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Jeschurun · 1885-09-09 · Heft 37 (9.9.1885) · p. 582

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 37 (9.9.1885)
Article
Erinnerungen aus Sir Moses Montefiore's Leben
Date
1885-09-09
Page
582 (sequence 2)
Language
German
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582 warf Guizot einen Blick zu, der dem berühmten ' Historiker sein Erstaunen und sein Entrüsten zur Genüge! bewies. Guizot bcmci’ftc ihn! darauf: ״öcrv. Sie : scheu ja brcin, als ob Sie midj auffrcffcn wollten!"; Ruhig und gelassen erwiderte Montefiore: ..Mein Herr, daS ist unmöglich, weil mir dies meine Religion verbietet." Manches tnicicffante Stückchen erzählte Montefiore aus der Zeit, wo er Sheriff war; er war ja bekanntlich der zweite Jude, welcher in London dieses Amt bekleidete; vor ihm. war schon David SalonronS in dieser Stellung. Eine gelegentliche Anspielung auf Braham'S Gedicht ^Uusophisricated WisheS" in den ״Jngoldsby LegendS", in welcher aus die prächtige Livree des Lakaien von ..Mr. Montefiore" Bezug genommen wird — beiläufig sei bemerkt, daß Monteffore dasselbe bis zu jener Stunde nicht gekannt hatte — gab Montefiore Gclegcnhcit, eine große Reihe von Geschichten ans seiner Sheriffs.Zeit aufzutischen. Was zunächst die bewußte Livree betraf, so erzählt Montefiore folgendes Stückchen: Er hatte, als er Sheriff wurde, auf seinem Wappen die Aufschrift ירר&לם anbrtngcit lassen, und zwar zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems, mit Fortlassnng des \ Ebenso ließ der neuernannte Sheriff Montefiore die Knöpse der Livree seiner Bedienten mit derselben Inschrift versehen. Durch den Herzog uou Snsscx, dem langjährigen persönlichen. Freund Montesiore's, wurde dies bei Hofe bekannt, und die Königin sprach den Wunsch aus, die Livree wegen der mit der hebräischen Inschrift versehenen Knöpfe zu sehen. Diesen! Wunsche wurde sofort nachgekommen. Doch bald daraus erhielt Montefiore den Bescheid, daß ans den Knöpfen ein Fehler stände, indem das י fort-gelassen \c\. Montefiore gab darauf Aufschluß über den Grund dieser Schreibart. Ich bin in der Lage, über die Vcranlassnng zu Sir Montefisrc'S erster Reise nach Palästina, und bamit überhaupt für die beispiellos große Anhanglichtest Moutcfiore'S an das heilige Land Aufschluß zu geben. Es war ftcto wahrhaft rührend zu sehen, wie nur die Erwähnung des Wortes ״Jerusalem" genügte, um den edler: unvergeßlichen Greis in Begeisterung zu versetzen, üub obwohl Sir Montefiore durch sein ganzes Leben hindurch bewiesen, wie warnt sein Herz jiU alle seine Brüder jeglichen Landes und jeglicher Sprache schlug, so zog cs ihn doch besonders nach seinen Brüdern im heiligen Lande hin, deren Lage nach Kräften zu verbessern. ES war im Frühjahr *877, als ein junger Ver- Wandler, der verstorbene Leonard Montefiore, ihn zum ersten Male besuchte. Es war gerade an einem Sabbaltz; wir drei — Montefiore, sein junger Verwandter und meine Wenigkeit — saßen beim Mittagsmahl, als der junge Montefiore seinen greisen Verwandten fragte, was eS denn sei. das ihn so sehr besonders für die Interessen des heiligen Landes gewonnen. Nach kurzem Besinnen sagte der Greis: ״Niemals habe ich davon gesprochen, auch bin ich niemals darum befragt worden; doch ich will cs Dir erzählen; sieh diesen Ring hier! — und er zog vom Mittelfinger seiner linken Hand einen schlichten goldenen Ring. ״Betrachte die Inschrift aus dessen Innenseite!" fuhr Sir MoseS fort. Der Jüngling reichte darauf denselben mir hin, und ich las laut die Inschrift vor, welche nur die beiden dem Anfänge der Schemonch-Eöreh entlehnten Worte ״ קנה הבלHerr des Alls" enthielt. Montefiore erzählte darauf: Ich trage diesen Ring zun! Andenken an das Ereigniß, welches mich bewog, zum ersten Male meine Schritte nach dem gelobten Lande zu richten. Ihr jungen Leute möget eS belächeln, die Welt mag mich für einen Narren halten — es war ein Traum, nichts anderes als ein einfacher Traum, der mich zu meiner ersten Reise nach Palästina trieb. — Wir hatten gerade beim Ausgange des Sabbath, meine Frau und ich, die allbekannte Hymne אליהו הנביא gesungen und vergegenwärtigten uns die Bedeutung des Propheten Elia hu für die kommende Erlösung und Wiedererstehnng unseres zerstörten Tempels und Reiches — da fant uns beiden der Gedanke, wie herrlich eö wäre, die Stätten zu schauen, wo einst jener göttliche Mann gewirkt^ und wir beschlossen, sobald unsere Zeit eS erlaubst, gemeinsam eine Reise ins heilige Land zu unternehmen. In eben jener Nacht nach diesem Entschlüsse glaubte ich im Traume den Propheten Eliahu vor mir zu sehen, wie er auf das in der Ferne liegende Jerusalalem hinwieS mit den Worten קנו« הבל — ich erwachte, schlief dann wieder ein, hatte zum zweiten Male und zum dritten Male denselben Traum und stets glaubte ich dabei ans des Propheten Munde die Worte קנה הבל zu vernehmen. Der Traun! befestigte mich noch mehr in meinem Ent׳ schlusse, das heilige Land anfzusuchen. Ich führte ihn aus, wie Ihr wißt," schloß Montefiore seine Erzählung, ״und mag man sagen, was man will, die Träume haben doch eine gewisse Bedeutung. Denn gerade im heiligen Lande harrte meiner viel zu wirken immerfort, und auch für Euch giebts dort noch viel zu thun!" ErAiiTUUg. 3m Hinblicke auf die der jüdischen Lehre widersprechenden Stellen, die sich in der vor zwei Jahren in Wien unter dem Titel ״ArchäologischeBeschreibung Jerusalems" erschienenen Schrift des I. S. Kolbe befinden, sehen wir unS verpflichtet, hiermit zu erklären,

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