Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1885)
- Article
- Deutschland : Dessau [Nachricht]
- Date
- 1885-08-13
- Page
- 524 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933134--19455-2962105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
524 verkauft nicht einmal einem armen Juden; er wird sich hüten, mir Waarenproben zu geben, der wirft mich hinaus," jammerte Modche. Der Herzog war jedoch unerbittlich. Er befahl nur: ״Modche, das laß meine Sorge sein, nun loof." Klopfenden Herzens betrat der Abgesandte des Herzogs die Höhle des Löwen; bevor er das Geschäftslokal betreten, sah er sich daö Trottoir vor demselben genau an, um zu prüfen, ob er noch auf andere Gegenstände, als Steine fallen könnte. Gesagt, gethan. Bevor Modche richtig vor dem Tnchhändler gestanden, flog er schon zur Thür wieder hinaus und-auf den eintretenden Herzog Leopold. Hoheit waren darob scheinbar höchlichst entrüstet. ״Was, Du erlaubst Dir, mit meinen Bürgern so umzugehen? -Himmel Donnerwetter! Gleich entschädigst Du den armen Juden mit zehn Thalern," befahl er in barschem Tone. Der Tuchhändler war zwar wüthend über dieses Ansinnen, aber er that, wie ihm befohlen. Der Herzog nahm das Geld und überreichte es dem bestürzten Modche mit den Worten: ״Da hast Du, Modche; geh' nach Hanse und laß ooch roochen." * Breslau, 10.?lug. Der Mainzer ״Israelit״ enthält folgende beachtenswerthe Berichtigung׳. In der Nr. 58 Ihrer Zeitschrift (S. 982 ff.) findet sich eine die JudeumissionSgesellschasten betreffende Korrespondenz ans London. Dieselbe enthält einige ungenaue Angabeu, die ich zu berichtigen bitte: ״Jugendliche Blaustrümpse und mehr noch alte Jungfern Englands schrieben" — Ihrem Londoner Korrespondenten zufolge ״zahllose TraktätchenDer Korrespondent kennt diese wohl nur von Hörensagen, sonst wäre ihm schon auf vielen Titelblättern die Namen von Männern, wie Di׳. Max M. Caul, Di׳. MyerS, Professor Delitzsch, Professor Cassel, Israel Pick, Di׳. Sapphir begegnet Ihr Korrespondent läßt sich weiter vernehmen: ״Die deutschen Juden- Missionen gingen summt und sonders ein". Von dem Gegentheil kann er sich theils ans dem jüngst von Ihnen mitgetheilten Jahresbericht der Berliner Gefellschaft, theils ans folgenden deutschen Judenmissions- Zeitschriften überzeugen: 1) Nathanael, Organ der eben genannten Gesellschaft. Herausgeber Professor Strack. 2) Saat auf Hoffnung. Organ des evaugelisch-lutheri- Zentralvereins für die Mission unter Israel. Nedaktenr Professor Delitzsch. 3) Missionsblatt des rheinischwestfälischen Vereins für Israel. Auch die von Prediger Hartmann i. I. 1840 begründete, bis 1884 von Pastor de le Noi, seither von mir herauSgegebeuen ״Dibre Cmeth" liefern Beweise dafür, daß die Juden- Mission in Deutschland ebensowenig erloschen ist wie in England. Die ..Londoner Gesellschaft" hat keines- Wegs — wie weiter behauptet wird — Mitteleuropa aufgegeben. Sie beschäftigt immer noch Agenten in Hamburg, Danzig, Königsberg, Posen. Breslau, Frankfurt a. M., Köln, Straßburg, Mannheim, Kornthal bei Stuttgart, Wien und Lemberg Desgleichen besitzt die 1842 gegründete ״Britische Gesellschaft" Misstonsarbeiter in verschiedenen Städten DeuschlandS und Oesterreichs. Der kürzlich verstorbene Missionar Dr. Stern stammte nicht aus Ungarn, sonder aus Frankfurt a. M, und Professor Cassel in Berlin treibt nicht so zu sagen auf eigene Faust Mission, sondern steht im Dienst der ״Londoner Gesellschaft." — Pastor W. Becker. Missionar der ״Londoner Gesellschaft." Oesterreich-Ungarn. 0. Prag, 6. August. Daß die Israeliten hinter der allgemeinen Bildung nicht Zurückbleiben, ist eine längst bekannte Thatsache, welche aber leider von unsern Gegnern nur allzu oft und gern geleugnet wird. Deshalb ist eS gewiß nicht überflüssig, von Zeit zu Zeit an der Hand der Statistik eine Bestätigung dieses Faktums hcrvorznheben. Eine solche fanden wir in dem Besuche der höheren Lehranstalten seitens der jüdischen Jugend. Das hiesige deutsche Staatsgymnasium, Altstadt, ist von 398 Schülern besucht, unter welchen sich 204 Israeliten befanden; das deutsche Staatsgymnasium, Neustadt, von 546 Schülern, darunter 335 Israeliten. Diese Ziffern reden zu deutlich, um eines Kommentars zu bedürfen. . . r . Lemberg. August. In Verfolg meiner Korrespondenz vom 25. Juli (Nr. 31) theile ich Ihnen im Folgenden den Wortlaut der an das.Ministerium abgegangenen Petition der hiesigen israelitischen Arbeiter und Handwerker mit. Es steht zu erwarten, daß dem nicht unbilligen Petitum willfahrt werden wird. Die Eingabe lautet: ״Hohes k. k. Ministerium des Innern: Die in Ehrfurcht gefertigten Lemberger Arbeiter, Handwerter und Gewerbölente mosaischen Glaubens, durch die aus sie ausgedehnte Sonntagsruhe in ihren Lebens- Interessen aufs Schwerste bedroht, wagen es hiemit, sich an das hohe k. k. Ministerium um gütigen Schutz und Abhülfe zu wenden und ihre unterthänigste Bitte wie folgt zu begründen. Die gesetzlich einaeführle Sonntagsruhe verfolgt den Zweck: den arbeitenden Klassen einen Tag in der Woche Erholung zu schaffen und ihnen die Möglichkeit zu geben, dem Gottesdienste beizuwohnen und für ihre geistige und sittliche Erbauung Sorge zu tragen. Durch die Ausdehnung der obligatorischen Sonntagsruhe auch ans die Arbeiter mosaischen Glaubens wird jedoch in Nüksicht derselben nicht nur diese Absicht der Gesetzgebung verfehlt, sondern auch der ökonomische Bestand dieser Arbeiter in Frage gestellt. Die Arbeiter, Handwerker und Gewerbölente jüdischer Konsession in Galizien beobachten nämlich im Sinne ihrer Religion den Sabbath auf das Gewissenhafteste, indem