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Jeschurun · 1885-09-09 · Heft 37 (9.9.1885) · p. 589

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 37 (9.9.1885)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1885-09-09
Page
589 (sequence 2)
Language
German
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589 beim Nahen des Festes, und Plakate, die zur Miethe von Synagogenstcllen rc. einladen. Hier ist nicht wie dort das Judcnthum an den hohen Festtagen in Gast- Hausern untergebracht, man ist hier scliez soi, in eigenen Räumen. ES sind nur die Plätze der Herr lichen Umgegend von Paris, in denen viele Familien ihren Sommcraufenthalt über die Festtage hinaus verlängern wollen, die sich mit provisorisch gemicthctcn Räumen begnügen müssen wie Enghien, Asniereö, Sovres, Chatou n. s. w. Den in der Nähe des Holzes von VinccnncS Wohnenden bietet die prächtige Synagoge des Rothschild'schen Hospitals ein Asyl, die Nachbaren des Bois de Boulogne haben Synagogen in Ncuilly- Boulogne und in dem herrlichen Palais der Familie de Günzburg am Are de Triomphe. In letzterer bcmerkte man am jüngsten Jomkippur unter vielen anderen den höchsten Ständen angehörenden Personlichkeitcn einen jungen Gesandschaftsattachs, der mit besonderer Hingebung an der Awaudoh Thcil nahm und obgleich vom Fasten sehr angegriffen, bis zum Abend dort ausharrte. Auch die treuesten Anhänger der uralten Synagogenordnung finden in Paris zahlreiche größere und kleinere Betlokale. Doch empfindet man hier den Mangel eines gemeinsamen großen Vcrsammlungshauses für die Gesetzestrenen, wie solche in Berlin, Mainz, Darmstadt, Wiesbaden, Karlsruhe und namentlich in Frankfurt a. M. vorhanden. ״Welch glückliches Verhältnis," sagte einst der unvergeßliche Rabbi Jacob Ettlinger זצל in begeisterter Rührung, ״finden wir doch in diesem Frankfurt, wo in der Neuzeit ein Gemeinde- und Synagogenwesen besteht, das ohne Mischung fremder und treuer Elemente von Groß bis Klein, vom Vorsteher bis zum jüngsten Mitgliede Jeder den Dienst des Heiligthums nach Gesetz und Vorschrift zu erfüllen bestrebt ist." Eine solche Kehilloh sucht wirklich (Psalm 27,4) "״בתי בבית ה seine Basis in einem wahrhaften Hause des Ewigen, "להזות בנעם ה, ist bestrebt mit der Devise ״Thalmud Thauroh im Dcrez Erez", das Judenthum von der Herz- und Gemüth erfreuenden Seite in der allein richtigen Weise zu repräsentiren in seiner göttlichen Harmonie, die jedes Unschöne, jeden Obskurantiömus ausschließt, ולבקר בהיבלו und Morgen wachen will, Licht und Aufklärung sucht im Heiligthum, auf dem Boden der Offenbarung. Für das ganze Jahr, ja für ein ganzes Leben bleiben die Eindrücke, die man am Noschaschonoh und Jom-Kippur in dieser andächtigen Gcbetversammlung in '׳sich aufnimmt. Unvergeßlich sind Momente wie derjenige, in welchem Herr Rabbiner Hirsch, nachdem er selbst das Neilahgebet vorgetragen hatte und als noch einige Minuten Zeit übrig blieben bis zur Nacht und zu dem Vortrage der Schemauß, mit der Uhr in der Hand vor den Oraun Hakkaudesch tritt und auSruft: Und wenn es nur noch wenige Minuten sind יש אדם הונה עולמו בשעה אחת noch ist es Zeit, noch ist das Thor zur Rüakehr nicht geschlossen. Er erschien in diesem Augenblicke wie ein Feldherr, der fürchtet, daß seine Truppen nach dem harten Kampfe des Tages zuletzt.ermatten könnten und der deshalb in einem neuem Anlauf mit erhobener Fahne und begeisternder Anrede seine Schaaren zum Siege führt. Mit Geist und Gemüth ergreifender Rede weiß er die Zuhörer zu gewinnen, bringt sie zu den heiligsten Vorsätzen und Entschlüssen und in eine erhobene Stimmung, die das Wort verstehen läßt: ״Daß man der Gemeinde, die dem Raw zuhört, wenn er seine Deroschoh hält, alle Sünden verzeiht." Lassen Sie mich heute mit dem Wunsche schließen, daß diese Berochoh auch allen Lesern Ihres Blattes zu Theil werden möge. Mögen Sic mit allen Ihrigen und ganz Jißroel zu einem guten Jahre eingeschrieben werden in das Buch des Lebens! Rumänien. z. Bukarest, 4. September. Wie ״Drepturile Omnlni" meldet, hat Herr Moruzi, der Polizeipräsident von Bukarest, mehrere Häupter der jüdischen Gemeinde zur Polizcipräfektur zitiren lassen und von ihnen die Unter- Zeichnung eines Protestes gegen die Klagen, welche die jüdische Deputation in London führte, verlangt. Als sich aber dieselben weigerten, da drohte ihnen der Polizei- Präsident, daß er binnen Kurzem mehrere Inden ׳des Landes verweisen werde. ... z. Bukarest, 6. September. Die jüdischen Einwohner von Scvcny im Dorohoier Distrikt haben beim Minister einen entschiedenen Protest eingereicht gegen die Erpressung der Unterschriften, durch welche sie selbst bezeugen sollten, daß die Inden in Rumänien gut behandelt werden. Sie halten in diesem Proteste dem Minister all die Ungerechtigkeiten vor, die über- Haupt die rumänischen Juden, als ganz besonders die 40 jüdischen Familien von Seveny, auSgesetzt sind — daß die Juden keine Häuser bauen, keine geistigen Getränke verkaufen, nicht in Geschäften ihren Ort verlassen dürfen, daß man ihnen zu letzterem Zwecke keine Legitimationspapiere geben will u. A. m. Sie halten dem Minister vor, wie sie selbst, die vierzig Sevenyer Familien, im Winter 1684 mit einer starken Eskorte von einem Ort zum anderen geschleppt wurden, nur um dem Polizeipräsekten in Bukarest ein Vergnügen zu bereiten, bis sie endlich, als Jemand für sie Garantie leistete, wieder in Freiheit gesetzt wurden. Dafür könnten sie doch der rumänischen Regierung keinen Dank wissen, daß sie fast vogclfrei im Lande der Willkür eines Jeden auSgesetzt sind. — Diesen energischen Protest begleiten!04 Unterschriften. — Möchten es Alle so machen.

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