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Jeschurun · 1885-08-28 · Heft 35 (28.8.1885) · p. 558

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 35 (28.8.1885)
Article
Marokko [Nachricht]
Date
1885-08-28
Page
558 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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558 anbrechen müsse. Bei ihrer Ankunft in die Nahe der Stadt, gingen ihnen die in der Stadt verbliebenen Mitglieder ihrer Familie entgegen, aber im Augenblick, wo sie durch die Thore schreiten wollten, wurden sie von einer großen Anzahl Arabern, die mit Stöcken bewaffnet waren, zernirt und niedergcrisscn. Wenn der Sultan sich nicht zu Gewaltmaßregcln gegen den Gouverneur entschließt, ist das Leben der armen Juden zu Demnat gefährdet. Zur 'Stunde läßt der Gouverneur Deklarationen anfertigen, die beweijen sollten, daß die Juden die Angreifer waren. Jedoch haben sich die Dinge so zugetragen, wie ich es Ihnen erzähle und die Sachkundigen werden darüber urtheilcn können". — Von anderer Seite sind neue Mordthaten begangen worden an marokkanischen Israeliten, und jetzt wie früher bleiben die Mörder unbestraft. Anbei einige Einzelheiten, wie sie diesbezüglich dem Zentral-Komitö der All. isr. nnio. übermittelt wurden: Ein armer Jude, Wechsler seines Gewerbes, wurde im Juni zu Fez, im arabischen Viertel, von einem Muselmann umgebracht Als er sein Opfer auf der Erde sah, schrie der Araber: ״Seht euch einen schmutzigen Juden an, der einen Araber geohrfeigt har." Als sie dies hörten, liefen Hunderte von Arabern herbei und wollten den Juden in Petroleum verbrennen, sie gaben ihre Absicht erst auf Drängen einiger mohamedänischer Notablen auf. Einige Gemeinde-Mitglieder wandten sich diesbezüglich an den Pascha; ihre Klage blieb erfolglos, der Schuldige blieb unbestraft. — Am j. Juli fand man in Oued-Sbou den Leichnam von Schalom Attias, einem reichen Kaufmann aus Fez, naturalisirtcm Franzosen. AttiaS war am 25. Juni gemordet worden, in Kyawa (Kabylan), zu der GerichtSbarkeit des Kaid Mahomed Eskikel gehörig, in einem Ort Lnrezga genannt, eine Tagereise (zu Fuß) von Fez. Dieser Mord hatte den Diebstahl zum Beweggrund. Die Freunde des Verstorbenen haben in Hyawa Untersuchungen angestellt zur Entdeckung der Schuldigen, die Lokalbehörde zwang sie, ihre Enquete aufzageben; sie drohte sogar, streng jeden Araber zu bestrafen, der die Urheber des Verbrechens angeben würde. Dies ist der fünfte Jude, wclchcr in Fez oder Umgebung seit einem Jahre umgcbracht wurde. Die vier andern hießen: Haim Assonlin, gleichfalls in Hyawa umgebracht, Maklouf Scheloush, Reuben Azzeral und Mimon Trojman. — Dasselbe Zentral-Komitö hat die folgenden Mittheilungen erhalten über die Lage der Gemeinde Debdou: Im Jahre 5638 (1878) entstanden Unruhen unter den Mohamedancrn, welche bei Debduo wohnen. Die Israeliten dieser Ortschaft haben unter diesen Unruhen viel gelitten und leiden noch darunter; die Streitenden haben die Dächer ihrer Häuser herzu schießen; zahlreiche Wohnungen der Juden sind auf diese Weise zerstört worden; ein Mann und eine Frau wurden getödtet, mehrere Gemeinde-Mitglieder schwer verwundet, die Goldgeräthe und die Gesetzrollen wurden wcggcschleppt. Die Notablen von Debdou baten den Sultan, sie zu schützen; er sandte ihnen einige Soldaten, doch waren diese in zu geringer Anzahl, um der Gemcinde von bedeutendem Nutzen zu sein; vier Gesetzesrollen wurden gestohlen; die Gemeinde konnte ihrer erst gegen Zahlung einer bedeutenden Summe wieder habhaft werden. Noch heute dauern diese Unruhen in Debdou fort; die Muselmänner führen das Rindvieh der Israeliten fort, stehlen alles, was sie nur wegschleppen können. Eine Tribu von Tafilalet kommt oft nach Debdou, die Juden sind gezwungen, sie zu beherbergen, ihr das Futter für Pferde und Kameele zu beschaffen, sowie Wachs und Zucker. Weigern sie sich, so werden sie geschlagen, mitunter sogar todtgeschlagen. Die Stadt hat weder Richter noch Gouverneur, die Juden sind ohne jeglichen Schutz. Das Zentral-Komitv hat die marokkanische Negierung auf die unglückliche Lage der Gemeinde zu Debdou aufmerksam gemacht. Algier. Der ״Akhbar" meldet, daß die Verfolgungen gegen die Israeliten mit größerer Heftigkeit denn je in Algier fortdaucrn. Sonntag den 9. d. stürzte sich mit den Rufen: ״Nieder mit den Juden! Tod den Juden!" eine Bande von Strolchen, Besoffenen und Besessenen aus israelitische französische Bürger und verfolgte, mißhandelte, schlug sie. Schon im letzten Juni wurden ähnliche Niederträchtigkeiten begangen; doch gelang es dem Adjunkten des Maires von Algier, einem sehr energischen Mann, die Ordnung wieder herzustellen und die sehr bedrohten Israeliten zu retten. Man glaubte, daß es damit abgethan sei, allein jetzt geht eS ärger als je wieder los. Angesichts dieser Thatsachen ist eine Delegation von vier israelitischen Notablen ans Algier in Paris eingetrosfen, um bei der Regierung zu intcrvenircn. Der KonfeilS-Präsident hat dieselben empfangen und ihnen versprochen, ihren gerechten Fordcrungen Genugthuung zu verschaffen, unter gleichzeitiger Versicherung, daß, wenn diese grausame Verfolgung sortdauere, die strengsten Maßregeln dagegen ergriffen werden würden. Amerika. in. Newyork. Zur Jllustrirung der amerika» nischen Rcverends, welche ein neues Judenthum als eigenstes amerikanisches Produkt zun; bequemen Gebrauch für Rabbiner und konfessionslose Individuen schaffen untergerisscn, sind in ihre Wohnungen gedrungen und wollen, bringt der ״Jewish Messenger" das Folgende haben sich in ihre Höfe verschanzt, um auf ihre Gegner unter der Ueberschrist: Die neue Synode, mit dem

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