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Jeschurun · 1885-08-13 · Heft 33 (13.8.1885) · p. 516

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 33 (13.8.1885)
Article
Ein Zweikampf im Lager der Reformer
Date
1885-08-13
Page
516 (sequence 2)
Language
German
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516 und ging nach Newyork. Nun Tan! bei* Zwiespalt! Wie sich Helsen? Ganz eiirsach natürlich — in seinem Hause war der Reverend orthodox — im Tempel ucolog. Nun mochte dem ehrwürdigen Geistlichen denn doch die Reform der ״Ahawath Stzefed" sur^etzt noch etwas zu weit fortgeschritten sein. Für den Fortschritt war der Rabbi auch, aber immer langfam voran! Die Bahn war ihm noch zu. glatt, zu schlüpsng, und die Amerikaner waren ihm zu schnelle Vaufer — da konnte er absolut nicht mufommeu. Er stellte sich daher seinen Schafen in den Weg und ermahnte sie als getreuer Hirte, nicht so schnell zu laufen, lieber etwas anzuhaltcn und Athen! zu schöpfen. Herrn Dr. Kohut war die Abschafsnng des י״מ שני etwas zu viel des Guten, auch mochte es ihm nicht ganz gefallen, daß seine andächtigen Zuhörer mit unbedecktem Haupte Gott ihre Andacht im Tempel weihten re. Er mahnte daher zum Stillstand und meinte, es wäre doch nicht ganz so übel, wenn man z. B. den zweiten Tag י״ס wieder einsührtc. Das י hieß natürlich Üel ins Feuer gießen. Die Reform war bedrängt, wo war der Netter? Da raffte sich Reverend Dr. Köhler auf, jener Verkünder des wahren JudenthumS, der sich gegen מילה, gegen מצות, für Schweinefleisch und Austern erklärt hatte, und warf dem Schänder der Reform seinen Handschuh hin, indem er behauptete, Kollege Kohnt bedeute' das Unglück Amcrika's. Dieser aber nicht faul, nahm den Handschuh auf, und nun begann ein Ringei!, drob Amerika erbebte. Und es ist wirklich interessant, diesen Kampf ein wenig zu betrachten. Auf der einen Seite die glcißnerischc Heuchelei, der letzte Rest von Gewissen, welches dazu antreibt, wenigstens das Extremste der Reform etwas ausznhalten, auf der andern Seite der rücksichtslos-drauflosgehende, unerbntLiche, wüthmde Reformer. Jener sagt, er leugne nichts — verleugnet aber Alles, vor Allem die Gesinnnng, — dieser leugnet Alles, verleugnet aber nichts, besonders nicht seine Gesinnung. — Fragen wir uns, wer Recht hat, so rönnen wir natürlich Keinem Recht geben. Entschieden aber ist Köhler der Ehrlichere. Der Mann sagt doch wenigstens, was er denkt, mnm uns sonst auch der AUeS leugnende Reverend als Apostat erscheint. Aber wie wir den frömmelnden, wie ein schwaches Rohr hin- und herschwankcndcn Kohnt bcurthcilen muffen — das wird der verehrte Leser selbst am besten wissen. Eine jämmerlichere Rolle hat wohl seilen ein Mann gespielt, wie er, der bald als Orthodoxer, bald als Reformer erscheinen will, wie es ihn! eben der persönliche Borthcil gebietet. — Uedrigens steht dieser Herr leider nicht allein da. Amcrilu uns Deutsch-!and besitzen viele solcher ״Geistlichen", die in Halbheit und Energielosigkeit ein Bild der elendesten Uusucim« lichteit unb RcÜaisnHvcrlctzung bieten. Im Ucbngcn berührt uns der Kampf Köhler — Kohut eher komisch als traurig, da wir unS schon an Vieles haben gewöhnen müssen, Dil'lieüü est sjitiram non scribere. -<1-!!öd) einmal Me Mm auf Mit LkiMger Messen. (Schluß.) Von böhmischen Einkäufern sind diesmal nach aücgirtcr Tabelle nur 37 Christen und 41 Juden, vordem aber der Letzteren wohl 100 anher kommen. Die für das Leipziger Kommerzium ebenso fatale, als für das wahre und wohlverstandene österreichische Interesse nachtheilige Expnlsion der so importanten Jndenschaft aus Prag hat diese Verminderung vernrsacht, wodurch der Waarendebit in Leipzig jährlich über 300 000 Thaler Werth abgcfallcn, zumal in Böhmen fast der ganze Handel in den Händen der Inden gewesen, die sich an deren Platz ctablirendcn christlichen Kaufleutc aber den zum Handel nöthigen Kredit nicht haben und den wenigen Kredit, den sie erlangten, dadurch verloren, daß eben ein solcher sich erst vor gar kurzer Zeit in Prag etablirtcr Kaufmann, mit Namen Razcberger, schon wieder bankerott geworden. Michaelismesse 1771.׳") Uebcrhaupt aber haben wir von dem Einkauf der polnischen Inden und der Griechen und von der Versendung ihrer Waaren - noch so viel erfahren, daß man das baare Geld der Juden zusammen circa auf 400 000 Thaler geschätzt und ihr Einkauf möchte sich wohl auf eine halbe Million bclansen, indem sie zugleich viele Waare auf Kredit geuomrnen. Ähre Güter sollen zusammen 3000 Zentner betragen haben. Ri! ch a e l is m c ff c 17 7 2. Die starken Einkäufe der Macedonicr und polnischen Juden geben den Ausschlag, denn die sächsische Bevölkerung war wegen der großen Thcuerung der Lebensmittel nicht kauffähig. Die Polen brachten circa 300 000 Thaler in Rubeln mit. Ein Pale, Bogtanowiz ans Lemberg, kaufte allein für 03 000 Stück Dukaten feine Waare aller Art. Ein anderer Jude aus Brod brachte 30 000 Dukaten mit. M ich ael is me ssc 1 7 7 3. Wie beträchtlich der Handel derjenigen Inden ist, welchen bisher Freipässe erthcitt wurden, geht daraus hervor, daß die Waage- Annahme!: von ihren! Einkauf in der Ostermesse 1773: 1096 Thaler 2 Gr. 6 Pf. betrug, welches nach ihrer Angabe für 246 200 Thaler Waare ausmachte; da *) Die folgenden Mittheilungen sind sämmtlich Auszüge 3U3 ren osfiz'rcllcn Berichten, welche die Kommerzdeputat'l onen über jede Messe der Landesregierung Zu erstatten hatten.

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