Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1885)
- Article
- Schweiz [Nachricht]
- Date
- 1885-09-09
- Page
- 584 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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584 begrüßen diesen würdigen Mann in aller Herzlichkeit und legen vertrauensvoll die Leitung unserer thcncrstcn Angelegenheit in seine bewährte .Hand. Gewiß wird cS ihm unter göttlichen! Beistand gelingen, seine Gemcindcn zu Mustcrgemeinden für ganz Hclvctien zu gestalten, zu Kreisen, in welchen die Alten sich um das hehre Banner des alten Judcnthums cinmüthig schaaren und die Jugend על בדכי ההורה erzogen wird. Ich glaube nicht, daß Ihrem Leserkreise eine trost- und hoffnungsreichere Kunde zum Schlüsse des Jahres kommen kann. Lassen Sic uns Alle im festen Vertrauen auf den מלך;ילידן, der שומר ישראל ist und ewig bleibt, der Zukunft cntgegcnharren und in dieser glücklichen Wendung, welcher die Verhältnisse in diesen vier Gemeinden cntgegcngchcn, ein neues Unterpfand der alten Zuversicht erblicken בי לא אלמן ישראל! Rußland. . ..z. Petersburg, 1. September. Die ״Nowoje Wremja" hat damit begonnen, die bekannte Schrift des deutschen Philosophen Eduard von Hartmann ״Das Judenthum in Gegenwart und Zukunft", welche seinerzeit in Ihrer geschätzten Zeitschrift eine ebenso glanzende wie geistreiche Widerlegung gefunden, in russischer Uebersetzung zu bringen. Wir erblicken hierin eine große Gefahr. Der Name Hartmann hat auch hierzulande einen bedeutenden Klang, und darum glauben wir, daß man diese Veröffentlichung mit nicht so gleichgültigen Augen ansehen dürfe. Wir haben schon genug von unseren inländischen Feinden auszustehen, nun eilt noch von auswärts ein nicht unbedeutender Kämpe herbei, um auf hier noch nicht gekannte Weife zum Kampfe gegen das Judenthum aufzufordcrn. ...z. Petersburg, 3. September. Die Behörden werden nicht muffig, immer Neues zu. ersinnen zur Erschwerung unserer Lage. So wurde dem ״Swiet" zufolge kürzlich in einer Sitzung des hiesigen Magistrats darüber berathcn, ob diejenigen Juden, welche als außerhalb des eigentlichen Stadtbezirkes von Petersburg wohnend, eingetragen sind, den Soldaten und ihrer Familie, welche zu feiner Gilde gehören, gestattet sein solle, ein Geschäft in Petersburg zu betreiben. — Ferner wurde die Frage erörtert, welche Stellung. man zu denjenigen Israeliten ein nehmen solle, welche nur als .Hörer die Hochschulen von Petersburg und Moskau besuchen. Es heißt, daß man sich dahin entschieden habe, den Aufenthalt in Petersburg und Moskau nur den wirklich immatrifuürtcii Studenten zu gestatten. — Sodann ist in den westlichen Gouvernements eine Bewegung im Gange, den Juden zu gebieten, am Sonntag und christlichen Feiertagen ihre Läden zu schließen. ...2. Warschau, 2. September. Nach einer neueren Statistik befinden sich in Warschau 143 Fabriken, von denen jede nicht unter 25 Arbeiter beschäftigt. Die Zahl der Arbeiter in diesen sämmtlichen Fabriken beträgt 13 737. Bon den Fabrikherren sind 37 Nüssen, unter diesen 38 Juden. lieber das Berhältniß der Juden unter den ausländischen Fabrikherren enthält die Statistik nichts. Von den Meistern, Aufsehern rc. in den Fabriken waren 244 Nassen, unter diesen 55 Juden. Von den 12108 russischen Arbeitern waren 605 Inden .— Der oberste Geistliche des Kirchenbczirks Nishuy Nowgorod, welcher bekanntlich ans Veranlassung der daselbst im Juni vorigen Jahres stattgehabten Ausschreitungen gegen die Jaden einen Hirtenbrief zum Schutz, der Juden gegen die Exzendcnten erlassen hatte, ist zum Metropolitan in einem anderen Bezirke ernannt. Bei seinem Abschiede von Nishuy Nowgorod mahnte er u. A. in seiner Abschicdsrcde, an seinen im vorigen Jahre betreffs der Juden erlassenen Hirtenbrief zu denken und keine Exzesse gegen die Juden zu begehen. Von seinem Nachfolger hoffe er, daß derselbe sich in seinem Sinne der Juden annehmcn möge. -s- Nikolajew, 2. September. Vor Kurzem ließ sich hier der junge jüdische Arzt Di׳. Stratiewsky nieder; es war gerade zur Zeit, als hier die Diphthcritis grassirte und manches kindliche Leben zum Opfer forderte. Unermüdlich war Herr Di׳. Stratiewsky thätig; seine Tüchtigkeit und Bernfsfreudigkcit wurde bald allgemein bekannt, so daß er binnen Kurzem eine sehr auSgebreitete Praxis erlangte; doch nicht lange sollte er die freudige Genugthuung genießen — er starb, doch einen schönen Tod, als Opfer seines Berufes. Er wurde an das Krankenlager eines christlichen Kindes gerufen — alle Mittel waren vergeblich gegen die tückische Krankheit; schon rang das Kind mit dem Tode, als Herr 1)1׳. Stratiewsky als äußerstes Mitte! die Luftröhre des dem Ersticken nahen Kindes öffnete, und die Schleimmassen auSsog. Er hatte die Freude, das Kind zu retten — doch bald darauf wurde er aufs Krankenlager geworfen; jene gesahrlichc Operation hatte in ihm den Keim zur gleichen Krankheit gelegt, von welcher er nicht wieder genesen sollte. Die ganze Stadt trauert um den wackeren, jungen jüdischen Arzt, welcher eine junge Frau und ein kleines Töchtcrchcn in dürftigen Verhältnissen zurückläßt. Doch hat der Magistrat beschlossen, sich der Verlassenen anzunchmcn, und als Dank für die aufopfernde Hingebung des Verstorbenen bestimmte er, jährlich die Summe von 500 Rubel für die hinterblicbcne Wittwe und deren Töchtcrchcn. 250 Rubel werden davon jährlich angelegt, um dereinst zur Ausstattnng der Tochter verwendet zu werden.