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Jeschurun · 1885-08-20 · Heft 34 (20.8.1885) · p. 539

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 34 (20.8.1885)
Article
Deutschland : Köln [Nachricht]
Date
1885-08-20
Page
539 (sequence 2)
Language
German
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ist um so beachtenswerther, als die Prüfungen an christlichen StaatSanstalten abgelegt werden, und für Externe schon deshalb schwieriger sind, als ihnen die gleichen Fragen und die gleichen Themata zur schriftlichen Behandlung vorgelegt werden, wie den mit dem Lehrgänge der betreffenden Anstalten ungleich vertrauteren internen Schülern. -d- Königsberg, 14.August. Wieder״ Königsb. H. Ztg." gemeldet wird, gehört zu den insolge deö Ausweisungöedikts aus Preußen ausgewicscnen polnischen Untcrthanen auch der erste Kantor der hiesigen Synagogeugcmeinde, Herr Birnbaum. Derselbe ist in Krakau geboren, kam aber schon als Kind in seinen ersten Lebensjahren nach Schlesien, von wo er nach Königsberg übersiedelte. Herr Birnbaum hat alle nur möglichen Versuche gemacht, um zu seinen Gunsten eine Ausnahme von den Bestimmungen deS Auswcisungsdekrcts zu erwirken und hoffte, daß sowohl seine bekannte und allgemein geachtete Persönlichkeit, als auch das rituelle Amt, welches er seit vielen Jahren ehrenvoll verwaltet, ihn vor der Ausweisung schützen werde. Er wandte sich zu dem Ende zuerst an den Regierungs- Präsidenten, hat aber auch durch des letzteren Befürwortung seines Gesuches bei dem Minister nichts weiter erlangen können, als einen Jndult bis zum 1. April künftigen Jahres, an welchem er das Gebiet, des preußischen Staates verlassen haben muß, da auch eine Bitte um Naturalisation nach Emanirung des Answeisungsdekrets als verspätet zurückgewiesen werden mußte. III Myslowitz, 10. August. In der letzten Sitzung der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung wurde, nach der ״Kattow. Ztg.", die Auflösung der hiesige! Simultanschule beschlossen und nach vorhergegangenen gegenseitigen Zugeständnissen unter den vcrschiedenen Parteien die Neuanstellung von 4 Lehrern (2 katholische, 1 evangelischer und 1 jüdischer) beschlossen. Die katholische Schule wird fernerhin 1046 Schüler mit 13 Lehrern, die evangelische Schule 171 mit 3 Lehrern und die jüdische Schule 96 Schüler mit ebenfalls 3 Lehrern zählen. -i- Von der Saar, 17. August. Es ist in dem Saargebiete eine sehr zeitgemäße Vereinigung in Bildung begriffen, zu welcher sicbenundzwanzig der angesehensten Männer dieses Distrikts auffordern. Aus den Satzungen, welche einer dcmnächstigen Versammlung zur Genehmigung vorgelegt werden sollen, möge für das spezielle durch Ihr geschätztes Organ vertretene Interesse die folgenden Bestimmungen angeführt werden: § 5. Politische Bestrebungen, namentlich soweit sie sich gegen die Anhänger einer Partei oder eines religiösen Bekenntnisses richten, sind unbedingt ausgeschloffen. 8 6. Mitglied des Vereins kann, ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei und ' aus das religiöse Bekenntniß jeder großjährige unbescholtene Deutsche werden, welcher sich bei seiner Anmeldung' verbindlich erklärt, die den Mitgliedern durch die Satzungen aufcrlegten Pflichten zu erfüllen. Oesterreich-U ngarn. f. Wien. Der Prozeß Bloch-Rohling gelangt im November d. I. zur Verhandlung. Zu diesem Prozesse hat Di׳. August Wünsche, der auch persönlich als Sachverständiger in Wien erscheinen wird, im Vereine mit Herrn Professor Nöldecke in Straßburg ein Gut-, achten abgegeben, das mehr als einhundert Foliobogen umfaßt. 8. P. Aus Nngarir, tut August. Die Zeit der sauren Gurken pflegte uns gewöhnlich mit einigen ministeriellen Inden-Erlassen zu beglücken. Wichtig erscheint vor Allem jener Erlaß, wonach jede Botschaft zu dem ihr zunächst liegendem Matriken-Antte gehört, ohne Unterschied, ob dieses orthodox oder neolog sei. Natürlich verwahrt sich unser Herr v. Trcfort entschiedenst dagegen, als ob er die Ncligions- und Gewissensfreiheit einschränken wollte. Nun kann wohl ein Herr Neologe sich nicht viel Gewissensbisse darnnt machen, seine Trauung oder sein Kind in die Matrikel einer auf althergebrachter Tradition basireuden Gemeinde eintragen zu lassen. ES fragt sich aber, ob ein Orthodoxer sich in die neologen Register immatrikuliren lassen kann. Bemerkenswcrth ist, daß durch dieses amtliche Schriftstück das Bestehen nur eines Judenthnntö deklarirt wird, während das vor zwei Iahten ans Ministerium gerichtete Memorandum der Orthodoxie volltönig von zwei in Ungarn bestehenden jüdischen Religionen spricht. Herr v. Trefort scheint überhaupt der Konstitnirnng der Orthodoxie nicht sehr hold zu sein. Das ^Statut der הברא קדישא der orthodoxen Gemeinde zu S. a. Ujhely wurde direkt 'vom Ministerium mit der GenchmignngSktausel versehen und die DurchsührungSkommission ganz übergangen. Unser Herr Kultusminister hat seine Toleranz auch durch einen andern Erlaß auf eklatante Weise bewiesen, indem er ein sogenanntes drittes oder viertes Judenthum geschaffen, das den Namen ״reformirtes Judenthnm" trägt. Diese hochlöbliche, in Budapest entstandene Gemeinde hat den bekannten Albert Szterönyi, Vater eines berühmteu Antiscmiteu, als ihr geistiges Oberhaupt gewählt. Wir legen diesem Ncsormschwindel keine große Bedeutung bei, möchten aber dennoch anrathen, gegen diese mit Hartnäckigkeit inszcnirte Bewegung energisch Stellung zu nehmen. Der Herr Präses der DurchsührungSkommission scheint die in dieser geschätzten Zeitschrift über unsere Verhältnisse gebrachten Schilderungen und Nathschtäge nicht ganz unbeachtet lassen zu wollen. Wir geben der Hoffnung Raum, daß Herr Reich nunmehr die von Vielen gerügten Mangel an der Orthodoxie in Betracht ziehen

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