Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Brünn [Nachricht]
- Date
- 1885-09-03
- Page
- 572 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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572 Deputationen, welche sich in Kremsier eingefunden hatten, unserem allverehrten Landesvarer ihre Huldigung darzubringen, befanden sich auch die Deputationen der jüdischeu Gemeinden von Proßnitz, Prerau, Hollesschau; dieselben wurden von Sr. Majestät ungefähr mit folgender Ansprache beehrt: ״Es freut Mich, daß Meine jüdischen Unterthanen im ganzem Reiche nie eine Ge׳ legenheit verabsäumen, um ihrer unerschütterlichen Treue und Anhänglichkeit für Mich, für Thron und Laterland ergebenen Ausdruck zu verleihen. Ich danke ihnen als den Vertretern hochachtbarer Kultusgemeinden für die mir dargebrachte Huldigung. Seien Sie versichert, daß ich der jüdischen Konfession im ganzen Reiche Meinen kaiserlichen Schutz angedeihcn lassen werde!" * Ans Siebenbürgen. Die ״Oesterreich. Wochenschr." berichtet von einem neuen Versuch, eine kleine Verwickelung ä la Tisza-Eßlar anznzetteln: Fogaras (Siebenbürgen), im August. An dem Tage, an welchem das hier stationirte Bataillon des 2. Infanterie-Regiments unsere Stadt verließ, um zu den NegimcntSübungen abzurückcn, verschwand auch die bei der israelitischen Hebamme Krauß bcdieustete christliche Magd. Frau Krauß ließ überall nach dem Verbleib der Magd Nachfragen und verständigte, nachdem die diesbezüglichen Nachforschungen sich als erfolglos erwiesen, den in Muckendorf wohnenden Vater des Mädchens von dem Verschwinden desselben. Der Vater des Mädchens kam nach Fogaras und konsultirte einen — Wahrsager. Das moderne Orakel tha.t den delphischen Spruch, das vermißte Mädchen befinde sich in einem sestgemauerten Gewahrsam und jammere um Befreiung aus seiner lebensgefährlichen Gefangenschaft. Der Pöbel legte sich den Orakelspruch im Handumdrehen a la Tisza-Eßlar zurecht, und ein runlänisches Blatt faselte sofort von einem ״rituellen Morde." Die Aufregung ward trotz der zeitgemäßen Ansklärung der Behörden ilnmcr größer, und in demselben Maße wuchs auch die Besorgniß der Israeliten in Fogaras. Das Räthsel sollte aber bald seine natürliche Lösung finden. Ein Fischer aus Vethlcn (bei FogaraS) fischte den Leichnam eines Mädchens aus dem Altfluß und erstattete die Anzeige. Die Kommission konstaticte, daß an dem Leichnam, des den Muckendorfer Insasse als den seiner verschwundenen Tochter agnoszirle, nicht das geringste Merkmal einer gewaltsamen That vorhanden ist. Die Annahme ist vollkommen begründet, daß das Mädchen den Tod in den Wellen aus Kummer gesucht und gefunden hat, weil ihr Liebhaber, welcher in den obenerwähnten Bataillon dient, Fogaras verlassen mußte und dorthin nicht mehr zurückkchren wird. Frankreich. Paris, 28. August. Die Ungerechtigkeit der antifenritischen Umtriebe in Algier bekundet sich schon in dem Vorwände, den man genommen. Der Hauptmann des Feuerwehrkorps Mermet, der von den Judenfeinden aufgehctzr nachträglich gegen die Erneunnng seines Kommilitonen, des Israeliten Iais zum Ritter der Ehrenlegion protcstirtt, hatte ihm wie man erfährt, bald nach dem Akte der Auszeichnung folgendes Glückwunschschreiben gesendet: ״Ich bin glücklich über die gure Nachricht, die Ihnen der Telegraph gebracht hat. Was auch alle Ihre zahlreichen Feinde sagen mögen, der Orden ist auf ihrer Brust an seinem Platze, denn ich kenne Sie besser, als alle Anderen. Sie sind mir stets;uvorgekommen in Bezug auf die Erlangung der Auszeichnungen ebenso wie Sie vor mir sich in die gefährlichsten Punkte wagten." rc. :c. Das gelesenste hiesige Blatt ״Le Petit jonrnal" giebt in einem Leitartikel seinen Befürchtungen für die Zukunft der algerischen Kolonien Ausdruck mit dem Hinweis auf andere Länder, die durch derartige Bürgerkriege sich ruinirt hätten. ״Wer hätte vermuthcn können, daß die wilden Lehren des Antisemitismus ein Echo auf französischem Boden finden würden? Man kann hier das berühmte Wort anwenden: Es ist mehr als ein Verbrechen, cs ist ein Fehler. Der Handel und die Industrie jenes Landes empfinden bereits den Rückschlag der Störung der Ordnung. Bedeutende einsichtsvolle Männer erklären ohne Scheu, daß cs sich hier um Leben und Tod unserer mittelländischen Kolonien handelt." Möge die Erfahrung daß ״man in jedem Zeitalter bereit ist uns zu vernichten", an das^i נצבים mahnen, daß das Judenthum seinen Ga.lg durchs die Welt in geschlossener fester Phalanx aller seiner Bekenner um den heiligen Bund als Mittelpunkt zu machen hat. In wenigen Tagen folgen wieder alle Juden dem Ruse zu gemeinsamer ernster Sammlung im Hause des Ewigen Wenn man, wie cs in den Sprüchen Salomons Eap. 7, 19 heißt, im Laufe des Jahres nicht in seinem Hause weilet, unterwegs in weiter Ferne schweifet, 7, 20, die Börse in der Hand, so kommt man doch zur Roschhafchonoh nach Hause beseelt von dem einzigen individuellen und nationalen Wunsche Psalm 27, 4 seine Ruhe so lange man lebt, im Hause der Ewigen zu finden, seine Herrlichkeit zu schauen und in seinen Tempel auf's Neue die Morgendämmerung der Erlösung ausgehen zu sehen. Rußland. * Petersburg, 16. August. Die ״jüdische Presse" bringt unter obigem Datum eine längere Korrespondenz aus Petersburg, in welcher die einer sehr glaubwürdigen Persönlichkeit gegenüber gemachten Auslassungen eines hohen Würdenträgers und Mitgliedes der ״Iudcnkommission" reproduzirt werden. Wir lassen dieselben, da sie leider nur zu klar die