Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1885-09-03 · Heft 36 (3.9.1885) · p. 571

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 36 (3.9.1885)
Article
Deutschland : Schwabach [Nachricht]
Date
1885-09-03
Page
571 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2933101-2933137--19643-2962378
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

571 Entwickelung der Anstalt bemüht haben. Die Anstalt besitzt augenblicklich. ein Vermögen von 6607.92 Die Gesammteinna'hmen betrugen 6443.90 0f6, die Ausgaben für Unterricht, Beköstigung rc.-rc. 6722.33 ״iL Möge die Anstalt auch fernerhin gedeihen und blühen; möge sie sich immer mehr warme Freunde und Förderer erwerben. G. Königsberg. Die Ausweisungen haben leider hierorts einen großen Unfang angenommmen. Hier sind viele hundert Familien unserer russisch-polnischen Brüder ausgewiesen, am 15. September hiesige Stadt zu venlassen. Das Elend ist sehr groß, denn unter den AuSgewiescnen befinden sich arme Handwerker, Arbeiter, Kaufleute, die sich hier kümmerlich, aber doch בכבוד ernährten. Diese Maßregel in einschneidend. י .הקייבוז ייחח עד בלישת עטו ישראל .Königsberg. Ein wahrhaft Frommer und scharfsinniger Talmudgclehrter ist im Monate Aw durch einen sanften Tod uns entrissen worden. Rabbiner Laser Auerbach ז׳יל ist im Monate Aw zu Danzig vom irdischen Schauplatze abberufen worfen. Geboren in Danzig, erreichte er das 83. Lebensjahr. Von seinen frommen Eltern wurde er frühzeitig dem Thorastudium zugeführt. Der Heimgegangene war ein Meister talmudischcr Wissenschaft, ein Schüler des weltberühmten הרב הגאון ליעקב ליסא. Er war mit hohen Tugenden ausgezeichnet, war ein בקי בש״ם ופוסקים. Das Ableben eines jeden גדול ist ein unersetzlicher Verlust für das Gesammtjudenthum, da es von einem solchen ת״ה שטת אין אנו מוצאין תטורתו im Talmud heißt. Er war auch mir ein väterlicher Freund, seine auf die an ihn gerichteten Anfragen crtheilten תשובות zeigen von einem großen בקיאות. Sein edles Herz fühlte sehr warm für die Nothleidenden. Trotz der vielen Entbehrungen war stets sein Haus offen für jeden Arnien. Er selbst konnte viel entbehren, er war ein טדדקדק mit jeder מצוה int höchsten Grade. Er war טוהל, scheute nicht die weitesten Reisen bei Armen, um diese heilige ,מצוד zu vollführcn. Seit den! Tode des תפארת ישראל hat er in Danzig die הוראה unentgeltlich versehen. Er lebte für עבודה ,תורה und גמילות הסדים. Am Leichenzuge betheiligte sich die ganze israelitische Gemeinde Danzigs und die umliegenden Gemeinden, zu deren Ohren die erschütternde Botschaft gedrungen war. Diesem Schmerzgefühl gab Rabbiner Dr. Werner beredten Ausdruck, anlehnend an den Ausspruch ת״ה שמת הכל קרוביי, der Traktat ברכות war es, bei dessen Erforschen diesem למדן מופלג der sanfte Tod ereilte. Ja, Segen hat er reichhaltig im Lebert gespendet, mit Segen schied er von den Seinen. תניציב׳ה. Dr. Grünseld. s Danzig, 30. August. Der ״N.-Ztg." geht von hier folgende beachtenswerthe Mittheilung zu:, Der Artikel in Nr. 492 Ihres geschätzten Blattes ״Die Ausweisungen in! Osten" enthält sicher viel Richtiges. Bei den Ausweisungen russisch-polnischer Kaufleute aus Danzig liegen aber Verhältnisse, /wie die, auf welche Ihre Ausführungen sich beziehen, nicht zu Grunde. In den letzten Tagen sind in Danzig ungefähr 72 AuswctsuugSbcfehlc erlassen: dieselbcu treffen wohl ausschließlich Kaufleute mosaischer Konfession, welche aus Polen und den Thcileu Rußlands stammen, die vor der ersten Thciluug Polens zun! polnischen Reiche gehörten. Sämmtliche Ausgewiesene besitzen Pässe und wohnen die meisten eine Reihe von Jahren in Danzig, wo sie Staats- und Gemeindesteuern zahlen, einige auch Mitglieder der Korporation der Kaufmannschaft sind. Viele würden sich längst haben uaturalisiren lassen, wenn sie hierzu aufgefordert worden wären. Jetzt würden sich die meisten gerne uaturalisiren lassen, es ist ihnen aber bedeutet, daß jetzt von Naturalistrung keine Rede sein könne. Es ist bekannt und erwiesen, daß keiner dieser auSgcwiesenen jüdischen Kaufleute polnische Propoganda gemacht hat; alles Andere Liegt denselben auch näher als dieses. Auch würden PolonisirungSbestrebungen in Danzig durchaus erfolglos sein. Danzig hat Jahrhunderte lang unter polnischer Oberhoheit gestanden; in dieser Zeit ist mancher Versuch gemacht worden, Danzig zu polottisiren; doch ist es stctS ein fester Hort des Deutschthums gewesen; nie ist es auch nur gelungen, eine starke polnische Partei zu bilden. Was in früheren Jahrhunderten nicht gelungm, sollte jetzt von ein paar jüdischen russischpolnischen Händlern zu befürchten sein? In Danzig giebt es kein PolenLhnm mit den in Ihrem Artikel geschildetleu Bestrebungen. Dem Handel Danzigs sind diese für eigene Rechnung etablirten ober größere russische und polnische Häuser vertretende Kaufleute von großem Nutzen. Gestützt ans genaue Kenntniß der russischen und polnischen Verhältnisse, gestützt auf persönliche Bekanntschast und Verwandtschaft ziehen sic manches Geschüft nach Danzig, welches anders über Liban oder Odessa gemacht werden würde und welches auch später über diese Plätze geleitet werden dürste, wenn die russischen Kaufleute Danzig verlasse!׳,;nässen. Da, wie bemerkt, von Potonistrung in Danzig nicht die Rede sein kann, da in antisemitischen Bestrebungen, auf welche. manche die letzten Ausweisungen zurückführen wollen,, doch sicherlich auch nicht der Grund dcrsilbcn zu suchen ist, so hofft man hier, daß eS den Bestrebungen des Lorstchcramtcs der Kaufmannschaft gelingcn werde, die letzten Ausweisungen rückgängig zu machen, soweit dieselben vollständig legitimirte und gut beleumundete russisch-polnische Kaufleute betreffen. Oesterreich-Ungarn. E. *SrünUf 28. August. Unter den verschiedenen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.