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Jeschurun · 1885-09-09 · Heft 37 (9.9.1885) · p. 588

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 37 (9.9.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Czernowitz [Nachricht]
Date
1885-09-09
Page
588 (sequence 1)
Language
German
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588 -p- Czernowrlz, 3. September. Der Schrei! unserer Brüder aus Rumänien drang zuerst zu uns iuS Nachbarland Bukowina, und er findet Nackhall auch in den Gemütheru unserer mchtjüdischen Mitbürger; einen Ausdruck dieses Mitgefühls finden wir in einem Artikel der ״Bukowinaer Rundschau", welchen wir, da er außerdem noch einige für die ganze Frage wichtige Data enthalt, hier in ferner Hauptsache reproduziren: ״Eines muß man unseren freundlichen Nachbarn in der Moldau und Walachei lassen, sie verstehen es trefflich, dem Gesetze und Len internationalen Verträgen eine wächserne Nase zu drehen. Wie die rumänischen Beamten die Bestimmungen der Handelskonvention handhaben, wie sie die österreichischen Fabrikanten und Kaufleute chikaniren, das haben wir unzählige Mal zu klagen Gelegenheit gehabt; welche Justizzustände drüben herrschen, das lese man in den rumänischen Journalen selber nach .... Wenn cö einem Wüthcrich a la Porumbaru einsällt, zu seinem Privatvergnügen einen unschuldigen Hebräer mit Bitriolöl tätowircn zu lassen, so giebt es dafür keine Straft. Solche unschuldige Scherze wiederholen sich tagtäglich. Zieht irgendwo ein neuer Präfekt ein, dann ist sein Erstes, die auf dem Laude weilenden Juden auszuweiseu. So liegt vor uns ein amtliches Dokument, ausgestellt in dem benachbarten Dorohoicr Bezirk. In demselben droht der Subpräftkt den Gemeindevorstehern (Primär), falls dieselben die von ihn! bezcichiietm Hebräer (evreii), die ohne Autorisation sich in den Dörfern aufhalteu, nicht sofort über die Grenzen jagen (espulsa peste hotari), oder auch mir das Geringste bei dieser hochwichtigen Angelegenheit unterlassen (gasiud 0 negligenta in aceasta importanta operatiuuea), dieselben ihrer Funktionen sofort zu entheben (voiu aviza la imediata desfcituirea a Dvra, din fimcthmea). Ja, der Präfekt gestattet den Bertticbcnen nicht einmal einen Aufschub von 48 Stunden zur Ordnung ihrer Angciegenheiten. Der Transport der Vertriebenen soll mit Fesseln geschehen und jede Rücksicht bei Seite gelassen werden. Wie gesagt, Las ist ein amtliches Schriftstück, dessen Echtheit nicht wird geleugnet werden können. Der Ton dieses Dokuments ist gewiß charaktcristisch genug, um die Klagen, welche die Angio- Jcwish-Association jüngst in London an Minister Salisbury gerichtet, glaubwürdig erscheinen zu lassen. Die srenndliche Aufnahme, weiche die Beschwerdeführer bei dem edlen Lord gesunden, verdrießt die rumänischen Regierungskreise um so mehr, als das junge Königreich in London Geld leihen will und sich keinen ResuS dort holen möchte, abgesehen davon, daß die Opposition das Thema zu Angriffen auf Las Kabinet benutzt. Die von Demeter Bratians herünsgegebene ״Natinnea" hat denn auch den. rumänischen Inden dm wohlgemeinten Rath gegeben, gegen die ״Verleumdungen" der Anglo-Jewish-Association zu protestiren. Dieser Wink wurde denn auch von den Administrativbehörden sofort verstanden. Die Präfekten und Snbpräfekten der einzelnen Bezirke haben Adreßformulare verfaßt und hcktographircn lassen, in denen die jüdischen Bewohncr Rumäniens sich gegen die unrichtige Darstellung ihrer Zustände verwahren. Aber die Art und Weise, wie die Unterschriften geradezu erpreßt werden, sind die beste Illustration für die Nichtigkeit der in London erhobenen Klagen. Der Wortlaut der im Dovohoier Bezirk zirknlirenden Petition heißt: ״Herr Minister- Präsident! Wir israelitischen Gntöpächter, Kauflente und Gutsbesitzer (! Als ob cS solche gäbe!) deS Kreises ״Basau-Prutu de josu, Bezirk Dorohoi, haben in fremden Zeitungen gesehen und gelesen, daß einige Israeliten Ihrer Majestät der Königin von England geklagt hätten, daß deren Glaubensgenossen in Rumänien verfolgt würden. Wir Israeliten vorn Bezirke Dorohoi, im Kreise ״Ba8an“, protestiren gegen eine derartige Beschuldigung, welche ohne unser Wissen gemad)t wurde. Wir erklären, daß wir in Rumänien in Ruhe und Zufriedenheit leben, und bitten unsere Glaubensgenossen von London, nicht zu leicht unbegründeten Aufhetzungen Glauben zu schenken, ein Vorgang, dessen Resultat sicherlich wäre, zwischen der rumänischen Bevölkerung und uns Haß und Mißverständniß zu erwecken, welche sonst nicht stattsinden können. Belieben Sie, wir bitten Sie. Herr Minister, zu genehmigen, die Versicherung unserer vorzüglichsten Achtung. An den Herrn Premierminister in Bukarest." Es sollte uns nicht wundern, wenn dieses von dem Snbpräfekten selber geschriebene, an die Israeliten des Bezirkes vertheilte Schriftstück, dessen Unterschriften nur durch moralischen und physischen Zwang von denselben Leuten erpreßt wurde, die kürzlich durch den gleichen Herrn über die Grenze geschafft wurden, von der rumänischen Diplomatie als spontane- Vcrtranenskundgebung der rumänischen Juden deklarirt werden sollte. Unsere Leser aber werden wissen, was sie davon zu halten haben. Frankreich. *** Paris, 23. Ellnl. Hier, wie überall, wo Juden, und namentlich volkreid)e jüdische Gemeinden existiren, empfindet man ein regeres Erwachen jüdischen Lebens im Ellnl, dem Monate, in dessen! Beginne Moscheh unter Schopharschall hinauf zum Ewigen gezogen, um zun! zweiten Male die Vnndestaftln zu holen und dieselben am Tage der Versöhnung den Israeliten und durch ihre Vermittlung den Segen für die ganze Menschheit zu bringen. Freilich bemerkt man hier nicht die bunten mit hebräischen Wörtern gemischten Annoncen, wie in den Berliner Zeitungen

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