Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1885)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1885-08-28
- Page
- 556 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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556 Glaubens aus persönlichem Verkehr kannte. Diese, sagte er, zeigten durch ihre Bravheit und Rechtschaffenheit, daß cs nicht ihre Väter gewesen sein könnten, die den Stifter seiner Religion hingcrichtet hatten, cs müßten dies die Väter der Inden anderer Lander gewesen sein. Ihre Waffen entlehnt die Pamphletistin Hartmann. Wie dieser Philosoph des Unbewußten, ist auch sie des gesunden Menschenverstandes unbewußt, wenn sie behanptct, den Inden fehle der Idealismus, wenn sic ihnen eine zurücksetzende Behandlung des Nichtjndcn vorwirft. Wir brauchen als Erwiderung, nicht aus die Religion hinznwcism, die uns und die durch und die ganze Menschheit idealisirt hat, nicht unter Lausenden anderen Stetten die Worte der heutigen Sidrah zu zitieren, 5. B. M. 23 8: Weise den Edomiten ganz zurück beim er ist Dein Bruder. Weise den Egypter uicht ganz zurück, denn Fremdling warst Du in feinem Laude. (Obgleich beide Völkerschaften sich auch vor Allem feindlich gezeigt haben, Hirsch, in s. Erckle. z. St.). Nicht nur von der Zeit der Wüstenwanderuug, sondern von der Wanderung des jüdischen Volkes durch die öden Zeiten des Mittckallcrs, bis selbst in die neueste Zeit kann man die Worte 5 B. M. 29,5 sagen: Brod habt ihr nicht gegessen, Wein und Berauschendes nicht getrunken, damit ihr es wissen sollt, daß Ani Haschen! Euer Gott ist. Von allen materiellen Genüssen entwohnt, hat sich das Iudenthum durch sein Studium und seinen Idealismus erhalten. Der Gedanke, daß wir tauben Ohren predigen, wenn wir unseren Feinden crwicdern, welchen Altthcil wir au allen idealen Bestrcbungcn und Erfolgen der Gegenwart haben, erinnert mich, daß ich Ihnen noch mittheilen wollte, daß. der hier versammelte Kongreß der Tanbstnmmcnlehrer den Vorsitz nnscrm Glaubensgenossen Frank übertragen, welcher sich seit über 25 Jahren mit den Angelegenheiten der Taubstuininenerzichung beschäftigt. Bekanntlich war einer der hervorragcusten Lehrer und Gründer des Taubstummenunterrichts in Frankreich unser Glaubens-- genösse PereirO, dessen Familie sich mit einer bedeutenden Schenkung an der Gründung eines Model- Instituts für Taubstummen berheitiar, das hier demeröffnet wird. England. § London, 9. August. Die ״Gesellschaft zur Verbreitung des EhristcnthuniS unter den Inden" hatte, wie ״Patt Matt Gazette" mittheilt, im Jahre 1884 eine Einnahme von 35 000 Pfd. St. (700 000 Mk.) § London, 8. August. Herr Br. Loewe deabsichtigt, wie ״Iewish World" mittheut, die Memoiren Sir MoscS Montesiore's hcrauszugebeu. Das Werk wird bisher unveröffentlichte Dokument und Illnstrationen enthaLten« Rußland. * In Rußland werden, wie die ״Oesterr, Wochcnschr." schreibt, jetzt überall verschiedene Konzerte, Balle und Vorstellungen zu Gunsten der abgebrannten Stadt Grodno veranstaltet. In Oserki (einer Ortschast mit Sommerwohnungen bei Petersburg) hat im Laufe der vorigen Woche eine solche Vorstellung stattgesunden, an welcher natürlich auch viele Juden sich betheiligten und sogar beträchtliche Summen außer dem Kartenpreis spendeten. Als das Ncincrträgniß dieser Vorstellung nach Grodno abgcschickt wurde, fügten die Absender hinzu, es sei nur unter christliche ׳Verunglückte zu vertheilen. Es bleibt nun die Frage offen, warum lnan nicht mit einer Silbe in den Voranzeigen erwähnte, daß dieselbe nur zu Gunsten der christlichen und nicht auch der jüdischen Verunglückten ftattfinbe? Warschau 10. August. Der ״N.Pr.Ztg." wird von hier das Folgende geschrieben: Unter den seitens der russischen Negierung zur Unterdrückung des Grcnzschmuggels getroffenen Maßnahmen sind auch Bestimmungen enthalten, welche den dauernden Aufenthalt der Juden im Königreich Polen innerhalb eines Kordons von 21 Werst Breite längs der preußischen Grenze beschränken. So dürfen in Dörfern innerhalb dieses Kordons nur Jlldcn wohnen, deren Beschäftigung Ackerbau oder ein den örtlichen Verhältnissen entsprechendes Handwerk ist, oder welche als Privatbcdienstete (Kultusbeamte) fungircn. Die Magistrate der Städte innerhalb des Kordons sind angewiesen, genaues Register über die dauernd dort ansässigen Juden zu führen, und zwar mit Angabe der Beschäftigung deS Einzelnen. Uebersiedelungen von Juden aus dem Innern des Königreiches, bez. des Zarenreiches nach dem Landesgebiet innerhalb des erwähnten Kordons ist grundsätzlich untersagt. Die Bürgermeister und die Polizeiverwalter in den Dörfern dieses Kordons sind beauftragt, jeden Israeliten, welcher des Schmuggels überhaupt nur verdächtig ist, höheren Orts zur Anzeige zu bringen, wo alsdann der Verdächtige bis auf 1000 Werst nach dem Innern Rußlands deportirt werden kann. ...v. Warschau, 21. August. Der ״Kurir WarzawSki" berichtet von einem erfreulichen kleinen Vorfälle in De mb in, wo das Erträgniß einer theatralischen Aufführung seitens junger Damen zur Halste der jüdischen Gemeinde als Beitrag zu dem von derselben beabsichtigten Synagogcnbau überwiesen worden ist. ü AuS Erbau wird gemeldet, daß sämmtlichen fremden Juden der Aufenthalt daselbst?verboten sei, mit alleiniger Ausnahme der Kausleute erster Gilde. n. Odessa, 18. August. Wie der ״Nowojc Werenja" mitgetheilt wird, fand hier ein kleiner Aufkauf statt. Der Inhaber eines Zigarrengcschäfts sah sich veranlaßt einen unverschämten Kunden aus seinen Laden