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Jeschurun · 1885-08-20 · Heft 34 (20.8.1885) · p. 534

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 34 (20.8.1885)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1885-08-20
Page
534 (sequence 2)
Language
German
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534 bessere Rathschläge ertheilen, als Herr Reich selbst, wer kennt denn die Fehler, Mängel und Lücken besser als er! Herr Reich hat den Entschluß gefaßt, in Bälde eine Landesversammlnng einzuberufen. — Von der Besonnenheit dieser אסיפה in spe wird nun das nächste Geschick, das Wohl und Wehe der orthodoxen Judenheii in Ungarn abhangen. — Dieser אסיפה wird cs obliegen, das große Werk der Reorganisation wenn schon nicht durchzuführen, so doch wenigstens emsprechcnd einzuleiten, und der Ncalisirung erheblichen Vorschub zu leisten. Ja, wir erwarten und fordern von dieser Versammlung, daß sie nicht bloS Fragen administrativer Natur in die Berathungssphäre ziehe, sondern über eine Alles umfassende und durchdringende Reorganisation ganz vorzüglich die Diskussion eröffne. — Die Verwaltnng mag noch so gut und trefflich geregelt werden, so lange man an dem vorwaltenden Systeme festhält, so lange .der Geist der Unduldsamkeit und Vor- Eingenommenheit entscheidend in die Wagschale fällt, müht man sich umsonst ab, diese Systeme haben unsere Situation verschlimmert und können sie nie verbessern. Es giebt viele brennende Fragen, die ihrer Lösung entgegengeführt werden müssen. Wir nennen: die Revrganisation des Jeschibawesens, wenn dem Seminar der Reformer kräftig entgegen gearbeitet werden sott; die Regelung des Religionsunterrichtes an den Volks- und Mittelschulen, damit unsere Jugend nicht baar attes religiösen Wissens heranwachse; die Konsolidirung aller konservativ gesinnten Rabbiner und Laien, ohne Unterschied, ob sie in einer ausgesprochen orthodoxen oder nicht konstituirten Gemeinde ihr Domizil haben, wenn unsere inneren Schäden Heilung finden sotten re. rc. Wir wissen wohl, daß cs viele opportunistische Elemente giebt, welche solch delikaten Angelegenheiten gerne ans dem Wege gehen; 'wir wissen auch, daß namentlich ein Antrag auf ״Einigung aller konservativen Elemente" ans Widerstand stoßen wird, man wird sich auf תשובת מהר״ם שיק האו״ח סי׳ ש״ז berufen, woselbst allen Status-quo ־ Rabbinern und -Gemeinden jede religiöseUeberzcugung kurzweg abgesprochen und schonungslos über dieselben der Stab gebrochen wird. — Bei aller Verehrung, die wir dem Heimgegangenen Verfasser ז״ל der erwähnten Rcsponsen auch bei seinem Leben zollten, müssen wir doch darauf dringen daß unsere 1גדולים יצי darüber berathen und sich äußern sollen, ob die zitirte Entscheidung bindend ist oder nicht. Es ist dies nicht bloß eine akademische Frage, sondern eminent praktischer Natur, sie sotten offen anssprechen, ob die der Rabbiner zu N. Käroty, SäroS- Patak, Waag-Ncustadtl, Debreczin. Ujhely, NyiregyhLza, Torök-Sz-MikloS rc. rc. פסול ist oder nicht!- Wenn die Debatte über die angeregten Fragen in Fluß geräth, dann wird diese auch die opportunistischen Elemente zu einer Meinungsäußerung drängen, und diese Kontroverse wird in jedem Falle von nachwirkender Bedeutung sein. Ein jüdisches Charakterbild von Samuel Berthold Rosner. (Nachdruck verboten- Uebersetzungsrccht Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Ich werde zeigen, daß auch ich standhaft sein kann in der Verlheidigung der — Ammenmärchens Ich lehnte mich in meinen Sitz zurück und dichte Gedankenwolken dämmerten in meinem Geist auf. Das ganze bewegte Gedankenleben der verflossenen Zeit zog in klaren Bildern an mir vorüber, vom Beginne meiner Beschäftigung mit Spinoza bis zur Ueberhandnahme des trostlosen Skeptizismus. Ich durchdachte das ganze System des Spinoza und vergegenwärtigte mir diejenigen Momente, durch welche es eine so mächtige Wirkung auf mich ausübte. Da durchleuchtete mich ein greller, flüchtiger Gedankenblitz. Ich wurde betäubt, als wenn mich ein wirklicher, elektrischer Strahl getroffen hätte. Als ich mich gesammelt hatte, war aber der Gedanke schon wieder verschwunden. Ich spannte alle Kräfte an, der Schweiß trat mir vor Anstrengung auf die Stirne — vergebens! — ich fand ihn nicht. Da — da — zuckte es wieder auf, ja — ja — ich erkannte ihn — das war er — ich hielt ihn fest. War es nicht die wunderbar scharfsinnige und logische Art der Beweisführnng, mit welcher Spinoza seine Lehrsätze von den Prämissen ableitcte, die mich unwiderstehlich in ihren Bann schlug? Ader diese Prämissen selbst, diese Axiome, ans welchen ja das ganze Gebäude der Schlüsse beruht und von deren Nichtigkeit ja der Werth der abgeleiteten Konsequenzen abhängt, wie war eS denn mit diesen beschaffen? Ich überdachte der Reihe nach die Fundamentalsätze des Abschnitts, der von Gott handelt. Es siel mir wie Schuppen von den Augen. ,Willkür, Un- Natürlichkeit, Inhaltslosigkeit! — Lug und Trug/ stieß ich aufgeregt von meinen! Sitz aufspringend hervor, ,Fluch dir, eitler Thor, der es gewagt hat, ein unsicheres Herumtappen für unfehlbare Orakelsprüche auszugeben, Fluch, Fluch!‘ Ich war schrecklich aufgeregt, in meinen Schläfen hänimerte es zum Zerspringen. Da schlug die schluchzende Stimme des Vorbeters an mein Ohr, mit welcher er sang: ״Awol anachnu waavosenu echolonu!"*) Ich stürzte gleich den Anderen *) Fürwahr, wir und unsere Borsahren haben gesündigt.

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