Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1885)
- Article
- Rumänien : Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1885-08-20
- Page
- 543 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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543 so ließ der wohlwollende Herr Ponuubar den armen Kutscher von einem Dutzend seiner Leute vom Wagen reißen, weidlich zcrbläuen und dann folgenden artigen Zeitvertreib mit ihn: ansführen. Der am ganzen Leib zerschlagene Mann wurde als Fangball benutzt. Man warf ihn sich wiederholt gegenseitig zu, schleuderte ihn öfters in die Höhe, schlug ihn dann zur Abwechselung und trieb weiter ähnlichen Kurzweil. Des Bojaren Bermittelung war ohne Erfolg. Alle Lust hat 'aber ein Ende. Als die liebenswürdigen Hallunken ihr Müthchen gekühlt hatten, warfen sie den ohnmächtigen, blutenden Körper des Inden auf die Straße, von wo aus ihn mitleidige Menschen nach Bakau schafften. Es sind ihm eine Menge Verwundungen beigebracht, die Hände zerbrochen worden u. dergl. m. Ob er wieder genesen wird, steht dahin. Dem Herrn Porumbar und seinen Henkersknechten geschieht aber nichts. — Nun frage ich Sie, ist cs möglich, daß man humaner und gerechter sein kann, als bei uns zu Lande? Ist es nicht pure Verleumdung, wenn die Juden sich beklagen? ...z. Bukarest, 16. August. Zu meinem vorgestrigen Berichte nur noch ein kleiner Nachtrag, damit Sie doch wissen, wie man hier Justizpflege treibt. ES ist nicht schlimm, Sie können unbesorgt sein. Die Geschichte spielt nicht in der Provinz, sondern hier in in unserer Hauptstadt. Zwei Inden gingen vor acht Tagen harmlos ihres Wegs in der Strada Jsvor. Da rief sie eine Frau, welche ein dreijähriges Kind auf dem Schooße hatte, an: Warum hast du mein Kind bis heute versteckt gehalten, Jude? Verwundert blickten die Inden auf und meinten, eine Verrückte vor sich zu haben. Auf deren Geschrei aber hatten sich mehrere Leute um die Gruppe versammelt. ״Hat dich der Jude nicht soeben wiedcrgebracht?״ wandte sich mit lauter Stimme das Weib an sein Kind. ״Jawohl," lautete die Antwort und sofort wurde der von dem Weibe und Kinde dergestalt als Menschcnränber bezeichnet Jude drohend umringt und zur Polizei geführt. Der dort fungirende Kommissär ließ sich den Fall erzählen. ״Warum hast du dich des Kindes bemächtigt?" herrschte er den zitternden Juden an und versetzte ihm zur Ermnnternng eine vollwichtige Maulschelle. Vergebenbethencrte der Jude seine Unschuld. Darauf trat der Polizeiinspektor ein und wiederholte die gleiche Frage und erneuerte die Ohrfeigen. Hierauf ließ er ihn in den gemeinsamen Kerker für die schwersten Verbrecher bringen. Nach einigen Stunden brachte ׳man den Arrestanten vor den Polizeidircktor, welcher endlich den Juden anhörte und dem sehr natürlichen Verlangen desselben, doch einmal seine Hausgenossen vernehmen zu lassen, ob er ein fremdes Kind bei sich gehabt hätte, nachgab. Natürlich stellte sich die totale Nichtigkcit der Denunziation heraus und der Aermste wurde am andern Tage enllaffen. Daß aber gegen die falsche Denunziantin eingeschrittcn wird, daran ist gar nicht zu denken; ebenso findet man eS auch ganz in der Ordnung, daß die Herren Polizeikommissar und Polizeiinspcktor die ihnen vorgcsührten Juden vor Allem mit Prügeln traktircn. Ich wiederhole: Ist es nicht pure Verleumdung, wenn die Inden sich beklagen? Australien. x. Melbourne, 1. Juli. Vor Kurzem fand hier ein Meeting statt zur Gründung einer ״congregation in acconlance witli modern Judaism“, deren Zweck zunächst sein soll, die gottesdienstliche Feier des Sabbath auf den Sonntag zu verlegen. Ein geistlicher Herr, Namens vr. Jacobsohn, ist der Führer der gottbegeistertcu Schaar; doch hätte dem auch anders sein können; derselbe Or. Jacobsohn hätte zu derselben Zeit unter anderen Verhältnissen in einer orthodoxen Synagoge sich wahrscheinlich für das orthodoxe Indenihum ereifern können. Denn kurz vor seinem jetzigen Auftreten, welches den Mann in seiner ganzen Hohlheit und Unwissenheit erscheinen ließ, hatte er für eine Anstellung als Prediger in einer orthodoxen Synagoge kandidirt, war jedoch durchgefatten. Ihm zur Seite steht als würdiger Schüler und Mitkämpfer, ein Mr. Samuell. Der ״Jewish Herald" giebt, das Treiben beider Herren scharf kritisirend, ihnen den wohlgemeinten Nath, daß sie noch viel zu lernen hätten, und zwar Dr. Jacobsohn korrekt englisch zu sprechen, Wir. Samuell zu buchstabiren. Inserate werden die Zspaltige Petitzeile M M H §>1r den Inhalt derselben übernimmt dir ' - ' ' Redaktion keinerlei Verantwortung. oder deren Raum mit 25 Pfg. berechnet. Jnsertions- und Abonnements.Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kauffmann daselbst, ohne Preiserhöhung Vorzügliche שופרות zu billigsten Preisen. Auswahl, sendungen zu Diensten. J. I£auß*mann Buchhandlung, Frankfurt a. M. Eine zuverlässige züdischeAoch in wird zum 1. Oktober d. I. gegen hohen Lohn gesucht. Offerten unter J. P. 5578 des. Rudolf Mosse, Berlin SW. Gesucht ein zuverlässiges, tüchtiges Israel. Mädchen für Küche und Haushalt, rum baldigen Eintritt. Fsrd. WeNphal Cuxhaven.