Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1885)
- Article
- Deutschland : Leipzig [Nachricht]
- Date
- 1885-08-28
- Page
- 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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554 bcr (Geschichte, und Literatur des IudenthumS befaßt. Ihm haben wir die Herausgabe zweier werthvoller Serke;11 verdanken, nämlich der responsa und epistolae des Maimonidcs (קובץ תשובות הרמבם ואגרותיץ), sowie der Moralia des Abraham bar Chijja Ha-Nassi (mZ'-~ הדון הנפש או ספר). Schreiber dieses bedauert auch den. Verlust eines treuen Freundes, dessen feinsinnigen Geist er in manchem Gespräch über jüdische Wissenschaft kennen lernte, und dessen Liberalität ihm stets die Schütze seiner wcrthvollen Bibliothek zur Verfügung stellte. In treuem Andenken ruft er daher dem Verblichenen nach: הבל על דאבדין ולא משתכהץ! M. P. Breslatt, 20. August. (Wir bringen gern das folgende Schreiben des Herrn Schriftführers des שיש-Vereins zu Breslau zur Veröffentlichung und wünschen den Bestrebungen des Vereins den besten Erfolg): Die Kreirung des Vereins Schomre Sabbath war vornehmlich in gegenwärtiger Zeit ein dringendes Bcdürsmß. Schon die zahlreichen Kundgebungen, welche nach Versendung des Prospekts von Rabbinern, Lehrern und Geschäftsleuten eingingen und die lebhafteste Sympathie für die Sache äußerten, zeugen unverkennbar für die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit dieses hochwichtigen Vereins. Die Schwierigkeiten, denen junge Männer bei ihrer Berufswahl ausgcsetzt sind, werden immer größer, und nur mit äußerster Selbverleugnung gelingt es ihnen, dent Konflikte zwischen der Lehre und dem Leben auszuweichcn. Wir erleben es täglich, daß stcllcusucheude Jünglinge in religiöser Hinsicht schwankend werden und in der Stunde der Versuchung das Sabbathgesctz über den Haufen werfen. — Wir können daher nicht umhin, hier nochmals der Freude über den neuerwachten Geist und seine Bestrebungen Ausdruck zu geben und wünschen, daß dem Verein ש״ש immer mehr Genossen und Freunde bcitrcteu. Es ist sehr erhebend, daß Israel trotz vielfacher Zerklüftung noch nicht verwaist dasteht, daß wackere, überzcugungstreue Männer sich zur Thai aufrafsen, in den Riß treten und für Regcnerirung der Religion wirken. In erster Linie verdient eS aber der Sabbath, daß ihm sein altes Recht werde. Darüber sollten unserS Erachtens alle Parteien einig sein. Wo cs sich thun läßt, sollten die Gesetzestrcucn sich verbinden und zweckentsprechende Komitee'S bilden. Ganz besonders obliegt eS den Rabbinern und Neligionslchrern, durch öffentliche Belehrung die Gemüther in der Gemeinde für den Gegenstand zu erwärmen. Unerklärlich bleibt eS darum, daß sehr viele Seelsorger die an sie gerichtete Aufforderung noch nicht berücksichtigt, ja einer Antwort nicht gewürdigt haben. Wer ist es denn sonst, wenn sie den Beruf dazu nicht in sich fühlen? Wir appcllircn im Namen des Vereins- Vorstandes an diese hochwürdigen Gemeindeführer und bitten sie dringend, das Versäumte möglichst rasch nachzuholen. Je mehr Mitglieder dem Vereine zugeführt werden, desto mehr wachsen seine Kräfte und die Fähigkeit, dem gestreckten Ziele zuzusteuern. Die Antwort ist an den Schriftführer Martin Fraenkcl, Breslau, Schwertstraße 5 a zu richten. Kok Würzburg. Es ist ganz merkwürdig, daß die Antisemiten selbst über die unbedeutendsten Dinge, wenn sie Juden oder Judenthum betreffen, sich darüber aufhalten und ihren Aerger, den wir ihnen von Herzen gönnen, zum Ausdruck bringen. So schreibt ein hiesiges Hetzblatt über das Niederreißen der Frankfurter Judengasse: ״Nur ein Gebäude ist stehen geblieben, die alte Baracke, in welcher Mayer Anselm Rothschild den Grundstock der Milliarden des heutigen Weltbankhanscs zusammenscharrte. Gab es für die Familie Rothschild kein Expropriationsrecht, insbesondere, da ja der Grund und Boden des Ghetto städischeS Eigenthum ist? Die Stadt konnte ja einfach die alte häßliche Bude behutsam auseinander nehmen und sie aus Wunsch der Erben Rothschild sein säuberlich, z. B. in einer ihrer vielen Parkanlagen, wieder aufstellen lassen! Wenn auch die alte Baracke um einen Meter zurückgerückt wird, so steht sie doch später in der Reihe der geplanten Prachtbauten, als ein warnender Finger der ״langen Arme" der niodernen Geldaristokratie! Spätere Geschlechter werden über das Stadtregiment Frankfurts im Jahre 1885 ihre eigenen Ideen haben." Jedenfalls bessere und liberalere als der Redakteur des genannten Blättchens. — Striegarr, August. Ein hiesiger Bürger wurde kürzlich wegen Beleidigung des Amtsgerichtsassessors Dr. Werner zu einer Geldbuße von 100 Mark verurtheilt. Der Verurtheilte hatte nach einem ihm unliebsamen Erkenntnisse des Schöffengerichts unter Vorsitz des genannten Richters, welcher sich zur israelitischen Religion bekennt, die Aeußerung gcthan: ״In Schweidnitz kommt die Sache anders, da ist kein Jude Richter." Das Gericht erkannte hierin eine gröbliche Beleidigung des Herrn Dr. Werner. Oesterreich-Ungarn. * Graz, Augnst. Wie die ״Neue jüd. Pesther Zeitung" berichtet, fand in Graz dieser Tage eine stark besuchte Arbeiterversammlnng statt. Als über die ״Arbeiter-feindlichen Zeitungen" gesprochen wurde, erhob sich ein Student, der sich hier wahrscheinlich die Rittersporen holen wollte, mit den Worten: ״Nur die Indenzeitungen sind den Arbeitern feindlich, da die Juden die Arbeiter ausbeuten wollen!" Es entstand hierüber ein großer Tumult, der Rcgierungskommissär wollte die Versanunlung auflösen, da halfen sich die wackern Arbeiter ziemlich einfach — sie warfen den antisemitischen jungen Herrn hinaus, und die Ruhe war wieder hergestellt. Prodatum est!