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Jeschurun · 1885-09-09 · Heft 37 (9.9.1885) · p. 590

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 37 (9.9.1885)
Article
Rußland : Petersburg [Nachricht]
Date
1885-09-09
Page
590 (sequence 1)
Language
German
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590 Rußland. ...z Petersburg, 1. September. Wie verlautet, i)t Rabbinowitsch in Kischcncw sein Gesuch beim Ministerium um Erlaubnis zur Eröffnung seiner Schule und um staatliche Ernennung zum Pastor einer judenchristlichen Gemeinde abschlägig beschicden worden. Persien. Trotz der gedrückten Lage der Inden in Persien hat doch das Missionswerk in Persien wenig Erfolg gehabt. Vielleicht kein einziger Fall von Bekehrung ist zu verzeichnen. Die in Schulfa eingerichtete Mission-- schule für jüdische Kinder wird überhaupt nicht besucht. Bekehrungen zum MuhamediSmuS sind nur in einzelncn Fällen vorgckommen; meist waren es dann Frauen und Mädchen, welche zum Zwecke der Verchclichung dazu mit Gewalt gezwungen wurden. — Was die Beschäftigung der Juden in Persien anlangt, so sind unter ihnen sämmtliche Gewerbe und Künste vertreten, besonders aber betreiben sie Kleingewerbe und niedere Handarbeit, welches beides bei den Persern sehr verachtet ist. Aber trotz ihrer gedrückten und verachteten Stellung sind sic rechtschaffen im Handel und Wandel. Daß die Juden nicht den Entschluß gefaßt, ihrem Elend durch die Auswanderung ein Ende zn machen, hat darin seinen Grund, weil eS ihnen nicht einmal gestattet ist, aus einer Provinz in die andere zu übersiedeln, geschweige denn ausznwandern. Vom Militärdienste sind die Juden darum ausgeschlossen, weil cS die Perser verabscheuen, mit Juden in Reihe und Glied zusammenzustehen. — Die Gräber von Mordechai und Esther sind noch erhalten und werden oft von den persischen Juden besucht. Die gemeinsame Grabstätte befindet sich nicht weit von Hamadan; cS ist über den Gräbern ein kleines unansehnliches Gebäude errichtetjedes Grab ist mit einer schweren Steinplatte bedeckt, auf welcher sich unzählige kleine, mit Namen beschriebene Zettel bc׳ finden, welche jeder Einzelne beim Besuche dort niederznlegcn pflegt. s lieber die Lage unsrer Brüder in Persien sind weitere traurige Nachrichten cingelaufen; schwer lastet auf ihnen die Bedrückung, besonders von Seiten der Beamten. Ihre Klagen dringen nicht zu den Ohren des mächtigen Herrschers, da sic allzusehr verachtet sind. Algier. ss! Trotz Einschreitens des Sultans ist die Lage der Juden von Dcmnat noch keine bessere geworden. Unbillen über Unbillen werden ihnen von Seiten des Gouverneurs zugefügt. Obwohl er keine direkte Ge׳ richtSbarkeit über die Juden auszuüben hat, so macht er doch feinen verderblichen Einfluß bei den Prozessen zwischen Juden und Mnhamedanern geltend zu Ungunsten der Juden. Auch die Landbevölkerung scheint von ihm gegen die armen Juden aufgereizt zu sein; keiner der Juden darf cö wagen, sich außerhalb der Thore der Stadt zu entfernen seit der Ermordung von Mordechai ben Okha, dessen Leichnam kürzlich im Dorfe Khationa gefunden worden. Die Gesandten von England, Frankreich und Italien, sowie der Vertreter der Vereinigten Staaten von Nordamerika haben vor Kurzem von diesen letzten Vorgängen Kenntniß erhalten. Hofsentlich gelingt cs ihrer Intervention, endlich einmal dem elenden Treiben des Gouverneurs ein Ende zu machen. Amerika. m Chicago, August. Die Hitze in Amerika war in diesem Jahre sehr groß. Auf den Straßen der großen Städte sind oft Menschen hingesunken vom Sonnenstich tödtlich getroffen. — Da wird in den europäischen jüdischen Zeitungen fortwährend über unsere biederen ״ReverendS" geschimpft, welche das überlieferte Jndcnthnm mit kräftigem Fußtritt bei Seite jagen mit dem Rufe״ .׳Platz da für Apostel des Glaubens." Ich möchte für die arnten Geistlichen doch ein Wörtchen der Entschuldigung für ihr Thun und Treiben einlegcn. Verzeihen Sie den Unglücklichen, verzeihen Sie die Ausschweifungen ihres Verstandes — die Hitze war wirklich zn groß für die Acrmsten im Lande Amerika. — Leider scheint die hohe Temperatur auch bei unserem hochwürdigcn Rabbi, Reverend Hirsch in Chicago, nicht ganz ohne nachthciligc Folgen geblieben zu sein. So wenigstens erkläre ich cS mir, daß er aus den kühnsten aller kühnen Gedanken gekommen ist, nicht nur den Sabbath auf den Sonntag zu verlegen, sondern auch im allmächtigen Richtersprnchc zn bestimmen, daß fortan Rosch-haschanah und Jom-Kippnr nur an einem Sonntage gefeiert werden sollen. — Man hört bis jetzt noch nichts von der Uebcrführnng des Reverend in eine Kaltwasser-Heilanstalt Vielleicht geht eS ihm besser, und hat er sich von den Folgen der großen Hitze wohl wieder etwas erholt. Wir wünschen dem Acrnlsten jedenfalls zum Jahreswechsel von Herzen רפואה שלמה. — Vielleicht ist der Gedanke an eine Radikalkur noch ausführbar. Doch glauben wir kaum, daß cs noch viel nützen wird, da sich allem Anscheine nach der Sonnenstich bei ihm in Permanenz erklärt har. — Ucbrigcns lausen von allen Seiten Nachrichten ein, daß viele der anterikanische» ReverendS von demselben befallen sind. Wenn das so wcltergeht, so wissen wir in der That nicht, was aus dem amerikanischen Jndcnthnm noch werden soll. Australien. s Brisbane, im Juli. Am 8. Juli wurde,

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