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Jeschurun · 1885-08-13 · Heft 33 (13.8.1885) · p. 515

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 33 (13.8.1885)
Article
Der rumänische Judeneid
Date
1885-08-13
Page
515 (sequence 2)
Language
German
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515 mit dem Stcrbegewand und in den Gebctmantel,? gehüllt. Also begiebt er sich auf die Estrade, welche j zur heiligen Lade führt, entnimmt derselben die Gesetzes-! rolle und halt solche mit dem rechten Arme. Daraufhin wird drei Mal in den Schofar gestoßen und ihm sodann die folgende Eidesformel vorgcsagt, welche er Wort für Wort mit lauter Stimme nachzusprcchcn hat: ״Wie furchtbar ist dieser Ort. dieses ist Gottes Haus, dies die Pforte des Himmels, wo unsere Gebete cmporsteigcn zu den! himmlischen Gerichts- Hose. — Ich bin hierher zur heiligen Statte gekommen, zu schwören im Namen dcS lebendigen, ewigen Gottes, dcS Schöpserö des Himmels und der Erde, des GotteS Abrahams, Isaaks und Jakobs. So wie Gott die Wahrheit ist und dieses heilige Gotteshaus die Wahrheit ist und die Thora die Wahrheit ist, also schwöre ich, daß cS die Wahrheit ist, daß ... (Gegenstand des Schwurs) ... Und wenn ich falsch schwöre, und wenn ich in diesem Augenblicke einen anderen Gedanken habe und nicht mit ganzem Herzen und mit meiner Seele schwöre, und wenn ich einen schlechten Gedanken habe und nicht die Wahrheit schwöre, so sollen über mich kommen alle Flüche der Thora, der תובהה — Amen! -Ich soll versenkt werden, wie Korach mit seinen Genossen versenkt worden ist, und alle bösen Träume sollen auf mich fallen. Amen! — — Gott soll cs fügen, daß mein Weib und meine Kinder und alle meine Freunde ein schwarzes Ende nehmen. — Amen!-Der Donner soll mich erschlagen. — Amen!-Mein Name soll ausgerottet werden. — Amen!-Ich soll nach meinem Tode aus dem Grabe hinauSgeworfcn werden, wie das Meer die Aegypter anSgeworfcn hat, — ich soll nicht zu einem israelitischen Begräbniß, קבר ישראל, gelangen, — Hiobs Drangsale und Leiden sollen mich überkommen. — Amen!- Die zehn Plagen Aegyptens sollen mich treffen. — Amen!-Ich sott unstät und flüchtig sein, und, wo ich mich immer aufhalten werde, kein Stückchen Brod soll mir werden. — Amen!-Ich soll in diesem Jahre ein schwarzes Ende nehmen — Amen!-So das, was ich schwöre, falsch ist, so sott ich ein schwarzes Ende gleich Haman nehmen, — Gott soll mir Hunger und Noth senden, — Gott soll mich mit jeder Art Krankheit strafen, — wohin ich mich auch kehren und wenden werde, da soll ich kein Gelingen haben und alle falschen Anschuldigungen sollen auf mich fallen. — Amen! -Ich soll nicht den Moschiach erleben. — Amen!-So wie Gott die Wahrheit ist und seine Thora die Wahrheit ist, also wahr ist auch mein Eid. — Amen. Amen Selah!" Man glaubt also, sich der Wahrhaftigkeit des Juden nur durch ganz absonderliche Verwünschungen und Betheuerungen versichern zu können, und dieses geht soweit, daß die Gültigkeit dcS Eides dadurch aufgehoben wird, wenn auch nur eine der Vorschriften nicht beachtet worden ist. Wenn z. B. sich Herausstellen würde, daß der Schwörende nicht in die Mik'weh gegangen wäre oder etwas Speise zu sich genommen hätte, oder daß von den Zizith ein Faden abgerissen wäre, so würde der Eid ungültig sein. Und dabei weiß man in Rumänien sehr wohl, daß des Inden Gewissen mindestens so zart ist wie das der übrigen Bevölkerung, und der Jude nicht mehr dem Verdacht eines Meineids ausgcsetzt zu werden verdient als der rnntänische Bauer und Bojar. Die Juden haben sich wiederholt bemüht, von dieser sic beschimpfenden Prozedur entlastet zu werden, aber es hat ihnen nichts geholfen. Jedenfalls sollte in keinen! zwischen jüdischen Parteien anhängigen Rechtsstreite irgend welcher Art ein Jude von seinem Gegner die Leistung eines solchen Eides beantragen. Dieses geschieht aber leider noch hin und wieder. Ein Jiudhöinpf int Mer der Reformer. Ncwyork, Juli. Ein interessanter Kampf erschüttert augenblicklich die gcsanunte Union. Denken Sie aber dabei janicht etwa an einen erneuten Bürgerkrieg der Süd- und Nordstaaten — nein, in bcgrä uzen den Schranken der amerikanischen Judenhcit stehen sich zwei edle Necken gegenüber, um sich in wüthendem Ringen, wilden Thicren gleich, zu zerfleischen. ״Hie Köhler — hie Kohut!" ist daS Schlachtgeschrei, mit welchem ZeitungSschrcibcr und Leser ein gewaltiges Geplänkel eröffnet haben, unter der Aegide der im Schlachtruf angerüfenen Oberhäupter. — Wie Sic, geehrte Leser,, ans Nr. 24 dieses Blattes erfahren haben, ist an der Newyorker Gemeinde ״Ahawath Chesed", welche der ausgesprochensten Reform angehört, ein Herr Dr. Kohut, früher Rabbiner in Großwardein, zum Geistlichen erwählt worden, zu leiten und zu lenken die Heerde Gottes, die sanften Schafe, aus den Wegen des erhabensten, aufgeklärtesten Fortschritts. Drob war der fromme Sinn des ״bedeutenden Reverend", wie ihn die amenkonischen Zeitungen anpreiscn, obgleich inan diesseits dcS Ozeans von seiner Größe wohl ebenso wenig wußte, wie Sie von ihm wissen, twf betrübt ob der schrecklichen Zunruthung, an den Tempel der extremsten Reform zu gehen — doch was thnt man nicht Alles לשם שמים? Kurz, er blieb betrübt —

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