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Jeschurun · 1885-08-20 · Heft 34 (20.8.1885) · p. 541

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 34 (20.8.1885)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1885-08-20
Page
541 (sequence 2)
Language
German
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541 trachtet, dürften die Inden bisweilen in Bezug auf ihr Leben und ihre^Ehre etwas schonender behandelt werden. — Pius IX. hatte bekanntlich fast sein ganzes Vermögen bei den Herren v. Rothschild stehen. Nicht nur die Fürsten der Geistlichkeit, dic. wie die übrigen Monarchen, Rothschild seit dem geschichtlichen Akte von Rechtschaffenheit seitens dieses Hauses dem Kurfürsten von Hessen gegenüber ihr Vermöge» zur Verwaltung übergaben, auch die GcistcSfürstcn, wie Viktor Hugo, betrauten das HauS Rothschild mit der Sorge für ihre materielle Habe. Die Pflege seines Körpers vertraute Viktor Hugo dent berühmten jüdischen Arzte Germaiu S6c, Dr. Klcin'S Lehrer und Freund, die Herausgabe eines großen Theils seiner Werke dem bekannten israelitischen Buchhändler Calman Levi, Mitglicde des israelitischen Zentralkonsistoriums, an. — Man kann sich denken, wie entrüstet man hier bis in die höchsten Kreise über die Vorgänge in Rumänien ist. Die Zeitung ״La Paix", welche als das Organ des Präsidenten der Republik betrachtet wird, schreibt: ״Die Mächte haben nicht nur das Recht, sondern auch dic Pflicht, ihre Stimme hören, zu lassen und bei der rumänischen Negierung gegen die dortigen Judenhetzen zu protestiren. Auf den Antrag des Vertreters Frankreichs, des Herrn Waddington, ist die Toleranz und ׳Religionsfreiheit in den Berliner Vertrag aufgcnommen. Er hatte sie im Namen der zivilisirten Länder 1־eth1mu־t. Man kann hier nicht wie sonst die Intervention einer fremden Macht in die inneren Angelegenheiten eines Landes mißbilligen. Wir begreifen, daß eine solche der rumänischen Negierung unangenehm sein mag, sie könnte sie leicht vermeiden, wenn sie sich etwas mehr von den Prinzipien der modernen Zivilisation inspiriren ließe." R u m ä n i e n. * Aus Rumänien. Zur Ergänzung der sehr beachtcnSwerthen Mittheilung unserer Bukarester Korrespondenz in dieser Nunrmer möge die folgende von der ״N. fr. Pr." veröffentlichte Zuschrift hier eine Stelle finden. Dieselbe lautet: Bukarest,!2. August. In Folge der hier cingetrosfcnen Nachricht, daß die Deputatioii englischer Israeliten sich zu Lord Salisbury begeben und bei demselben um die Intervention der Signatarmächte zu Gunsten der verfolgten Israeliten in Rumänien angefucht habe, ist dic seit längerer Zeit schlummernde Indenfrage wieder aufs Tapet gebracht worden, und mehrere publizistische Organe haben sich in Anbetracht der stoffarmen Zeit dieses ergiebigen Themas bemächtigt. Besonderen Lärm hat ein beispielloser Hetzartikel der ״Telegrafnl" gemacht. Die wesentlichsten Stellen des Ihnen bereits telegraphisch signalisirten Brandartikels dieses regierungsfreundlichen Blattes lauten folgendermaßen. ״Unser Vaterland Rumänien ist in Gefahr! Ein Hochverrats wurde inmitten der Bevölkerung begangen. Die Verräther konspiriren am Hellen Tage, sie gehen frei umher, und dic Justiz regt sich nicht, die Thore der Gefängnisse öffnen sich nicht, um die Elenden zu verschlingen. Unserer Negierung steht ein spezielles Gesetz zur Verfügung, welches ihr das Recht verleiht,ohne weitere gerichtliche Prozedur und nur auf Grund eines Ministenaths-Beschlusscs diejenigen Fremden auszuweiscn, welche gegen die Sicherheit des Staates konspiriren. Es ist ferner der Regierung nicht unbekannt, daß in unscrm Strafgesetzbuche ein besonderer Artikel für Hochverrath figurirt, welcher dahin lautet, daß derjenige, welcher die Intervention einer fremden Macht gegen Rumänien anruft, mit fünf־ bis zehnjähriger Zwangsarbeit zu bestrafen sei. Was thut die Regierung, was thut die Justiz Angesichts dieser Gesetze, welche ein Einschreiten fordern? Es ist unvermeidlich, daß die Negierung bei solchen Anlässen die größte Strenge walten lasse. Als gute Patrioten wünschen wir nicht, daß Rumänien znm Schauplätze barbarischer Szenen werde, wie dies in Rußland und Ungarn der Fall war, daß in den Straßen das Blut unschuidig gemordeter Juden fließ-׳. Allein wer bürgt uns dafür, daß nicht eines Tages in Folge der Verräthcrcien einiger Elenden die Geduld des Volkes reißt — und schrecklich in seiner Wnth — der Indenfrage ein für allemal ein Ende macht. Was jedoch die fremden Mächte betrifft, die eS wagen sollten, sich in unsere innere Angelegenheiten cinzumengen, nnS zwingen zu wollen, daß wir den Inden das Recht ertheilen, Grundeigenthum zu erwerben, um den rumänischen Landmann auszusaugen, so kann diesen Mächten Folgendes entgcgengehalten werden: In dem Augenblicke, als eine derselben es wagen sollte, in dieser Rücksicht einen Zwang auf uns auszuüben, wird eine gräßliche Metzelei den Boden Rumäniens beflecken. Die Fremden mögen nicht vergessen, daß Rumänien zwar ein kleines Land ist, daß jedoch dessen Söhne für. ihre Unabhängigkeit zu sterben wissen." Eine andere gewichtige Stimme, welche sich bei derselben Gelegenheit über die Judenfrage vernehmen ließ, ist die des Herrn Demeter Bratiano (Bruders des Minister-Präsidenten), welcher in dem von ihm herauSgegebenen Blatte ״Natiunea" Folgendes schreibt: ״Die Agence HavaS bringt eine Depesche vom 7. August, welche folgendermaßen lautet: ״Lord Salisbury empfing heute eine jüdische Deputation, welche gekommen war, um die Intervention der Signatar- Mächte des Berliner Vertrages zu verlangen, um den Verfolgungen ein Ende zu machen, welche die Juden in Rumänien zu erdulden haben." Dieser Schritt der Juden ist an und für sich von geringem Werthe und verdient nicht einmal erwähnt zu werden. Wenn eS den Juden Spaß macht, sich beim Lord Salisbury zu beklagen, und dem Herrn Salisbury angenehm ist, das

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