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Jeschurun · 1885-08-28 · Heft 35 (28.8.1885) · p. 557

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 35 (28.8.1885)
Article
Rußland : Odessa [Nachricht]
Date
1885-08-28
Page
557 (sequence 2)
Language
German
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557 hinauszuweisen. Auf dessen Geschrei lief die Menge zusammen und erhob den Ruf: ״Die Juden mißhandeln den Christen." Der Laden des Zigarren- Verkäufers wurde gestürmt und geplündert, dessen Inhaber mußte sich in ein nahcgelegencs SpcisehauS flüchten. Man verfolgte ihn auch dort und zertrümmerte das Mobiliar u. s. w. Die Polizei schritt ein und vcrhaftete acht der Exzendenten. R u m ä n i e n. * Der Junibericht hat der All. iir. uuiv. den Todtschlag eines Juden aus Dragonchani (Distrikt von Dorohoi) gemeldet, der verurtheilt war, gepeitscht zu werden, und welchen die Henker zu Tode gepeinigt und alsdann in einen Brunnen geworfen haben, damit man an einen Selbstmord glaube. Dieser Jude hieß Jtzig Paskar; er hinterläßt eine Frau und 8 Kinder. Anbei einige Mitthcilungcn, welche der Courrier de Botocliani vom 2. 14. Juni hierüber gicbt: Da der Staatsanwalt des Gerichts zu Dorohoi abwesend war, ersuchte die Familie des Opfers seinen Stellvertreter, eine Untersuchung cinzuleiten; er weigerte sich, cs zu thun, und ernannte statt seiner den Unterpräfekten des Bezirks, Herrn Basku, welcher selbst in der Angelegenheit sehr kompromitirt war. Dieser hat sich mit einem Bezirksarzt nach Dragonchani begeben, und letzterer schloß selbstredend auf einen Selbstmord. Im Interesse der Untersuchung unterlassen wir eS vorläufig, einige uns bekannten Thatsacheu zu erwähnen, welche von großer Bedeutung sind. Wir beschränken uns heute darauf, folgende Thatsache anzugeben: Ein Kind dcS Opfers, welches den Anblick' des Leichnams seines Vaters nicht ertragen konnte, wurde durch Peitschenhiebe dazu gezwungen, denselben zur Autopsie zu entkleiden. Die Wittwe hat sich an den Justizminister und General-Prokureur mit der Bitte um nochmalige Unsuchung gewandt. ... z. Bukarest, 20. August. Am Sonntag wurden hier auf der Straße mehrere arme, langbärtige, abgerissen auösehende Inden von Polizisten aufgegriffen, zur Polizei gebracht, Photographirt und dann wieder srcigelassen. Man meint hier allgemein, daß dieses nur deshalb geschehen sei, um den europäischen Mächten diese Bilder gleichsam als Illustrationen der rumänischen Judenheit zu zeigen und sie glauben zu machen, als ob überhaupt die rumänischen Juden ein so abgerissenes und unkultiviertes Aussehen hätten. ...x. Bukarest, 23.August. Wie hiesige Blätter melden, hat der Minister des Innern an alle Distrikts- Präsekten ein Zirkular erlassen, in welchem er den strengsten Befehl gicbt, daß alle Diejenigen, welche eine Gemeinde veranlassen wollen, bei der Obrigkeit sich zu beklagen, oder den Rath geben, einen Prozeß anhängig zu machen, um sich Gerechtigkeit zu verschaffen, als öffentliche Ruhestörer angesehen werden sollen. Das ist allerdings ein sehr probates Mittel, sich die Anklüger der rumänischen Gerechtigkeit oder besser klngcrechtigkcit vom Halse zu schassen. Marokko. * Marokko. Man wird sich noch daran erinner», heißt cS in dem Monatsbericht der ״All. isr. uuiv,", daß in Folge von Eingaben der Vertreter der europäischen Mächte in Marokko bei Se. Majestät dem Kaiser, zu Gunsten der Israeliten von Demnat, Sr. Majestät eine Kommission ernannte, an welcher auch 2 oder 3 marokkauische Israeliten thcilnchmen sollten, und die damit beauftragt war, die Konsuln in Zukunft darüber zu unterrichten, was den Juden dieser Stadt etwa künftig an Mißhandlungen wiedcrfahren sollte. Anbei ein Brief eines Mitgliedes dieser Kommission, David Aman, der int ״Revcii du Marok" vom 16. Juli publizirt wurde: Demuat, den 24. Juni. Wir langen soeben in Demnat an. An den Thoren der Stadt begegnen uns die Soldaten des Gouverneurs und zirka 100 Arabern, die mit Stöcken, Messern und Steinen bewaffnet waren. Bei unscrm Herannahen warfen sie uns mit Steinen, schlugen aus uns und beschimpften die europäischen Nationen und deren Fahnen. Fast ein Dutzend der Unsrigcu ist ernstlich verwundet, unter Anderen eine arme Frau, die wir auf unserm Wege in einem Dorfe autrafen. Wir sahen uns gezwungen, unsere Pferde und Bagagen in Stich zu lassen und uns in ein Dorf zu retten, das unter einer andern Gerichtsbarkeit steht. So werden die Befehle Sr. Majestät beachtet unb befolgt. S. E. der Ober-Vczir versicherte uns, daß uns, gleich bei unserer Ankunft Gerechtigkeit werden würde, denn Sr. Majestät hatte cs so besohlen. Der Soldat des Sultans, welcher uns begleitete, hat sich zum Gouverneur begeben, der ihn bezahlt und entlassen hat. Sidi Voubckcr hat verweigert, uns zu begleiten, unter dem Vorwände, daß er keinen Brief vom Sultan habe, und der Gouverneur ihm gesagt, daß er nicht kommen solle. Einer von uns, David Fdida mit Namen, der sich über die erlittenen Mißhandlungen beklagt hatte, wurde vom Gouverneur festgenommcn und iu'S Gefäugniß gesteckt. Man hat uns gesagt, der Gouverneur habe seinen Leuten Vorwürfe gemacht, daß sie sich darauf beschränkt hätten uns zu schlagen, anstatt uns zu tödten. Wir schreiben nach Tanger und erwarten׳ die Erwiderung, um zu wissen, wie wir handeln sollen." — Anbei über den Vor« fall der Brief eines englischen Unterthanen; derselbe stand gleichfalls im ״Neoeil du Marok" vom 18. Juli: ״Ich schrieb Ihnen bereits bezüglich der armen Juden zu Demnat. Sie kamen ganz vergnügt an, mit den Briefen, welche ihnen die fremden Minister verschafft hatten und man glaubte, daß eine neue Acra für sic

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