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Jeschurun · 1885-09-17 · Heft 38 (17.9.1885) · p. 596

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 38 (17.9.1885)
Article
Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums
Date
1885-09-17
Page
596 (sequence 2)
Language
German
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596 ,דבר ד, zu den Getreuen sich zählt, die in heiligem Ernst und gewissenhafter Sorge um daö glorreiche Banner des IudenthumS sich schaarcn, die sich zu dem ganzen Judenlhum bekennen und in dem unverbrüchlichen Gehorsam gegen alle seine Satzungen ihre einzige Lebensaufgabe begreifen. Seitdem wir unsere bescheidene Kraft durch die Herausgabe der neuen Folge des alten ״Jeschurun" der öffentlichen Vertretung der Gesammtinlcresicn des orthodoxen Judenthums widmen, haben wir darzuthun uns bestrebt, wie dasselbe in fast allen Kreisen der Diaspora der kräftigen, einsichtsvollen, besonnenen, einhcitlichcn Leitung entbehrt, um den Bestrebungen unserer nicht zu!n alten orthodoxen Judenthum stehenden Bruder gegenüber zur Wahrung des HeiligthumS, wie wir es begreifen, wirksam auftreten zu können. Wenn wir freudig das Erstarken des altjüdischen Geistes in einzclnen Kreisen konstatircn konnten, so haben wir andererseitS unausgesetzt darauf hinzuweisen gehabt, wie ״eine auf dem Standpunkte des orthodoren IudenthumS stehende und dessen Interessen vertretende allgemeine Vereinigung" in der Gegenwart leider nicht vorhanden ist, wie vielmehr die meisten der in die Oeffeutlichkeit sich einführenden jüdischen Vereinigungen der Gegenwart entweder dem orthodoxen Iudenlhum feindlich oder dasselbe ignorirend erscheinen. Wir hatten auch vielfach nachzuweisen Veranlassung, wie die so oft für Vereinigungen ausgegebene Parole ״Ausschluß der religiösen Frage" dem orthodoxen Judcnthume um so Gefahr drohender ist, als zumeist unter dieser Devise gerade den Interessen desselben cntgegcngcarbeitet werden soll. Darum begrüßen wir mit innigster Befriedigung diese angestrebte freie Vereinigung aller הברים, aller Derer, die unvcrklausulirt sich zu dem alten einzigen Judcnthume bekennen, für die Pflege, Förderung und Vertretung des IudenthumS nach Innen und nach Außen. Wir erblicken hier einen bedeutsamen ersten Schritt zur Besserung unserer Verhältnisse, zur Kräftigung und Wiederbelebung ächt jüdischen Geistes und Lebens in Haus, Schule und Gemeinde, zur Abwehr und Berichtigung von ״Verdächtigungen und Entstcllungen des orthodoxen IudenthumS durch Juden und Nichtjuden." Von berufenster Seite ergeht diese Aufforderung zum Zusammenschluß und Anschluß. Der Mann, welcher vor einem halben Jahrhundert zuerst muthig in die Bresche trat und die Fahne des gesetzcStrcucn IudenthumS in dem Augenblicke entrollte, da dasselbe fast verwaist ohne Annehmer erschien, Samson Raphael Hirsch ist eS, der mit gleichem Muthe und in gleicher Wahrheit heute die Stimme erhebt, die Genossen zum Helliglhum zu rufen. Und ihm hat sich die jüdische Gemeinschaft zur Seite gestellt, die als wahrhafte עיר ואם בישראל, als die weithin leuchtende Metropole des wiedererwachtcn jüdischen Lebens in Deutschland dastcht, die Israelitische RcligionSgescllschaft zu Frankfurt am Main, welche durch die Geschichte ihres EntsrehenS, Wachsens und Gedeihens als erhabenes Beispiel für den Segen und die Kraft vereint strebender und einmüthig wirkender Genossen dient. Sie, die hochangesehene Musiergemeinde Deutschlands, leitet ihren Ursprung auf die Bereinigung von elf wackern Männern zurück, welche vor drei Dezennien in Frankfurt, dem damaligen Herd der ausschweifendsten Reform, zur Rettung deS HeiligthumS sich begegneten. So möge denn diese Aufforderung nicht vergeblich ergehen, möge sie überall in Israel Männer finden, die dem Rufe Folge leisten, die sich in heiliger Begeisterung der freien Vereinigung zugesellen, die für die heiligsten Interessen gestiftet werden soll. Wie eillst ein jeglicher Mann in Israel pa עשרים •שנה ומעלה aufgefordert wurde, sich zum Heiligthume zu' zählen, zur Wahrung und Vertretung des Gesetzes herdeizueilen, also möge auch Keiner zurückbleiben, wo der Ruf in Israels Lager erschallt, sich um daö Heiligthum zu schaaren, Keiner, der sich zum alten, überlieferten, gesctzeStreuen Jndcnthum zählt. femcrkimgcn;!! kn UerljnnMnngm und ZeslWkn kr ilaüöiuctücrfammhmg;u Berlin. (Fortsetzung.) Wie schüchtern aber klingen diese Worte des einzig Muthigen in der hochansehnlichen Versammlung von achtundscchzig Rabbinern Deutschlands, des Einzigen, der sich zn einer bescheidenen Opposition gegen die omnipotente Präsidialgewalt aufzuraffen wagt. Herr Dr. Gronemann umwickelt vorsichtig die Spitze der Lanze, die er gegen den Präsidcntcnthron zu kehren wagt, mit Wolle, damit sie Gott behüte keinen Schaden anrichte. Er beginnt: ״Die Erklärung des Präsidenten könne im Allgemeinen genügen?" Ja wem denn und zu welchem Zwecke genügen? Wenn der Herr Präsident konstatirt, daß die ganze Versammlung darin übereinstimmt, ,,daß irreligiöse Menschen nicht geeignet sind, ReligionSlehrer zu sein," dann sollte diese, übrigens in Wirklichkeit gar nicht konstatirte Thatsache — er hatte ja die Versammlung, wie vorhin schon hervorgehoben, deswegen überhaupt nicht befragt — im Allgemeinen genügen? — Den Gemeinden, den Rabbinern, den Lehrern oder der öffentlichen Meinung?? Wenn eine dieser Gruppen so hirnverbrannt sein könnte, zu

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