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Jeschurun · 1885-08-06 · Heft 32 (6.8.1885) · p. 510

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 32 (6.8.1885)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1885-08-06
Page
510 (sequence 2)
Language
German
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510 großen Ferien die PrciSvertheilungcn in den Schulen statt. Die jüdische Jugend zeichnet sich wie gewöhnlich bei dieser Gelegenheit besonders aus. England. §§ London, 2. August. Die Menschheit trauert, denn ihre Zier ist geschwunden, der edelste Mann zweier Jahrhunderte hat auSgcathmet. Seine reine Seele ist entflohen zu den Regionen der Ewigkeit, nachdem sic die irdische Hülle abgestreist. Und doch spüren wir den milden Hauch des reinsten Geistes, des Geistes der vollendetsten Menschenliebe und Selbstlosigkcit, — in den Werken, die durch ihn, des Edlen Hände, geschaffen. Ruhig und friedlich, bis in die letzten Angrnblicke hin das Bewußtsein bewahrend, schied er von uns, im steten Danke gegen Gott, der ihm das?eben so lange gelassen zu dem freudigsten Schassen für seine unglücklichen Brüder. ״Ich danke Gott" tvaren die Worte, die der Edle während der letzten Stunden in hebräischer und englischer Sprache häufig wiederholte. — Die eigentliche Krankheit Monte׳ fiore's begann am Mittwoch, den 15. Juli, und er befand sich zwei Tage sehr schwach, am Samstag erholte er sich etwas. Am 25. Juli trat jedoch Lungenlähmung ein, Montag verschlechterte sich sein Zustand bedenklich und am 28. Juli, Nachmittags 2 Uhr, trat die Agonie ein. In inbrünstigem Gebete verbrachte er mit seinen Verwandten und Freunden, die ihn umgaben, bis um halb 5 Uhr der Tod cintrat. Ganz RamSgate hat Trauer angelegt um seinen besten Bürger, das Rath- Haus ward schwarz drapirt, und der Bürgermeister ließ die Einwohner ersuchen, aru Bcgräbnißtagc ihre Läden zu schließen. — Freitag, Nachmittags 2 Uhr, fand die feierliche Beisetzung statt. Von London brachten zwei Extrazügc eine große Menschenmenge. Nach Tausenden zählten Diejenigen, welche dem Dahinacschiedenen die letzte Ehre erweisen wollten. Der Lcichcnzug war unabsehbar, zahlreiche hohe Beamte, der Gemeinderath von RamSgate in corpore, Vertreter der Königin rc. bctheiligtcn sich. Er ift von uns geschieden, doch lebt er ewig in unserem Andenken, sein Name strahlt an der Spitze unserer großen Tobten — seines hehren Wirkens Lohn ist die Unsterblichkeit seines Namens זצ״ל. N ußland. ..z. Petersburg, 31. Juli. Die unter dem Vorsitze des Grasen Pahlcn schon Lauge arbeitende Kommission zur Regelung der jüdischu! Berhältuissc hat viele statistische Erhebungen und polilischc Ermitteluugen von allen GouvcrncmcntSbehördcn ciugefordert. Das Material dürste jetzt genugsam srudirt und geprüft sein, um für die dem StaatSrathe za unterbreitenden Vorschläge benutzt zu werden. Es verlautet einerseits, daß jedenfalls im Laufe dcS September eine entscheidende Sitzung abgchalten werden solle, andererseits aber, daß man noch gar nicht an eine solche denken könne. Ebenso gehen die Ansichten der Tendenz, welche in der Komntission die Oberhand gewonnen haben sollen, auseinander. Nach der einen Version verspricht rnan sich eine wirkliche Besserung des Zustandes der arg bedrängten Israeliten, nach einer anderen soll aber eine Erschwerung der ErwcrbS- und NiederlassungSverhältnissc in Aussicht zu nehmen sein. WaS nützen alle diese Mnihmaßmigen? Bestimmtes weis; Niemand. Der Kuriosität halber möge hier eine durch die Zeitungen gehende Mittherlung über dieses Thema angeführt werden. Nach derselben soll die Kommission die Absicht haben, das ganze Reich den Juden zu crschlicßen. Daneben aber sollen die folgenden Bestimmungen Platz greisen: um eine Bersührung der Beamten durch die Juden zu verhindern, dürfen diese nicht direkt mit den Behörden Geschäste abschlicßcn, — damit daS gemeine Volk sich nicht allzusehr der Trunkenheit hingebe, wird den Juden bie Fabrikation und der Verkauf von Spirituosen verboten, — damit das Volk nicht zur Auflehnung gegen die NcgierunaSgewalt veranlaßt werde, sollen den Juden alle Geldgeschäfte verboten werden. Diese Bestimmungen sollen auch für getaufte Juden gelten. — Wenn nicht ernsthafte Zeitungen solches berichteten, so möchte man an einen Scherz denken. R u m änie n. Botin scharr (Rumänien.) Durch die Güte unseres Gesinnungsgenossen schreibt die ״Selbstcmanzrpation", Herrn Eh. Fischgold in Bottuschan, sind wir in der Lage, einen Artikel einer rumänischen judcnfreundlichen Zeitung ״Voeea dreptfitei“. (Die Stirn me der Gerechtigkeit) in deutscher Übersetzung wiedcrzngeben, der die ganze Trostlosigkeit der Lage der rumänischen Inden enthüllt und Schaudern hervorruft. Er lautete: Schlaget! Schlaget die Juden, bis kein Blut mehr in ihren Adern fließt! Unterdrücket sie, daß sic ans den Straßen vor Elend und Hunger sterben! Verjaget, verstoßet sie, daß kein einziger mehr in diesen! Lande bleibe! Fraget r!icht, ob die Juden Euch Unrecht und BöseS zugefügt; vergesset, daß auch sic zum Fortschritte :Rumäniens beigctragcn haben; achtet nicht daraus, daß auch sie Menschen sind, daß auch in ihrer Brust ein Menschenherz pocht; hört nicht auf die Worte gelehrter, freidenkender Männer; horchet nicht aus die Worte Christi: ״Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst"; unterdrücket in Euerer Seele jedes menschliche Gefühl und schlaget und schlaget die Inden....! Schlaget! ... ruft eine Stimme in diesen! Laude, sie ertönt mächtig und der größte Theil dcö Volkes gchochrt dieser Stimme und schlägt erbarmungslos drein. Denkt Euch, Ihr Numüner, Ihr werdet durch irgend einen Zufall ans Euerem Lande verjagt, Ihr muffet anSw ander!!, Euch

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