenig Arbeit, wenig Umstände, wenig Kosten — ahvays practical! Das geschah am 1. Mai b. I., und schon nach wenigen Wochen befand sich eine ganze Reihe höchst interessanter Antworten ehrwürdiger NabbiS in den Händen des Executive Board. Das geht hier Alles so glatt und geschäftsmäßig, wie man es sich nicht prompter und praktischer wünschen kann. ES hat sicherlich für das deutsche jüdische Publikum einiges Interesse, einmal einen Einblick in unser hierländisches Nabbinerthum zu erlangen, dazu bietet sich aber keine günstigere Gelegenheit, als ein kurzes Verweilen bei diesen Antwortschreiben.. Man lernt dabei die Personen und die Anschauung unserer RevcrcndS kennen und sieht, wie man hier in Judcnthum macht (so lautet ja wohl der technische Ausdruck im mcrkantilischcn Leben?). Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. # Hannover, 16. September. Herr Kornmerzienrath Louiö E. Meyer von hier hatte bei seiner Anwesenheit in Bad Homburg die Tischgesellschaft des Restaurant Braunschweig am Tage der Bestattung Montcsiore'S aufgcfordert, das Andenken dieses Edlen burri) eine Spende für den Verein ״ESrath Nidachim" in Jerusalem zu ehren. Die veranstaltete Sammlung erzielte ein sehr gutes Resultat, für welches Herrn Meyer dieser Tage ein herzliches Dankschreiben aus Jerusalem zugegangen ist. 0. Berlin, 13. Scptcnlber. Die ״National- Zeitung" schreibt in ihrer Abendausgabe vom 10. dieses Monats folgendermaßen: Herrn Hosprediger Stöcker sott eine ArbcitSerlcichterung geschaffen werden. In einem der ״Freisinnigen Zeitung" vorliegenden ״streng .vertraulichen Zirkular, welches von der Redaktion der ״Neuen Preuß. Ztg." versandt worden ist, heißt es: ״Seine (Stöckers) jetzige umfassende, säst allzuviclscitige Thatigkcit übersteig! die Kräfte eines einzelnen Mannes, deren frühzeitige Abnutzung und der Sache schädliche ZersplitLenurg sie gleichzeitig zu Folge haben muß." Das Zirkular Lheilt sodann mit: ״Es ist gelungen, in der Person eines mit Stöcker eng befreundeten Geistlichen, welcher mit Wort und Schrift seine treue christlich-konscrvativc Gesinnung seit Jahren öffentlich und mit anerkanntem Erfolg vertreten und bewährt hat, eine für diesen Zweck durchaus geeignete Persönlichkeit zu finden. Der )Nanu ist bereit, seine jetzige Stellung aufzugebcn und mit Familie nach Berlin überzusiedeln, sofern ihn! eitle bescheidene Existenz auch für die Zntunst hier gesichert wird. Ein Kapital von etwa 60,000 Mark ist dazu nöthig." Die Sammellisten sind baldinöglichst an die Expedition der ״Krenzzeituiig" einzuscnden. Das Zirkular trägt 26 Unterschriften, darunter von bekannten Namen Postor von Bodelschwingh- Bielefeld, Freiherr v. Diergardt-Morsbroich, Pastor Diestelkamp (Berlin), Graf v. Dönhoff-Friedrichstein, Freiherr von Durant, Pastor Engel (״NcichsboLe"), Freiherr von Hammerstein (״Kreuzzcitung"), von Haas (Nürnberg), Graf von Hagen-Möckern, Regierung-- Präsident a. D. Graf von Krassow. Di׳. Lotz (Kassel), Luthardt (Augsburg), De. Pfaff (Erlangen), Divisions- Pfarrer Di׳. Roch oll (Köln), Graf von Nothkirch-Trach, Schwartzkof-Lichterfclde. Außerdem sind unterzeichnet Eisenbahuinspektor Bartels - Hagen, Gymnasiallehrer Eickhosf-SchleSwig, Superintendent Huchzenncier-Schildcsche, Fabrikant Hüttenhain-Haardt a. d. Sieg, Pfarrer Schlosser-Frankfurt a. M, Pfarrer Schmalenbach- Mennighüffen, Direktor Tictz-Hannover und Liz. Weber- Gladbach. Wenn diese HülfSleistung sich auch auf die Thatigkeit erstrecken soll, welche Herr Stöcker in Bezug auf Juden und Judcnthum entfaltet, so würde diese Mittheilung auch hier in jüdischen Kreisen mit besonderem Interesse aufzunehinen sein. , b. Gleiwitz, 9. September. Auch unser erst vor Kurzem hierher berufene Rabbiner Herr Di׳. Münz ist von der Ausweisungsmaßregel betroffen worden. Alle Schritte, welche versucht wurden, um diesen Befehl rückgängig zu machen, erwiesen sich als fruchtlos. Das Einzige, was inan erreichte, war die Vergünstigung, daß Herr Di׳. Münz erst unmittelbar nach den Feiertagen (1. Oktober) Stadt und Land zu verlassen braucht. * Hins Westpreußerr, im September. Die .Jüdische Presse" bringt ein Artensiückj in Erinnerung, welches beweist, daß dieselbe harte Maßregel auch im vorigen Jahrhundert nach der Theilung Polens über diejenigen Juden verhängt wurde, welche nicht tausend Thaler Vermögen besaßen. Das Aktenstück lautet: ״Es ist zwar in dem unterm 19. August d. I. wegen der Inden emanirtcn Publikando bekannt gemacht und verfügt worden, wie sämntttiche in Westpreußen angesessene Juden, welche sich nicht mit eintausend Reichsthalern eigenem Vermögen zum Schutz-Privilegio qualifiziren, schlechterdings bis zum 1. Oktober d. I. fortgeschafft werden sollen, wenn aber Sr. Königlichen Majestät Allerhöchsten Willensmeinung hierunter nur in dem Ermtand-Pommrrelken, Marienburg und Cnlm-

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