Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1885)
- Article
- Rumänien : aus Rumänien [Nachricht]
- Date
- 1885-08-20
- Page
- 542 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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KAQ Wehklagen der Inden anzuhören, so wünschen wir bei׳! den Theilen eine öftere Wiederholung dieses unschuldigen, i aber auch unnützen Vergnügens. In der That sind : heute, wenn überhaupt von Verfolgungen gesprochen : werden kann, nicht die Juden, sondern die Rumäne!! : von einigen jüdischen Gutsbesitzern verfolgt. Damit! Lord Salisbury etwas rhue, um den Juden das Lanrentiren zu ersparen, müßte er die Macht haben, sic am Schreien zu verhindern, nicht nur wenn sie geschlagen werden, sondern wenn sie Andere schtagcn, oder sic ans Rumänien zu vertreiben. Wie wir bereits gejagt haben, bedeutet der erwähnte Schritt der Juden an sich selbst gar nichts. Wohl aber sind die Bestrebungen dcrjcni׳ gen ernst zu nehmen, weiche die Inden in London in Bewegung gesetzt haben, da in jedem Falle die uncwrechten Anklagen derselben die Inden in Rumänien noch verhaßter machen werden. Da es den Juden des Landes nicht gelingen kann, jenen von London zu verstehen zu geben, daß sie von einer sciudlichen Hand mystisizirt und vorwärts getrieben werden, so haben dieselben nach unjerm Dafürhalten die Psiicht und das Recht, gegen die dem englischen Premier-Minister ׳שסם getragenen unbegründeten Beschuldigungen in formeller und kategorischer Weise zu protestiren, und alle Welt wird ihnen Glauben schenken. Denn die rumänischen Juden müssen natürlich besser wissen, was im Lande Rumänien vorgeht, und für ihre Interesse mehr Sorge tragen., als die Londoner Philanthropen. Ich hoffe, daß Niemand an der Aufrichtigkeit der Meinung zweiscln wird, die ich mir erlaube kund zu geben. Ich bin weder so enterbt von der Natur noch so unwissend, um beschuldigt werden zu können, diejenigen zu hassen, die nicht von meiner Raste und Religion sind. Ich empfinde Mitleid mit dem, der leidet, und suhle mich glücklich, ihm eine hülsreiche Hand zu leihen, ohne zu fragen, wer er ist und woher er kommt." ...55. G-??Qrestss!4. August. Ob es irgend welchen Erfolg Hai, daß dis Londoner Jndcnschaft der englischen Regierung den Norhschrei aus Rumänien übermittelt und den Premierminister Lord Salisbury zur Intervention ausaefordert hat? Ich glaube kann!. Freilich haben die europäischen Großmächte als Vertragsschließende einen guten Rechtstile! für eine solche Ein- Wirkung auf die hiesige Regierung, welche keineswegs einer englischen, französische» oder deutschen Aufforderung zur ehrlichen Erfüllung der an dieAuerkennung Rumäniens als Königreich innerhalb des gegenwärtigen Besitzstandes geknüpften Bedingung׳:» den Einwand einer nnderrch׳ Ligten Einmischung in Innere L2ndLsaugL!czcnh?llsu en!gegenstellen könnte. Wir haben aber einerseits die wiederholte Erfahrung gemacht, daß eine diplomatische Eimvkkuug nicht nur nicht die erhoffte Wir-ung hat, sondern vielmehr geeignet ist, die harten Maßregeln gegen die Juden noch zu verschärfen. Man ist an der Dumbowitza in der Kunst eines feinen diplomatischen Verkehrs gerade ss wohlbewandert wie an der Themse, Seine und Spree, und weiß auf diplomatische Vor- Vorstellungen sehr diplomatische Antworten zu crtheilen. Wir verstehen nach außen den Gentleman zu spielen, ohne unserer Bojarennatur im häuslichen Kreise darum irgend welchen Zwang auserlegeu zu wollen. Andererseits aber täuschen wir uns auch darüber nicht, daß eine Verwendung für die Juden seitens einer europäischen Großmacht ganz bcftimmt nicht die Grenzen einer recht freundschaftlichen, sanften Erinnerung überschreiten dürfte, so daß der Erinnerte sehr wohl weiß, daß es nicht allzu ernst mit dieser Ermahnung gemeint ist. Ja. wenn England, Frankreich oder Deutschland kategorisch die volle Ausführung des Berliner Vertrags verlangen und erklären würde, sich nicht mit Redensarten abspeisen zu lassen; wenn man hier wüßte, daß der Abbruch der diplomatischen Verbindungen einer nicht strikten Befolgung des zu stellenden Verlangens auf bcm Fuße folgen würde, dann könnte man allerdings auf einen Erfolg hoffen. Eine Wirkung haben wir allerdings schon von der Audienz bei Lord Salisbury erfahren und zwar eine große Entrüstung in hiesigen Kreisen über die Verleumdung seitens der Juden. DaS arme, unschuldige Rumänien wird von den bösen, heimtückischen Juden im Auslande angeschwärzt und diese ersinnen lauter boshafte Lügen, welche geeignet sind, den rumänischen )camen vor den Augen der Welt hcrabzuwürdigen. Es ist das alte Spiel, welches sich auch dieses Mal wiederholt. Und man droht jetzt mit einer Vernichtung der Inden, wenn das Ausland sich zu ihren Gunsten verwenden sollte. — — Der Herr Porumbar aus Bakau, welcher im März d. I. einen armen Juden auf wahrhaft bestialische Weise mißhandelte (siehe Nr.!9) ist noch immer heiter und guter Dinge. Die hohen Behörden haben in ihrem milden Sinne nicht das Allermindeste gegen ihn gethan. Kann mau humancr sein? Es wäre doch grausam, dem Herrn sein unschuldiges Vergnügen zu stören. Er hat nun einmal seine- Freude daran, jeden Juden, welcher ihn! ausstößt, ein wenig zu malträtiren — -nun gönne ihm doch diesen harmlosen Spaß. Vor einigen Tagen nun wollte ein Bojar einen jüdischen Kutscher für eine Fahrt nach der vor Bakau belegenen Papierfabrik dieses heitern Herrn Porumbar dingen. Der jüdische Nossslenker aber lehnte in der Erinnerung an die freundliche Behandlung, welche Herr Porumbar den Juden anmdsihm zu lassen die angenehme Gepflügettheit hat. eS ad, die Fahrt zu übernehmen. Erst nachdem der Bojar garantirt hatte, daß er ihn gegen jede Unbill schützen werde, wagte er den gefährlichen Weg. Kaum war man auf dem Fabriktzof angelangt,