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Jeschurun · 1885-08-28 · Heft 35 (28.8.1885) · p. 555

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 35 (28.8.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Prag [Nachricht]
Date
1885-08-28
Page
555 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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11׳ Prag, 21. August. Der Obmann der Repräscntanz der LandeSjudcnschaft, Dr. Moriz Lichtenstern, üdcrbrachte im Namen dieser Körperschaft und der Israeliten des Flachlandes Böhmen die Glückwünsche für den Erzbischof, worauf dieser in seiner von den edelsten und humansten Anschauungen ge׳ tragcnen Erwiderung erklärte, daß er cs als Aufgabe des Bischofs halte, den konfessionellen Frieden zu fördern, in welchen! Sinne zu wirken er beflissen sein werde. €) Krakau, 23. August. Der Prozeß der Eheleute Ritter wird, wie jetzt bekannt geworden ist, am 17. September d. I. zur Schlußverhandlung kommen. Zu der dritten Schwurgerichts-Verhandlung über diesen Prozeß sollen 78 Zeugen und 4 Sachverständige vorgeladen werden. Als Vertheidigcr werden fungiren die Advokaten Dr. Machalsky, Dr. Rosenblatt und Dr. Borowsky. Die Verhandlung wird zehn Tage dauern. 8. F. Sereth (Bukowina), 20. August. Die jüdische Deputation bei der englischen Regierung scheint doch den Herren in Rumänien etwas unheimlich geworden zu sein. Doch der Rumäne ist pfiffig und weiß sich stets zu helfen. Das beste Mittel ist natürlich, man streut dem übrigen gebildeten Europa Sand in die Augen und zeigt, daß alle die Anklagen falsch sind. Es werden jetzt in jedem Orte Rumäniens seitens der Präfekten und Subpräfekten bei den Israeliten Unterschriften gesammelt, durch welche von den Juden selbst bestätigt wird, daß sie in Rumänien als freie Bürger leben und behandelt werden, und überhaupt nicht der Hülfe und des Eingreifens fremder Mächte bedürften. So haben in dem rumänischen Städtchen Michaleni, hart an der bukowinischen Grenze gelegen, bereits sämmtliche jüdische Bewohner ihre Unterschrift gegeben. Die Armen müssen es, weil sie sonst eines Besseren belehrt werden durch die be—kannte rumänische Milde, und die Wohlhabenden glauben dadurch doch noch die Situation bessern zu können, wenn sie der Regierung diesen Gefallen thun — und so gelingt es der rumänischen Negierung, sich vor der Welt das anscheinend beste Zeugniß der Toleranz zu verschaffen, die sie nie besessen. — Wie mir befreundete Kaufleute mittheilen, haben in den größeren Städten die der reicheren Klasse angehörenden Juden die Abnahme ihrer Unterschrift durch längere Abwesenheit vom Hause vereitelt. * Bcresna (Galizien). Um die Verhältnisse unserer Glaubensgenossen im heiligen Lande zu heben, glaubt der hiesige Herr Israel Lahn die Gründung eines großen Fabriketablissemcnts in Anregung bringen zu sollen. 3m Falle diese Idee Anktang finden sollte, dergestalt, daß auch von anderen Seiten zu den erforderlichen Mitteln beigesteuert würde, erklärt er sich zur Leistung eines haaren Beitrags von 20 000 Gulden bereit und hat diese Summe bereits hinterlegt. Er knüpft daran die Bedingung, daß dieses Etablissement in Jerusalem, Hebron, Zcsad oder Liberias errichtet und für religiöse, brave jüdische Arbeiter bestimmt werde. *aX* Bttdaprst, 13. August. Wie das ״Bud. Tgbl." meldet, das für seine Mittheilung aufzukonunen hat, gehen die Herren Jstoczy, Komlossy und P. Csnzy soeben daran, eine neue Antisernitenpartei zu begründen, oder richtiger, die alte zu reformiren. Nach den! genannten Blatte haben sic nämlich die folgende ״Erklärung" veröffentlicht: ״Wir Unterfertigte erklären hiermit, daß wir die reichstägige, gemüßigt oppositionelle, antisemitische Partei gegr ndct haben. Daö Parteiprogrannn wird auf Grundlage des beigeschlosscueu Entwurfs — welchen Programm-Entwurf wir als Basis der Spezialdebatte annchmen — in der bei Gelegenheit des Wiederzusammcntrittö des Abgeordnetenhanses zu Ende September dieses Jahres abzuhaltenden Parteikonferenz festgcstellt werden, wo denn auch die definitive Organisation der Partei bewerkstelligt wird. Budapest, im Monat August 1885. Viktor v. Jstoczy m. p., Dr. Frau; Komlossy m. p., Paul v. Csnzy m. p." In dem dieser Erklärung beigeschlossenen Programm heißt cs: ״Brechen der jüdischen Macht und Paralysirung des jüdischen Einflusses aus politischem, sozialem und volkswirthschastlichem Gebiete, namentlich auf dem Gebiete der Presse, des Geld- und Kredit-, des Handels- und Verkehrswesens, des Gewerbes und der Grundbesitz-Verhältnisse. Entsprechend diesem Grund- Prinzip ist die ReaLisirung aller jener Institutionen zu urgireu, und alle jene gesetzlichen Bewegungen zu unterstützen, welche zur Verwirklichung des jetzt gesteckten Zieles geeignet sind." Das ״Wie" wird dann in fünfzehn Punkten spesifizirt, in denen jedoch nur der alte Kohl ausgewärmt wird. Frankreich. %* Paris, 22. August. Herr Hippolyte Prague hat Recht, daß er in dem ״Arch. Israel." die auf ihre liberale Gesinnung sonst so stolze ״Revue politigue et litteraire" tadelt, in der Nummer vom 8. August einen gehässigen Aufsatz gegen die Juden gebracht zu haben. Zu viel Ehre aber erzeigt er der Verfasserin sie einer Erwiderung zu würdigen, die unter einen! Pseudonym feige einen abscheulichen Rachcartike! gegen Juden schleudert, die ihr vcrmuthlich nicht genug Wohlthaten erwiesen haben. Diplomatisch schließt sie die französischen Juden aus und wüthet nur gegen die anderen, nament׳ lich die deutschen und russischen Juden. Sie!nacht cS wie jener ungarische Antisemit, der aus Prinzip judenfeindlich alle Israeliten schon der Sünden ihrer Väter wegen verdammte mit Ausnahme der Juden seines Landes, die er allein unter allen Bekenner!! des mosaischen

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