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Jeschurun · 1885-09-03 · Heft 36 (3.9.1885) · p. 575

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 36 (3.9.1885)
Article
Rumänien : Bottuschan [Nachricht]
Date
1885-09-03
Page
575 (sequence 2)
Language
German
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deS Hauses verborgen. Doch kaum hatten die Behörden Kunde von der Flucht des Mannes erhalten, als Beamten in das Haus eindrangen, das gesammteMobiliar, Hausgeräth re. zerschlugen, die arme Frau aus ihrem Verstecke hervorholtcn und derartig dieselbe mißhandcllen bis sie ohnmächtig zu Boden stürzte; dann faßten sie die Unglückliche, schleppten sie mit dem zerschlagenen Hausgeräth auf einen Wagen und transportirtcn sie fort. ...x. Bukarest, 15. August. Bände würden die Aeußerungcn der Bedrückung und Beschimpfung der rumänischen Juden füllen, wollte man sie alle registriren; möchte es doch der Intervention auswärtiger Mächte gelingen, dem Treiben der Willkür ein Ende zu machen! Im Folgenden wiederum einige Stückchen als Ergänzung des bisher von mir in diesen Blättern Berichteten. — An: vorigen Freitag, früh bei Tagesanbruch, kehrte der Subpräfekt von Buczeto von einer Reise zurück; er schickte dann zur Stadtwache, auf welcher in jeder Nacht abwechselnd zehn Stadtbewohner sich befinden, zwei seiner Leute und ließ dem Befehls- Haber der Wache, einem Juden, sagen, er möge zwei Mann schicken, welche seinen Reisewagen reinigen sollten. Der Jude ließ ihm sagen, die zur Wache Kommandirten seien schon zu Hause, da der Tag schon angebrochen sei; der Jude legte sich daun selbst zu Bette, doch bald darauf drangen die Leute des Snbpräfckten bei ihm ein, nahmen die auf dem Tische des Zimmers befindliche Geldbörse an sich, schleppten den Juden, auf welchen sie fortwährend losschlugen, zum Subpräfckten. Nun hat aber der Subprüsckt überhaupt nicht daS Recht, Einwohner der Stadt ohne Weiteres zu Dienstleistungen, wie zum Putzen seines Wagens, zu zitiren; sodann, was kann der arme Jude dazu, daß der Tag schon angebrochen ist, wo sich die Stadtwache wieder auslöst? Aber er ist ein Jude; und gegen Juden ist Alles erlaubt!-Vor einigen Tagen fuhr ein Jude, Vertreter der Nähmaschinenfabrik von Singer, durch das Dorf Suwarccz; er wurde auf Befehl des Vertreters des Gutsherrn ins Gewahrsam gebracht; dort blieb er, ohne um den Grund seiner Verhaftung zu wissen, bis zum Abend, wo der Polizcibeamte, welcher ihn iuS Arrcstlokal transportirt hatte, kam, und ihm seine Baarschaft im Betrage von acht Franken abnahm; dann entfernte derselbe sich wieder. In der Frühe kam dann der Primär, nahm ein Verhör mit ihm vor und ließ ihn dann wieder frei. Als der Jude dann die ihm abgenommenen acht Franken reklamirtc, wurde ihm bedeutet, er solle zufrieden sein, daß er aus der Haft entlassen wäre; schließlich wurde er. noch, che er das Dorf verlassen durfte, vom Subpräsekten gezwungeu, den bekannten Protest zu unterschreiben! Auf solche Weise wird also von den Juden die Unter- Zeichnung erzwungen! ...2. Bukarest, 18. August. Eine große Zahl Bukarester Juden haben beschlossen, ihre Photographien an die Polizei zu senden, um der Schande überhoben zu sein, eventuell auf offener Straße von den Polizisten aufgcgriffen und behufs Photographirung auf das Polizeibüreau geschleppt zu werden. — Was die Unterschrift deS Protestes betrifft, so finden sich leider sehr viele Glaubensgenossen dazu bereit. Meist sind es vermögende Leute; die von ihnen abhängigen Unbemittclten müssen das Gleiche thun. Möchten dieselben doch nicht so verblendet sein, und einsehen, welchen Schaden sie damit der Gestaltung der zukünftigen Lage der rumänischen Juden thun. Gerade jetzt heißt eS standhaft und mannhaft zu sein', wo vielleicht die Hoffnung nicht ganz ausgeschlossen ist, daß der Gewatt und Bedrückung ein Ziel gesetzt werde. Möchten doch die Einzelnen nicht so kurzsichtig sein und nicht über ihr augenblickliches Wohl das Wohl der Gesammtheit ihrer Brüder für die Zukunft außer Auge lassen! ... x Bukarest, 27. August. ״Fraternitatea" antwortet in einem offenen Briefe an Herrn Minister Bratianu auf die Erklärung, welche derselbe anläßlich des Schrittes abgegeben, welchen die jüdische Deputation bei Lord Salisbury gemacht hat, daß er nämlich Mitleid mit allen Leidenden empfinde. Wenn dem so sei, meint die ״Fraternitatea", so empfehle sic seinem Mitleid diejenigen, welche rumänische Schuten besuchen, um sich zu assimiliren, und daselbst von den .Mitschulen: geschlagen und von den Lehrern chikanirt werden; diejenigen, welche trotzdem, daß sie im Lande geboreu, weder Advokaten, noch Beamte, noch Professoren sein dürfen; diejenigen, welche, trotzdem sie berufen werden, für das Land ihr Blut zu vergießen, nur bis zum Grade eines Sergeanten avanciren dürfen; diejenigen. welche nicht einmal einen Paß bekommen können, wenn sie nach dem Anslande gesnndhcits- oder geschäftShalber reisen wollen; diejenigen, welche ein Handwerk erlernen wollen und denen die Handwerkerschulen verschlossen bleiben; diejenigen, welche aus den Dörfern gejagt und wie wilde Thiere gehetzt werden. Warum, fragt die ״Fraternitea", finde es Herr Bratianu für recht, daß die hiesigen Blätter sich ihrer Stammesgenossen in Ungarn annehmen, und findet cs anderseits für unrecht, wenn eine jüdische Deputation zu Gunsten der Juden cinschreiten? Was würde Herr Bratianu davon denken, wenn die Ungarn die Rumänen in Siebenbürgen zwingen wollten, die Beschuldigungen, welche gegen ihre Bedrücker von den rumänischen Blättern erhoben werden, für falsch zu erklären? Warum gestattet Herr Bratianu einem Cinrcn für die Rumänen in Ungarn cinzutreten, und warunr verbietet er einem Dulberg sich seiner Glaubensgenossen in Nämunien anzunehmen?

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